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14. August 2007, 11:51 Uhr

Ärzte bevorzugen reiche Gegenden

Deutschland hat Mediziner im Überfluss, aber die sind schlecht verteilt. Denn keiner will aufs platte Land. Stattdessen kurieren die Doktoren lieber in attraktiven Wohngegenden. Stilllegungsprämien, Praxisfilialen, Umsatzgarantien, Mediziner-Soli und billige Mieten sollen Ärzte in die Diaspora locken. Von Brigitte Zander

Ärzte von der Uniklinik München gehen in der Isar baden - das finanziell gut situierte München ist ein Paradebeispiel für Überversorgung mit Ärzten© Stefan Kiefer/ ddp

Bis vor einem Jahr konnten die 7000 Einwohner der Marktgemeinde Weidenberg im Fichtelgebirge noch bei fünf Hausärzten Hilfe suchen. Dann ging der Älteste ohne Nachfolger in den Ruhestand. Ende Juni wanderte der langjährige Haus- und Notarzt Ulrich Harte, 45, mit Frau und vier Kindern in die Schweiz aus. Er habe die Nase voll vom deutschen Gesundheitssystem, von Rund-um-die-Uhr-Arbeit, schlechter Bezahlung und überbordender Bürokratie, erklärte er Kollegen und Patienten. "Wir sind politisch missbrauchte Mittler der Sparaktionen", hieß es in seinem Abschiedbrief.

Deutschland hat international die höchste Ärztedichte

Seine zurückgebliebenen Kollegen in Weidenberg im Landkreis Bayreuth, inserierten am nächsten Tag im Gemeindeblatt, dass sie "bedauerlicherweise die Patienten von Dr. Harte nicht übernehmen können". Sie seien selbst übervoll, und "die vorhersehbare Arbeitsüberlastung gefährdet die qualifizierte Betreuung der eigenen Stammkunden, die unsere 63-Stunden-Woche schon völlig ausfüllen."

Bisher kannte man derartige medizinische Notstandsberichte vor allem aus den neuen Bundesländern. Die aktuelle Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) belegt solche Mängel nun auch in Landregionen der alten Länder. Dabei ist Deutschland reichlich mit Ärzten gesegnet. "Mit durchschnittlich 370 Ärzten auf 100.000 Einwohner belegen wir international einen Spitzenplatz. Im Vergleich zu Nachbarländern wie Frankreich und den Niederlanden haben wir eher zuviel Praxen", kritisiert Wido-Wissenschaftler Thomas Uhlemann. "Aber die sind schlecht verteilt. Und attraktive Gegenden gnadenlos überversorgt."

Die Weißkittel heilen lieber in interessanten Städten oder in schöner Landschaft, wo auch jede Menge lukrative Privatversicherte wohnen. Höchst ungern siedeln sie in armen ländlichen Regionen an der polnischen Grenze, in der Uckermark oder im Saalkreis bei Halle. Alles weitab von Edelrestaurants, Theatern, Hochschulen, und Boutiquen.

München ist Paradebeispiel für Überversorgung

Als Paradebeispiel für medizinische Überversorgung gelten München und der Nobelort Starnberg. Dort tummeln sich allein zwanzig Internisten. Das bedeutet einen Versorgungsgrad von über 500 Prozent. Mit vier Internisten wäre der Bedarf voll gedeckt. Außerdem tummeln sich im Raum Starnberg 109 Hausärzte, 73 wären ausreichend. 16 Frauenärzte stehen sich gegenseitig auf den Füßen, mit elf wäre dass Soll erreicht. Und statt neun HNO-Ärzten wären auch vier genug. Reiche Orte sind auch reich an Ärzten.

