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9. Mai 2006, 12:00 Uhr

Blühende Landschaften

Heuschnupfen

Haaatschi! Millionen Deutsche reagieren allergisch auf Pollen. Wie Heuschnupfen entsteht, wie man ihn erkennt und was wirklich gegen ihn hilft - stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die lästige Allergie. Von Angelika Unger

Haaatschi! Blütenstaub versetzt das Immunsystem von Pollenallergikern in Alarmzustand© Maurizio Gambarini/DDP

Wer bekommt Heuschnupfen? Es gibt Hinweise darauf, dass die Veranlagung zu Heuschnupfen zumindest teilweise vererbt wird. Besonders häufig erwischt es Menschen, deren Eltern oder Geschwister ebenfalls unter Allergien leiden. Viele Forscher glauben außerdem, dass übermäßige Hygiene den Körper anfällig für Allergien wie Heuschnupfen macht. Das unterbeschäftigte Immunsystem, eigentlich verantwortlich für die Abwehr von Krankheiten, spielt verrückt, sobald es mit Fremdkörpern in Berührung kommt. Wer hingegen als Kind im Dreck spielen durfte und auf diese Weise oft mit Bakterien in Kontakt kam, dessen Immunsystem ist offenbar abgehärtet und kann die Pollenattacken als harmlos einordnen.

Wie entsteht Heuschnupfen?

Wie alle Allergien ist Heuschnupfen eine Überreaktion des Immunsystems: Der Körper identifiziert an und für sich harmlose Stoffe als feindlich. Bei Heuschnupfen ist es der Blütenstaub von Bäumen, Sträuchern, Gräsern, Getreide und Kräutern, der den Körper in Alarmzustand versetzt - genauer gesagt die Eiweiße, die die Oberfläche der Pollen bedecken.

Beim ersten Kontakt mit den Pollen bildet das Immunsystem so genannte IgE-Antikörper, um sich später gegen eine Attacke des vermeintlich gefährlichen Stoffs wehren zu können. Diese werden von nun an jedes Mal aktiv, wenn der Körper mit dem Allergieauslöser in Berührung kommt: Sie sorgen dafür, dass das Hormon Histamin ausgeschüttet wird. Dadurch weiten sich die Blutgefäße, die Muskeln in den Bronchien ziehen sich zusammen - es kommt zu einer allergischen Reaktion.

Wann fliegen die Pollen?

Generell gilt: Die Ruhepausen für Heuschnupfengeplagte werden immer kürzer. Frühblüher wie Hasel und Erle können schon Ende Januar die ersten Pollen fliegen lassen, und auch das Ende des Pollenflugs verlagert sich immer mehr in den Herbst hinein. Hochsaison für Pollen sind jedoch nach wie vor die Monate April bis Juli.

Unterscheiden kann man zwischen drei Typen von Pollenallergikern: Der Frühlingstyp reagiert allergisch auf Baumpollen wie Birke, Erle, Hasel oder Ulme. Dem Sommertyp machen besonders die Pollen von Gräsern und Getreide zu schaffen, etwa Roggen, Wegerich oder Brennessel. Der Herbsttyp ist anfällig für Unkrautpollen wie Beifuß, Jakobskreuzkraut und Traubenkraut.

Wann welche Pflanze Saison hat, sehen Sie im Pollenflugkalender.

Wie fühlt sich Heuschnupfen an?

Heuschnupfen fühlt sich nicht bei jedem Betroffenen gleich an. Einige Allergiker klagen über heftige Niesattacken, bei anderen juckt die Nase oder ist völlig verstopft und geschwollen. Viele leiden unter roten, juckenden und tränenden Augen, die sehr lichtempfindlich sind.

Hinzu kommen Müdigkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Reizbarkeit. In schlimmen Fällen kommt es zu Asthma-Anfällen mit Atemnot.

Woher weiß ich, dass ich Heuschnupfen habe und keinen Schnupfen?

Sicher, wenn im Frühling die Nase läuft, kann auch ein ganz normaler Schnupfen schuld sein. Hält die vermeintliche Erkältung aber wochenlang an, steckt wahrscheinlich eine Allergie dahinter. Im Gegensatz zum "normalen" Schnupfen ist Heuschnupfen außerdem wetterabhängig: Da nach längerem Regen weniger Pollen in der Luft unterwegs sind, lassen die Beschwerden nach. Und auch wenn das Jucken und Niesen nur in der Nähe bestimmter blühender Bäume und Sträucher auftritt, ist das ein Indiz für Heuschnupfen.

Treffen diese Punkte zu, sollte man sich beim Hals-Nasen-Ohren-Arzt, Dermatologen, Allergologen oder Allgemeinmediziner zum Allergie-Test anmelden.

Wie kann der Arzt Heuschnupfen feststellen?

