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17. Juli 2008, 09:21 Uhr

Wo Krebspatienten länger leben

Deutsche haben bei Brust- oder Dickdarmkrebs meist geringere Überlebenschancen als Franzosen oder Amerikaner. Das zeigen die Daten von Überlebensraten aus 31 Ländern. Warum Deutschland nur im Mittelfeld liegt und Ärzte die Daten kritisieren.

Das Ergebnis einer Mammographie, mit der die Brust auf Krebs untersucht wird© DDP

Viele Millionen Menschen erkranken jährlich an Krebs. Überlebenschancen und Behandlungserfolge sind jedoch nicht überall gleich. In vielen Entwicklungsländern und Ostblockstaaten ist der medizinische Forschritt nocht nicht in vollem Umfang angekommen. Aber auch Deutschland liegt bei der Früherkennung und Behandlung von einigen Krebsarten abgeschlagen hinter Ländern wie den USA, Frankreich oder Australien. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler nach der Auswertung der Daten von fast zwei Millionen Krebspatienten aus 31 Ländern. Über ihre Ergebnisse berichteten die Forscher im Fachjournal "Lancet Oncology".

Ein Forscherteam um den Krebsepidemiologen Michel Coleman von der London School of Hygiene and Tropical Medicine untersuchte, wie viele Krebspatienten fünf Jahre nach einer Krebsdiagnose noch lebten. Alle diese Patienten erkrankten in den Jahren 1990 bis 1994 an Brustkrebs, Darmkrebs oder Prostatakrebs; die Beobachtungsdaten reichen dann bis 1999. Berücksichtigt wurden die Krebs-Daten aus vielen EU-Staaten, aus Japan, Australien und Entwicklungs- sowie Schwellenländern wie Algerien und Brasilien. Für Deutschland wurden keine landesweiten Daten verwendet, sondern die aus dem Krebsregister des Saarlandes. Ein Ergebnis der Studie: Deutschland liegt im Mittelfeld.

Platz 15 bei Brustkrebs

Beispiel Brustkrebs: Aus den Daten geht hervor, dass 75 Prozent der deutschen Brustkrebspatientinnen die ersten fünf Jahre überlebten. Mit dieser Fünfjahres-Überlebensrate liegt Deutschland hinter der Schweiz auf Platz 15. Zum Vergleich: Die USA kommen auf 84 Prozent, Japan auf 82 und Frankreich auf 80 Prozent.

Besser sehen die Chancen bei Prostata-Krebs aus. Hier liegt Deutschland mit einer Überlebensrate von 76 Prozent auf Platz 5 - hinter den USA mit 92 Prozent, Österreich, Kanada und Australien.

Die Überlebensrate bei Dickdarmkrebs beträgt in Deutschland bei Frauen 56 Prozent und bei Männern 52 Prozent. Das bedeutet Rang 10 und Rang 13. Frankreich schneidet am besten bei der Behandlung von Darmkrebs bei Frauen ab, in Japan haben Männer mit dieser Krankheit die beste Aussicht, fünf Jahre nach der Diagnose noch zu leben. Die USA liegen mit jeweils 60 Prozent Überlebensrate für beide Geschlechter insgesamt auf Platz zwei - vor Spanien, Australien und Kanada. Auch bei Enddarmkrebs liegen die Überlebensraten in Deutschland nur im Mittelfeld. Am Ende aller Tabellen für die Überlebensrate stehen zumeist Algerien und Staaten des ehemaligen Ostblocks.

Warum liegt Deutschland im Mittelfeld?

"Der Großteil der Unterschiede in der Überlebensrate von Land zu Land und sogar den unterschiedlichen Regionen eines Landes geht wahrscheinlich auf Unterschiede in Diagnose und Behandlung zurück", schreiben die Forscher. Länder, die viel in moderne Techniken wie CT-Scanner investieren, hätten auch eine höhere Überlebensrate, so die Forscher.

Werner Hohenberger, Präsident der Deutschen Krebsgesellschaft hat noch andere Erklärungen: So seien die deutlich unterschiedlichen Erfolgszahlen bei Prostatakrebs zwischen den USA und Deutschland zum Beispiel nicht einseitig mit besseren Behandlungsmethoden in den USA zu erklären. "Es muss zumindest diskutiert werden, dass dort auch der PSA-Test zur Früherkennung mit Nachdruck eingesetzt wird. Dadurch kann es schneller zu Überdiagnosen kommen, da Karzinome disgnostiziert werden, die zu Lebzeiten vielleicht nie symptomatisch geworden wären", sagt Hohenberger.