Uhlemann hält die Praxen-Inflation für "einen Irrsinn. Solch ein Überschuss hat nichts mit medizinischer Notwendigkeit zu tun." Doktorberge häufen sich auch in anderen Wohnidyllen wie Freiburg im Breisgau, Garmisch-Patenkirchen, im Berchtesgadener Land oder dem Main-Taunus-Kreis. Dort drängen sich zum Beispiel elf Orthopäden; mit fünfen wäre die Region hundertprozentig versorgt. Auch beliebte Metropolen ziehen Weißkittel magisch an. In München praktizieren statt der nötigen 817 Hausärzte derzeit 1100. Internisten gibt es 199, aber 106 würden statistisch gesehen völlig ausreichen. Um Frauenleiden kümmern sich 286 Gynäkologen, rechnerisch 52 Prozent zuviel.

Das gleiche Phänomen registriert die Wido in Berlin, wo jede Menge Einzel-, Gemeinschafts- und Hobby-Praxen um Patienten werben. Neben Fulltime-Ärzten bieten auch betagte Weißkittel und saturierte Mediziner-Ehefrauen halbtags oder zweimal die Woche ihre Dienste an. Auch für kleinste Wehwehchen. Fünfzig, hundert Kilometer weiter muss sich ein gestresster Allgemeinarzt allein um einige Tausend Patienten kümmern, und alles - von der Hackbeilwunde bis zur Diabetes - behandeln.

Gegen Neulinge wird geklagt

Dort in der medizinischen Diaspora pilgern die Kranken mit schweren Leiden kilometerweit zur einzigen Praxis, in der vielleicht bald das Licht für immer ausgeht. Denn händeringend fahnden betagte Landärzteärzte aus Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, aus Nordbayern, Niedersachsen und Friesland, auf Praxisbörsen und in Anzeige nach einem Nachfolger. "Gut eingeführte Allgemeinarztpraxis ohne finanzielle Ablösung sofort problemlos zu übernehmen", liest man dauernd in medizinischen Fachblättern.

Fairerweise muss erwähnt werden: Auch in schönen Gegenden quälen sich die Ärzte mit Berufssorgen herum. Die Konkurrenz stört. Insider berichten vom Hauen und Stechen zwischen den Doktoren. Man klagt gegen jeden Neuling, der in den überversorgten und darum gesperrten Gebieten doch noch eine Nische erspäht hat, und sich zum Beispiel über Sonderzulassung als Urologe oder Rheumatologe niederlassen will. Noch einer, der am Honorartopf knabbert! Die Fehde zwischen Haus- und Fachärzten hat in München schon zum Eklat in der Kassenärztlichen Vereinigung geführt.

Dr. Christoph Grassl, alteingesessene Hausarzt-Praxis in der bayerischen Landeshauptstadt, ärgert sich über die zu vielen Fachärzte, "weil die in den Pfründen der Hausärzte wildern". Daran sind die anspruchsvollen Patienten nicht unschuldig: "Die gehen automatisch mit jedem Schnupfen zum HNO-Arzt. Und mit jedem Herzklopfen zum Kardiologen."

Überversorgte Regionen produzieren hohe Kosten

Selbst Lappalien sind vielen niedergelassenen Ärzten in München willkommen. "Wer nur ein paar hundert Namen in der Kartei hat, muss während seiner Sprechstunden auf Patienten warten, und hat viel Zeit, rundum zu diagnostizieren, zu therapieren, und nachzudenken," weiß Grassl. Beispielsweise über Zusatzleistungen, die man dem Kunden noch privat verkaufen kann, um das karge Kassenhonorar aufzubessern.

Angesichts der Konkurrenz wagt kaum ein Arzt, unverschämte Patienten zu vergraulen. "Da kommen die Damen und wollen harmlose Schönheitsflecken gelasert, Falten geglättet, und teure Cremes auf Kassenkosten verschrieben haben", berichtet eine Hautärztin in München-Schwabing. Wenn man zögert, drohen die Patientinnen: "Ich gehe zum nächsten Kollegen."

