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21. Dezember 2005, 14:49 Uhr

Ein Fest für die Pharmakonzerne

Die Vogelgrippe ist auf dem Vormarsch, die Angst vor einem Überspringen des Virus auf den Menschen ist groß. Angeblich einzige Hoffnung bislang ist das Grippemittel Tamiflu. Nun werden in Asien wirkungslose Fälschungen verkauft.

Tamiflu-Produktion bei Roche: Das Grippemittel ist aufgrund der weltweiten Angst vor einer Pandemie zum Verkaufsschlager geworden - doch mittlerweile gibt es schon resistente Virenstämme© Picture-Alliance

Weltweite Ausbreitung der Vogelgrippe

Von dem hauptsächlich vom Schweizer Pharmakonzern Roche hergestellten Grippemittel Tamiflu sind Fälschungen im Umlauf. Das teilte die staatliche schweizerische Überwachungsbehörde für Heilmittel, Swissmedic, am Mittwoch in Bern mit. Von Tamiflu wird erwartet, dass es auch bei einer durch die Vogelgrippe ausgelösten Grippe-Pandemie wirksam sein könnte. Vermeintliche Generika des Medikaments seien in den USA, Taiwan, Großbritannien und den Niederlanden aufgetaucht.

Die Präparate wurden von Privatpersonen über das Internet bei Lieferanten aus dem asiatischen Raum bestellt. Sie enthielten statt des Wirkstoffs Oseltamivir nur Vitamin C, erklärte die Behörde. Bislang gebe es keine Generika, also Nachfolgepräparate, des Mittels Tamiflu, hält das Schweizer Heilmittelinstitut fest.

Wegen der Möglichkeit einer Vogelgrippe-Pandemie ist die Nachfrage nach dem Grippemittel Tamiflu weltweit groß. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat empfohlen, dass die Staaten etwa für ein Viertel ihrer Bevölkerung einen Vorrat des Medikaments anlegen sollten. Von privater Vorsorge wird jedoch abgeraten.

DPA

Wie ein Pandemievirus entstehen könnte

Auf vier Wegen kann aus einem "normalen" Grippevirus ein weltweiter Killer werden. "Shift" nennen Forscher die genetische Neukombination aus einem menschlichen und einem tierischen Virus.

Dazu kann es im Schwein kommen, das sich leicht sowohl mit Vogelviren als auch mit vor allem beim Menschen verbreiteten Influenza-Erregern anstecken kann. Aber auch im Menschen ist ein "Shift" möglich, wenn etwa ein Vogelvirus auf ein herkömmliches menschliches Grippevirus trifft und es zwischen beiden zu einem genetischen Austausch kommt. Verändern kann sich aber auch ein einzelner Virusstamm durch Mutation. Ein solcher"Drift"-Prozess ist im Schwein ebenso möglich wie direkt beim Menschen.

Verkaufsrenner Tamiflu Das vom Pharmakonzern Roche in Basel produzierte Mittel, das angeblich gegen jeden Gippetyp hilft, ist zum Verkaufsrenner geworden. Es soll als einziges Medikament wirksam sein, wenn ein Mensch sich mit dem gefährlichen Vogelgrippevirus H5N1 infiziert. Allerdings trat schon ein Tamiflu-resistenter H5N1-Stamm bei einem vietnamesischen Mädchen auf.

Kritiker sehen in Tamiflu daher eine "Beruhigungspille für Leute, die Angst haben vor der Vogelgrippe". Sehr beruhigend allerdings sind die Umsätze für den Hersteller Roche: Von Januar bis September 2005 seien neun Mal mehr Packungen Tamiflu verkauft worden als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Verglichen mit einem durchschnittlichen Monat war der Absatz im August und September 25 Mal höher.

Der Hersteller Roche bestätigt diese aus Beobachtungen der Arzneimittelverkäufe gewonnenen Zahlen nicht. Ein Sprecher bezifferte den Umsatz des Mittels im ersten Halbjahr weltweit aber mit 374 Millionen Euro, was einer Steigerung von 357 Prozent gegenüber 2004 entspräche.

 
 
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