Der gängigste Weg, um Allergien festzustellen, ist der so genannte Prick-Test. Dabei nimmt der Arzt winzige Tropfen verschiedener allergieauslösender Substanzen und trägt sie an der Innenseite des Arms auf. Zuvor wird die Haut an dieser Stelle mit einer Nadel eingeritzt, damit der Stoff in den Organismus gelangt. Reagiert der Patient allergisch auf einen der aufgetragenen Stoffe, beginnt die Haut nach wenigen Minuten zu jucken. Oft entstehen auch rote Quaddeln.

Eine andere Methode ist der Radio-Allergo-Sorbent-Test (RAST), bei dem der Arzt das Blut auf bestimmte Antikörper gegen allergene Stoffe untersucht.

Um ihre Vermutung abzusichern, verwenden viele Ärzte den Provokationstest: Dabei werden Pollen direkt auf die Nasenschleimhaut aufgesprüht.

Was hilft gegen Heuschnupfen?

Es gibt eine Reihe von Medikamenten, die die Heuschnupfensaison für Allergiker erträglich machen. Eines haben sie jedoch alle gemeinsam: Sie behandeln nicht die Ursache der Allergie, sondern lindern nur die Symptome.

Schon vor der Pollensaison kann man mit so genannten Mastzellstabilisatoren dafür sorgen, dass der Heuschnupfen weniger stark ausbricht. Nasen- oder Augentropfen mit diesem Wirkstoff bewirken, dass der Körper weniger Histamin ausschüttet.

Doch wenn die Nase erst mal juckt und trieft, helfen Mastzellstabilisatoren nicht mehr. Dann sind Antihistaminika gefragt: Sie lindern die Wirkung des Hormons Histamin. Es gibt sie als Nasenspray, als Tropfen und in Tablettenform. Im Gegensatz zu den frühen Medikamenten dieses Typs machen Antihistaminika der zweiten Generation kaum noch müde.

Noch wirksamer sind Kortisonpräparate; sie wirken aber nicht so schnell wie Antihistaminika. Kortison hat zu Unrecht einen schlechten Ruf - kortisonhaltige Augentropfen und Nasensprays haben heute kaum noch Nebenwirkungen.

Allenfalls zur kurzfristigen Linderung der Beschwerden eignen sich abschwellende Nasentropfen, wie sie auch bei "normalem" Schnupfen zum Einsatz kommen. Eine Dauerlösung sind sie aber nicht: Schon nach zehn Tagen Behandlung beginnt die Nasenschleimhaut sich zurückzubilden und trocknet aus.

Was kann ich selbst im Alltag gegen Heuschnupfen tun?

Es gibt eine Reihe von simplen Tipps, die Allergikern das Leben mit Heuschnupfen leichter machen.

Die besten zehn haben wir in einer Fotostrecke zusammengestellt.

Kann man Heuschnupfen heilen?

Heilen lässt sich Heuschnupfen bisher nur mit der spezifischen Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Sie funktioniert wie eine Impfung: Das Immunsystem wird so lange mit einem Extrakt der allergieauslösenden Pollen konfrontiert, bis es merkt, dass er harmlos ist.

Entweder spritzt der Arzt den Pollenextrakt, oder er träufelt ihn unter die Zunge - anfangs nur eine winzige Dosis, die später nach und nach erhöht wird. Im Laufe der Behandlung gewöhnt sich der Körper an den Stoff: Die Allergie wird schwächer und verschwindet häufig ganz.

Der Nachteil der Hyposensibilisierung: Sie ist sehr langwierig und nicht immer erfolgreich. Bis eine Allergie schließlich vertrieben ist, dauert es drei bis vier Jahre - bei anfangs wöchentlichen, später monatlichen Sitzungen. Die Erfolgsquote liegt bei rund 80 Prozent.

Am erfolgreichsten ist die Therapie bei Kindern und Jugendlichen. Je länger ein Patient schon mit dem Heuschnupfen gelebt hat, desto geringer die Chance auf Heilung.

Welche Krankheiten kann Heuschnupfen auslösen?

Heuschnupfen lässt die Schleimhäute anschwellen und schwächt die Abwehr. Bakterien haben so ein leichtes Spiel. Deshalb erkranken Pollenallergiker häufig an Nebenhöhlenentzündungen und Mittelohrentzündungen, die sogar chronisch werden können.

Hinzu kommt, dass eine Allergie oft andere nach sich zieht. Pollenallergiker haben ein höheres Risiko, Allergien gegen bestimmte Nahrungsmittel, gegen Hausstaub oder Tierhaare zu entwickeln.

Bei jedem dritten bis vierten Heuschnupfenpatient kommt es zu einem so genannten "Etagenwechsel". Die Pollenallergie verlagert sich in die Lunge und Asthma entsteht: eine chronische Krankheit der Atemwege mit Anfällen von Atemnot, Husten und Kurzatmigkeit. Bleibt Heuschnupfen unbehandelt, führt er sogar in 40 Prozent der Fälle zu Asthma.

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