Solche Extravaganzen gehen ins Geld. "Das Spitzenangebot einer überversorgten Region produziert hohe Kosten", konstatiert Robert Schurer, Chef der AOK-Direktion München. Die Leistungsausgaben je Mitglied sind hier deutlich höher als normalerweise. Nach Berechnungen des örtlichen Instituts für Gesundheitsökonomie kostet ein Versicherter im Bundesdurchschnitt 2674, in München über 4000 Euro. Zwar ist das Budget für die ambulante Versorgung gedeckelt. Aber dazu summieren sich Kosten für Kliniken, Medikamente, Reha-Maßnahmen, sowie Zusatzhonorare für Versorgungsverträge mit Kliniken, Medizinern, und Apotheken.

"Mehr Ärzte auf engem Raum bedeuten mehr Leistungen, die bezahlt werden müssen", resümiert Schurer. Das übernimmt letztendlich der Versicherte mit seinen unaufhaltsam steigenden Beiträgen.

KV'en wollen Ärzteberg entzerren

Die Kassenärztlichen Vereinigungen, die für die ambulante vertragsärztliche Versorgung im ganzen Land verantwortlich sind, haben ihre liebe Not, den Ärzteberg zu entzerren. Sie tut sich schwer mit den wählerischen Freiberuflern. "Wir können die Leute nicht mit dem Lasso einfangen und zwangsverpflichten", stöhnt Dr. Roland Stahl, Sprecher des Kassenärztlichen Bundesvereinigung KBV in Berlin. Auch die Predigt der Gesundheitsministerin, "Ärzte müssen mobiler werden", nutzt wenig gegen die Landflucht.

Stattdessen sollen Prämien für Praxisschließungen (wie Stilllegungsprämien in der Landwirtschaft) und der Aufkauf von Vertragsarztsitzen in überversorgten Gebieten die Ärzte nach Bedarf steuern. KV'en versprechen jungen Medizinern in Mangelregionen eine Weiterbildung zum Facharzt. Oder sie animieren in Notsituationen - wie jetzt im nordbayerischen Weidenberg - einen Hauarzt aus einem Nachbarort, auch noch die verlassene Praxis von Dr. Harte als Zweigstelle zu übernehmen. Seit Anfang des Jahres dürfen Ärzte Filialen betreiben. Künftig geht es den Weißkitteln in den Ärztehochburgen ans Geld. In der Diskussion ist eine Einkommensumverteilung ab 2010. Wer in begehrten Gebieten praktiziert, soll zehn Prozent vom Einkommen als Medizin-Soli für strukturschwache Gebiete zahlen; damit will man die Bezüge der Kollegen im Outback aufstocken.

Derweil ergreifen betroffene Gemeinden die Eigeninitiative und versuchen Mediziner mit Investitionshilfen, Umsatzgarantieren, Bau- und Kindergartenplätze anzulocken. "Da sind individuelle Lösungen ohne Scheuklappen sind gefragt", weiß ein betroffener Gemeindevater. Die Stadt Ohdruf in Thüringen beispielweise stellt eine Praxis kostenlos zur Verfügung. Der Nordsee-Badeort Büsum hat seinem Hausarzt ein zinsloses Darlehen von 40.000 Euro gewährt. In Bredstedt in Nordfriesland suchen die Stadtväter per Annonce selbst nach dem dringend benötigten Augenarzt, dem man "Unterstützung bei der Immobiliensuche" verspricht.

In Boizenburg in der mecklenburgischen Provinz will man einer Hausärztin den Grundstückswunsch erfüllen. Und die Gemeinde Beidenfleth bei Itzehohe kaufte die Praxisräume des früheren Landarztes, um sie dem Nachfolger günstig zu vermieten. Auch mit Zuschüssen für die Praxisausstattung will die Gemeinde jedem Heiler unter die Arme greifen. "Wir müssen günstigste Voraussetzungen schaffen, damit Ärzte zu uns kommen", weiß Bürgermeister Peter Krey.

