Sie tötet jedes Jahr Tausende - dabei ist es so einfach, sich zu schützen. Über die unterschätzte Gefahr Grippe und die unnötige Angst vor der Impfung sprach stern.de mit Brunhilde Schweiger von der Arbeitsgemeinschaft Influenza.

Frau bei der Grippeschutzimpfung: Wer einen Schnupfen bekommt, schiebt es oft auf die Impfung - dabei hat sie kaum Nebenwirkungen© Matthias Rietschel/AP
Bisher haben wir kein Grippevirus in Deutschland nachgewiesen. Wir erwarten, dass die eigentliche Grippesaison erst im neuen Jahr beginnt: Erfahrungsgemäß steigt die Zahl der Infektionen im Januar langsam an und erreicht ihren Höhepunkt Mitte bis Ende Februar, manchmal auch erst im März. Dennoch sollte man sich jetzt schon impfen lassen - erstens dauert es rund zwei Wochen, bis der Impfschutz ausgeprägt ist, außerdem können auch schon im November sporadisch erste Viren auftreten.
Diese Sorge ist absolut unbegründet: Die Grippeschutzimpfungen gehört zu den nebenwirkungsärmsten Impfungen überhaupt; es wird ein so genannter Tot-Impfstoff aus abgetöteten Viren verwendet, der keine Infektion mehr hervorrufen kann. In einer Studie wurde ein Teil der Probanden mit dem Grippeimpfstoff geimpft, ein Teil bekam ein Scheinpräparat. Anschließend wurde aufgelistet, wie sich die Probanden fühlten und welche Symptome sie hatten. Die einzige feststellbare Nebenwirkung der Impfung war, dass sich bei einigen Probanden der Arm sich ein wenig schwerer anfühlte und gerötet war. Fieber, Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Muskelschmerzen - all diese Symptome wurden gleich oft genannt.
Geimpft wird im Herbst, wenn sehr viele Schnupfenviren unterwegs sind. Daher kann es sein, dass man sich am Tag der Impfung mit einem banalen Schnupfenvirus infiziert. Dann hat man eben Kopfschmerzen und Schnupfen und fühlt sich schlecht - und das wird dann gern auf die Impfung geschoben.
Der Impfstoff besteht immer aus drei Komponenten: aus genau den Virenstämmen, bei denen man am meisten damit rechnet, dass sie uns in dieser Saison gefährlich werden könnten. Gegen diese Virenstämme schützt eine Impfung zuverlässig. Sollte wider Erwarten ganz plötzlich eine veränderte Variante auftauchen, hat man zwar keinen hundertprozentigen Impfschutz, aber das ist immer noch besser als gar keiner. Da sich die Viren verändern, werden jedes Jahr Komponenten des Impfstoffs ausgetauscht - man muss sich also jedes Jahr neu impfen lassen.
Die einzige Personengruppe, für die eine Grippeimpfung nicht empfehlenswert ist, sind Menschen mit einer Allergie gegen Hühnereiweiß. Das betrifft aber weniger als 0,1 Prozent der Bevölkerung.

Mit Plakaten wirbt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung für die Grippeschutzimpfung© BZgA
Risikogruppen für die Influenza sind alle älteren Menschen ab 60 Jahre und alle chronisch Kranken: Bei ihnen funktioniert das Immunsystem nicht mehr so gut wie bei jüngeren Erwachsenen ohne Grunderkrankung, daher wird der Körper mit der Influenza nicht so leicht fertig.
Ältere Menschen leiden häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie können an diesen Grunderkrankungen sterben, wenn ihr Körper durch die Grippe überlastet und geschwächt ist. Auch Diabetes kann bei einer schweren Influenza total entgleisen. Außerdem schädigt das Virus die Schleimhäute, so dass Bakterien leicht in die tieferen Atemwege eindringen können: Dann kann es zu einer Lungenentzündung kommen, die tödlich verlaufen kann.
Man weiß, wie viele Menschen normalerweise während der Wintermonate versterben - grassiert eine starke Influenza, steigt diese Zahl signifikant. Wir stellen fest, dass im Rahmen einer normalen Grippewelle 7000 bis 8000 Menschen über das zu erwartende Maß hinaus versterben. Bei einer starken Influenzawelle können es sogar 15.000 bis 20.000 Menschen sein.
Viele Menschen können nicht unterscheiden zwischen Grippe und normaler Erkältung. Ihnen ist gar nicht bewusst, dass die Influenza jedes Jahr viele Todesopfer fordert und dass sie keine banale Infektion ist, sondern eine richtig schwere Erkrankung sein kann.
Die typischen Symptome sind plötzlich ansteigendes hohes Fieber und ein schweres Krankheitsgefühl, dass sich innerhalb weniger Stunden aus dem Wohlbefinden heraus entwickelt. Symptome der Atemwegen, etwa ein schwerer Husten, entwickeln sich in der Regel erst ab dem zweiten Tag. Schnupfen ist übrigens nicht typisch für Influenza.
Im Internet Aktuelle Informationen über Grippeviren in Deutschland finden Sie auf der Website der Arbeitsgemeinschaft Influenza.