. .
News am 28.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
21. April 2009, 15:46 Uhr

Ärzte warnen vor "Wartelisten-Medizin"

Wer krank wird, muss in Zukunft bei Arztbesuchen vor allem eins mitbringen: viel Zeit. Denn trotz einer steigenden Zahl von Medizinern in Deutschland warnt die Bundesärztekammer vor einem zunehmenden Ärztemangel. Der würde lange Wartezeiten und eine schlechter werdende medizinische Versorgung mit sich bringen.

Ärztemanel, Wartelisten, Schlechte Versorgung

In Deutschland herrscht ein zunehmender Ärztemangel© Jens Meyer/AP Photo

Kranke müssen sich aus Sicht der Bundesärztekammer auf immer längere Wartezeiten in Arztpraxen und eine schlechter werdende medizinische Versorgung einstellen. Grund für diese Entwicklung ist laut Frank Ulrich Montgomery, Vizepräsident der Bundesärztekammer, ein zunehmender Ärztemangel, obwohl die Zahl der Mediziner von 1981 bis 2008 um über 30 Prozent gestiegen sei. "Wir bewegen uns auf eine Wartelisten-Medizin zu", so Montgomery.

Unter anderem durch die Zunahme immer älter werdender Menschen und durch neue Behandlungsmethoden sei die Nachfrage nach ärztlicher Behandlung gestiegen, sagte der Ärzte-Funktionär. Dadurch sei die Arbeitslast größer geworden. "Einfach gesagt: Arbeit in der Medizin ist unattraktiv geworden." Vor allem bei Fachärzten und Spezialisten komme es demnach zu Engpässen, die ambulante Versorgung in ländlichen Gebieten werde außerdem dünner.

Die Verantwortung für diese Entwicklung sieht Montgomery in der Politik und verweist dabei unter anderem auf die vielfach anfallenden Überstunden. Allein im vergangenen Jahr hätten mehr als 3000 Ärzte Deutschland verlassen, nur 1350 seien nach Deutschland gezogen. Um Abwanderung deutscher Ärzte ins Ausland aufzuhalten und wieder mehr Menschen in den Arztberuf zu locken, müsse es an Krankenhäusern mehr Stellen und eine bessere Bezahlung geben.

Trotz der anfallenden Überstunden und der steigenden Zahl der Ärzte sei die Arbeitszeit der Mediziner allgemein gesunken. Obwohl es in Deutschland 2008 rund 1,5 Prozent mehr Ärzte gäbe als noch ein Jahr zuvor, verringerte sich die von allen Ärzten zusammen geleistete Arbeitszeit im gleichen Zeitraum um 1,6 Prozent. Als Erklärung sieht Montgomery unter anderem die Tatsache, dass es immer mehr Ärztinnen gäbe und Frauen im Schnitt geringere Arbeitszeiten hätten. Der allgemeine Trend zur Arbeitszeitverkürzung schlage außerdem auch bei Medizinern durch.

Auf der anderen Seite führe die Entwicklung immer neuer medizinischer Möglichkeiten zu einem erhöhten Bedarf an Ärzten. Ständig kämen neue Fachbereiche dazu, immer mehr Mediziner spezialisierten sich immer stärker. Gab es 1924 noch 14 unterschiedliche Fachgruppen, seien heute ganze 160 verschiedene Fachbezeichnungen auf dem Markt.

Ein weiterer Grund für den erhöhten Bedarf finde sich in der Demografie: Der Anteil der Über-60-Jährigen in der Bevölkerung sei zwischen 1991 und 2007 um 20,4 Prozent gestiegen. Bei Menschen über 60 liege der Behandlungsbedarf laut Statistik 326 Prozent über dem Bedarf von Unter-60-Jährigen.

Die Patienten spürten die Auswirkungen des Ärztemangels bereits jetzt: In Krankenhäusern seien in vielen Abteilungen 20 bis 50 Prozent der Stellen nicht besetzt. Dem könne man nur durch eine bessere Vergütung und Maßnahmen wie Entlastung der Bürokratie oder dem Ausbau der Kinderbetreuung entgegen wirken.

Reuters, DPA, AP
 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Ärztemangel im Osten Fragen Sie Ihren Arzt - wenn Sie einen finden

Überfüllte Wartezimmer, überarbeitete Ärzte - gerade im Osten herrscht in vielen Gegenden Ärztemangel. Tausende Mediziner gehen in den Ruhestand. Doch die jungen Kollegen haben wenig Interesse, auf dem Land zu praktizieren. Einige Bundesländer müssen sogar mit Geld locken. Ein Bericht aus dem Landkreis Torgau. mehr...

Pro und Kontra K(l)assenkampf im Wartezimmer

Privatpatienten bekommen schneller einen Termin? Nicht unbedingt, bevorzugt werden sie im Zweifel trotzdem. Zwei Ärzte berichten auf stern.de aus ihrem Praxisalltag mit Privatpatienten und gesetzlich Versicherten. In einem Punkt sind sie sich einig: Wir haben eine Zweiklassenmedizin. mehr...

Geld für die Mediziner Auf dem Rücken der Patienten

Die Ärzte kämpfen für höhere Honorare. Dabei gibt es genug Geld für die Mediziner, es wird nur falsch verteilt. Opfer des Aufstands sind die Kranken, denen mit zum Teil rüden Methoden die Behandlung verweigert wird. mehr...