Von Brigitte Zander
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
ssdnw (17.08.2007, 13:51 Uhr)
Ärzte bevorzugen reiche Gegenden
Als Allgemeinarzt hatte ich langjährig eine Kassenpraxis im "Speckgürtel" südlich von München. Auf dem Hintergrund zahlreicher Weiterbildungen im naturheilkundlichen Bereich gehöre ich nunmehr mit meiner Privatpraxis also zu den Abtrünnigen, die sich ihrer Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit entzogen haben. Nun habe ich doch tatsächlich wegen eines erforderlichen Umzuges nach Mecklenburg-Vorpommern in Erwägung gezogen, mich nochmals den Herausforderungen einer "1000-Schein-Landpraxis" zu stellen - nach eingehender Analyse aller Praxisgegebenheiten denke ich, davon Abstand zu nehmen. Um die Voruteile der linken Medienlandschaft und der ihr Hörigen (Ich habe mit den 68ern studieren müssen und kenne genau deren spießiges Weltbild) zu bedienen, stelle ich hiermit eine Auswahl der möglichen Gründe zur Debatte, die mich wahrscheinlich von besagter Landpraxis fernhalten. 1) Es gibt weit und breit kein Nobelrestaurant, 2) die Straßen sind für meinen Porsche zu schlecht, 3) der Golfplatz taugt nichts, 4) die Pharmaindustrie sponsert nicht wie gewünscht und ich habe 5) noch keine Anwaltskanzlei gefunden, die meine Kunstfehler vertuscht. Privatpatienten gibt es auch keine und ich weiß nicht, ob der kleine Dorfladen pünktlich jeden Donnerstag den STERN hat - schließlich verkaufen die ihr Blatt ja auch lieber dort, wo sich die zahlungskräftige Leserschaft bündelt.
DJ_Stoenzel (16.08.2007, 21:44 Uhr)
@ohne Placebo
Für die Glückwünsche zum Examen bedanke ich mich schon mal ! Deine geschilderten Erfahrungen decken sich mit den meinigen - in vielen Arztpraxen geht es zu wie in einer Fabrik. Einem Patienten mehr als 5 Minuten Aufmerksamkeit zu schenken ist ein Luxus und auf Dauer geschäftsschädigend. Von Ärzten aus Schweden und Frankreich weiß ich, daß diese dort pro Tag ca. 20 Patienten (maximal) in ihrer Praxis sehen. Ein dt. Arzt empfängt häufig an einem Tag soviele Patienten wie ein franz. Kollege in einer Woche, verdient aber selbstverständlich deutlich weniger...Dir auch viel Erfolg im Studium.
DJ_Stoenzel (16.08.2007, 21:33 Uhr)
Vergütung der Leistungen bei GKV-Patienten
die Vergütung der med. Leistungen in der Arztpraxis ist leider so niedrig, daß sie oftmals nur noch Symbolcharakter hat und ein kostendeckendes Arbeiten gar nicht erlaubt. Das Minus, was Kassenpatienten bei vielen Leistungen hinterlassen, müssen dann privatversicherte Patienten ausgleichen. Für eine Praxis lebenswichtig sind auch die Selbstzahlerleistungen. Meine Mutter war vor ca. 4 Jahren gezwungen, ihre Kassenarztpraxis in einer ländlichen Region Norddeutschlands aufzugeben, da sie einfach die falschen Patienten hatte. Patienten mußten im 5-Minutentakt durchgeschleust werden, das Wartezimmer war stets voll, die Wartezeiten auf einen Termin lang genug. Man braucht sich nicht zu wundern, daß Ärzte lieber nach Nordschweden abhauen, als hierzulande auf dem Land eine Praxis zu eröffnen und sich völlig dafür zu verschulden/ ruinieren.
kadarka (15.08.2007, 12:43 Uhr)
Was bin ich glücklich
den Stern gegen den "Durchblick Gesundheit" getauscht zu haben.
Medizin im Überfluss führt zwangsläufig zu Wartezeiten.
