Nach der Impfempfehlung der Weltgesundheitsorganisation wappnet sich auch Deutschland gegen einen zweiten Angriff der Schweinegrippe im Herbst. Die Gesundheitsminister der Länder haben sich darauf geeinigt, 50 Millionen Impfdosen zu bestellen. stern.de erklärt, wie die Impfstoffe hergestellt werden und welche Risiken eine Impfung birgt.

Entwicklung eines neuen Impfstoffs: 160 Millionen Dosen braucht Deutschland im Pandemiefall© Patrick Sinkel/DDP
Die deutschen Gesundheitsminister haben sich auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Schweinegrippe-Impfung geeinigt: Zum Schutz der Bevölkerung kaufen die Bundesländer gemeinsam 50 Millionen Dosen Impfstoff gegen die Schweinegrippe. Diese Menge reicht bei einer zweifachen Impfung für 25 Millionen Menschen oder rund 30 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Die Gesundheitsminister der Länder einigten sich am Dienstag in einer Telefonkonferenz, wie der hessische Gesundheitsminister Jürgen Banzer (CDU) erklärte. Später hieß es, die 30 Prozent seien erst in der Diskussion und könnte noch geändert werden.
"Wir gehen von steigenden Infektionszahlen im Herbst und Winter aus", sagte Banzer und fügte hinzu: "Darauf müssen wir vorbereitet sein." Nach den Planungen der Behörden sollen auf jeden Fall das Gesundheitspersonal, Menschen mit chronischen Erkrankungen und Schwangere geimpft werden. Wie Banzer weiter mitteilte, wollen Bund und Länder mit Pharmaherstellern über die Lieferung weiterer Dosen verhandeln. Man müsse zusätzlichen Bedarf in kürzester Zeit flexibel decken können.
Krankenkassen sollen Kosten übernehmen
Die Kosten für die Aktion sollen die Krankenkassen bezahlen, die bereits jetzt für die jährlichen Influenza-Spritzen aufkommt. Wie viel die Schweinegrippe-Impfung kostet, war zunächst unklar. Experten gehen aber davon aus, dass die Impfung aller 82 Millionen Deutschen mit etwa zwei Milliarden Euro zu Buche schlagen würde. Bei einer Quote von 30 Prozent würde dies eine Summe von 600 Millionen Euro verursachen.
Bei ihrer Sitzung hätten sich die Minister verständigt, abgestimmt bei der Bestellung der Dosen vorzugehen, sagte der Sprecher des Thüringer Gesundheitsministeriums, Thomas Schulz. Thüringen hat derzeit den Vorsitz der Gesundheitsministerkonferenz. Die Länder verhandeln zwar schon mit den Herstellern, noch wurde die Bestellung aber nicht abgegeben. Dazu wollen die Länder auf eine Verordnung der Bundesregierung und auf Empfehlungen aus den Fachabteilungen der Gesundheitsministerien warten. "Das soll umgehend geschehen", betonte Schulz. Auch die 30 Prozent könnten allerdings noch geändert werden, sagte er. Die Länder sollen nach der Lieferung entsprechend ihrer Bevölkerungszahlen Impfstoffdosen erhalten.
Die Landesregierungen halten sich mit ihren Plänen an die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese hatte am Montag die Pharmahersteller angewiesen, mit Hochdruck an einem Impfstoff gegen das H1N1-Virus zu arbeiten. Die Pandemie sei nicht mehr zu stoppen, daher müssten alle Länder Zugang zu Impfstoffen haben, sagte WHO Direktorin Marie-Paule Kieny. "Die Herstellung läuft, wir sind zuversichtlich, dass ab September tatsächlich die ersten Dosen des Impfstoffes zur Verfügung stehen", sagt eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts, das in Deutschland für die Zulassung von Impfstoffen zuständig ist.
Bis Montag waren bei der europäischen Seuchenbehörde ECDC 116.943 Fälle des Virus H1N1 weltweit bekannt, von denen 580 tödlich verliefen. In Deutschland gibt es bislang 727 bekannte Fälle, aber keine Toten. Für eine weltweite Grippe-Epidemie, eine sogenannte Pandemie, verläuft die Grippe vom Typ H1N1 vergleichsweise mild. Allerdings gab es früher Grippewellen, bei denen die zweite Welle viel heftiger ausfiel als die erste.
stern.de erklärt, wie eine Impfung funktioniert, wie Impfstoffe hergestellt werden, wie lange dies dauert und welche Risiken bestehen.
Kai Kupferschmifdt/AP/DPA/lea