Sollte der Stern mal Zeit und Lust haben, sich die ca. 11.000 Einzelregelungen sachlich zur Lektüre nehen, findet er in dieser Zeitschrift einen hervorragenden Einstieg.
Lieber Stern nur weiter so, erst wenn der letzte Arzt vergrault....
PS: ich bin kein Arzt!
Dr_Dolittle (15.08.2007, 11:26 Uhr)
Direktabrechnung
Der Versuch Auswüchse der Planwirtschaft mit weiterer Planwirtschaft zu bekämpfen führt zu weiteren Auswüchsen der Planwirtschaft.
Warum haben in der DDR (Gott hab sie selig) die Leute 20 Jahre auf einen Trabi gewartet? Etwa weil das ein gutes Auto war?
Das sog. Sachleistungssystem (Pat. erhält auf "Bezugsschein", also einen Krankenschein, die Leistung ohne sich um Geld Gedanken machen zu müssen) gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.
Alle Patienten die sich über die Unbilden der Planwirtschaft beschweren, können mit ihrer Kasse Direktabrechnung vereinbaren. Dann erhalten sie "wie im richtigen Leben" eine Rechnung (oder einen Kostenvoranschlag), die sie bei der Kasse einreichen können. Dann sind zwei Dinge klar:
1. was die Leistung kostet (und vielen werden Tränen in die Augen kommen wie wenig das ist)
2. Was die Kasse nun wirklich zahlt.
(Und vielen werden Tränen in die Augen kommen wie wenig das ist).
Von Bürokraten, die sich anmaßen den Bedarf an Ärzten auf dem grünen Tisch festzulegen erwarte ich eine nach gleichen Maßstäben angefertigte Analyse des Bedarfs an Bürokraten.
Wenn wir schon mit Frankreich vergleichen: Frankreich kommt mit 50.000 Kassenmitarbeiten aus, wir Deutschen haben 150.000, das sind mehr als die Summe aller niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten!
Und dann würde ich gerne von den Patienten wissen, was sie sich lieber leisten: einen teuren Bürokraten oder einen teuren Arzt????
Dr_Dolittle
daggibaba (15.08.2007, 11:18 Uhr)
Auch Rheinland-Pfalz betroffen
Auch in der Eifel oder im Pfälzer Wald suchen Hausärzte dringend Nachfolger. Interessenten winken ab, weil die Zahl der Privatpatienten auf dem Land oft geringer ist. Aber auch wegen der Infrastruktur: wo Läden und Postfilialen zumachen und Schulklassen vor dem Aus stehen, will auch kein Mediziner mehr wohnen - und ohne Arzt will da keiner mehr hinziehen. Ein Teufelskreis. Statt gegenzusteuern wird das Problem von Politikern kleingeredet. Stimmt, noch ist es nicht überall sichtbar. Da machen dann Ärzte von Jahr doch noch weiter (z.T. trotz eigener gesundheitlicher Probleme), weil sie ihre Patienten nicht im Stich lassen wollen. Wenn diese Generation der über 60jährigen Landärzte dann nicht mehr kann oder will, wird das Problem auf einen Schlag auch im Westen fühlbar.
startklar (15.08.2007, 10:34 Uhr)
Gängig,
ohne Faktenwissen und mit kritikloser Übernahme von BMG und AOK-Propaganda, fügt sich dieser ebenso lange wie undifferenzierte Artikel in die Ärzteschelte – und -hasser- Publikationen in Deutschland ein.
Sehr verständlich, dass die „gut eingeführte Allgemeinarztpraxis ohne finanzielle Ablösung“ nicht „sofort problemlos“ übernommen wird.
Beim Ärztehonorar liegen die deutschen Ärzte international im unteren Drittel der OECD Statistik bei gleichzeitig den häufigsten Patientenkontakten.
Kann das etwas damit zu tun haben, dass Ärzte für wenig Geld bei schlechten Arbeitsbedingungen und stetig zunehmender öffentlicher Ächtung durch die Medien arbeiten müssen?
Oder hat es vielleicht damit zu tun, daß Ulla Schmidt sagt: „Die Ärzte müssen bereit sein für das Geld zu arbeiten, dass Ihnen die Kassen bereit sind zu zahlen?“
Daraus folgt dann wohl, dass das, was die Kassen nicht bereit sind zu zahlen, auch verzichtbar ist?
Ärzte, die Wert darauf legen ihre Heilkunst nach bestem Wissen und Gewissen anbieten zu können, halten zu Recht ihre Tätigkeit in Deutschland nur in „Gegenden mit wohlhabenden Bürgern“ für machbar.
Kein Verdurstender sucht in der Wüste nach Wasser.
Eine Tätigkeit als Kassenärzte in Deutschland halten viele Mediziner inzwischen für verzichtbar.
Ein Jammer für die deutsche Bevölkerung, die diese Sozialpolitik nicht will, die Folgen der verfehlten Reformen jedoch tragen muß.
Die Bürger haben jenseits ihrer Stimmviehfunktion nichts zu melden.
Damit sie nicht so schnell merken, wem sie das Versorgungsdilemma in Deutschland zu verdanken haben, sind weitere Artikel dieser Art hilfreich.
Nur weiter so, Frau Zander. Ihr Artikel ermutigt dem Beispiel des Dr. Harte zu folgen.
insLot (15.08.2007, 09:23 Uhr)
@DJ_Stoenzel
In diesem Fall bitte ich Sie ihre gsamten Ausbildungskosten doch den Steuerzahlern in diesem Land zurückzuzahlen. Sie können gerne Versuchen sich dann den Betrag in dem Land in dem Sie dann später einmal arbeiten werden von deren Finanzamt zurückzuholen.
Sie glauben Sie haben alles alleine geschaft in Ihrem Leben? Haben Sie nicht!
testsieger2006 (15.08.2007, 08:38 Uhr)
@mupfeline
Ich kann Dir genau sagen, warum Du 3 Monate auf einen Termin warten musst:
(1)Du bist wahrscheinlich schlau wie Du warst in eine BKK gewechselt. Die zahlt dem Arzt jetzt noch weniger als die AOK oder Ersatzkasse, d.h.: der Arzt zahlt drauf, wenn er Dich behandelt. Der würde Dir lieber 10 € in die Hand drücken und Dich zu einem Kollegen schicken, weil das ihn billiger käme.
(2) Es könnte auch mit dem Quartalsende zusammenhängen. Sein Budget ist eben ausgeschöpft und ab Mitte des letzten Quartals-Monats gibts kein Geld mehr von der KV für neue Kassenpatienten. (Warum haben denn soviel Praxen Ende des Quartals wohl Softwareprobleme, der Dr. ist selbst krank etc....)
(3) In der Praxis ist der Anteil an Privatpatienten wohl zu gering, denn die, so erstaunlich das für Dich jetzt sein mag, schaffen der Praxis den finanziellen Spielraum um Minusgeschäfte wie Deine Behandlung aufzufangen.
Und für alle BKK-Billigheimer, die es noch nicht gerafft haben: Die Praxen wollen Euch nicht, weil Ihr Geld kostet statt einbringt. Ihr würdet doch auch unbezahlten Urlaub nehmen, wenn ihr die letzten 2 Wochen im Quartal jeden morgen 25 € zur Arbeit mitbringen müsstet... oder???
Schwaebin (15.08.2007, 08:24 Uhr)
kanns nachfühlen
Also ich kanns den Medizinern nicht verdenken. Jeder will doch in seinem Leben das bestmögliche erreichen.
Solange unsere Politiker die Rahmenbedingungen immer mehr verschlechtern, braucht sich keiner zu wundern dass alles mehr und mehr den Bach runtergeht.
Und jemand, der so ein langes und schweres Studium wie das der Medizin erfolgreicht gemeistert hat, hat meiner Meinung nach auch Anrecht auf mehr als einen klapprigen Golf.
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