Zudem sind die Zahlen fast zehn Jhre alt. "Der untersuchte Zeitraum von 1990-1999 ist für die heutige Situation nicht aussagekräftig", so Hohenberger. Denn in Deutschland seien in den letzten Jahren konkrete Maßnahmen durchgeführt worden. "Für Brustkrebs zum Beispiel wurde seit 2004 das qualitative Mammografie-Screening eingeführt. Das war eine Reaktion auf den bestehenden Vorsprung mancher Länder, die dieses Screening bereits hatten, sagt Hohenberger.

Auch das Bundesgesundheitsministerium hat die in einer internationalen Untersuchung veröffentlichten Zahlen zu den Überlebenschancen bei Krebs in Deutschland als veraltet zurückgewiesen. So hätten sich die Überlebensraten bei Brustkrebs inzwischen auf 81 Prozent und bei Prostatakrebs auf 87 Prozent erhöht.

nis/DPA/AFP
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
kochc (18.07.2008, 08:57 Uhr)
@pepeboy
Damit nicht genug - jeder einzelne Satz von gmathol ist mindestens unlogisch, eher aber falsch oder wirr: Es fehlt jeder Beleg dafür, dass in den USA Chemo bei Pt angewandt wird "die überhaupt keinen Krebs haben" - und das wäre angesichts der dort herrschenden juristischen Möglichkeiten auch nicht "sehr lukrativ für Ärzte und Kliniken", sondern vollkommen irre. Angenommen, Sie bekämen eine Chemotherapie ohne Indikation, was meinen Sie, was Sie da herausklagen könnten? 20 Millionen Dollar? 50? Alles denkbar, Präzedenzfälle reichlich.
Dann geht es weiter mit der Aussage, fünf Bekannte hätten "rechtzeitig" eine Chemotherapie bekommen, seien aber bereits 1 - 2 Jahre darauf gestorben. Was, in drei Teufels Namen, soll den dann unter diesen Umständen noch "rechtzeitig" heißen?
"Statistiken sind eben nur halt Statistiken"? Was soll das jetzt wieder heißen? Dass wir der Wahrheit näher kommen, wenn wir überhaupt nicht mehr messen, wie erfolgreich Behandlungen sind? Dass wir, weil Statistiken offenbar nichts aussagen, jeden vor sich hin wurschteln lassen, wie er will? _Nur_ durch Statistik können wir überhaupt herausfinden, ob die Beiträge der Verischerten bei uns für Unfug verschleudert werden etc. Möchten Sie _nicht_ wissen, ob in einem Krankenhaus, in dass sie gehen können, einer von hundert Patienten stirbt, in einem anderen aber zehn? Interessiert nicht, weil es "nur" Statistik ist?
Und schließlich: Sowohl Medicare als auch Medicaid, die medizinischen Sozialprogramme für Alte und Arme, als auch viele Staaten, Kommunen und Institutionen, Stiftungen und Arbeitgeber bieten Krebsfrüherkennungsprogramme an. Wiewohl das Problem der Unterversorgung in den USA weiterhin schwerwiegend ist, ist eine allgemeine Krankenversicherung (jeder Deutsche kann das am eigenen Leib erfahren) kein Wundermittel gegen alle Übel.
Es ist erstaunlich, aber wahr: gmathol hat eine Fehlerrate von 100% - das muss man erst mal schaffen.
pepeboy (18.07.2008, 03:55 Uhr)
@gmathol
"die meisten USA Bueger kennen z. B. Vorsorgeuntersuchungen ueberhaupt nicht, da sie nicht versichert sind!"
-wieder so ein Kommentar von jemanden der lieber mal die Statistik ueberpruefen sollte bevor er hier dumme Sprueche loslaesst. Ungefaehr 45 Millionen von 300 Millionen Amerikanern sind nicht krankenversichert. Gewiss eine hohe Zahl - aber hier von den "meisten" Amis zu reden ist falsch.
gmathol (18.07.2008, 00:32 Uhr)
Erfolgreiche Krebstherapien in den USA?
In der Tat wird Chemo-Therapie haeufiger in den USA angewandt als in Deutschland, auch bei Patienten die ueberhaupt keinen Krebs haben!
Warum? Sehr lukrativ fuer die Aerzte und Kliniken.
Uebrigens 5 meiner US Bekannten die u. a. auch mit Darmkrebs diagnostiziert wurden und rechzeitig die Chemotherapie bekamen sind bereits 1-2 Jahre danach verstorben.
Statistiken sind eben nur halt Statistiken und die meisten USA Bueger kennen z. B. Vorsorgeuntersuchungen ueberhaupt nicht, da sie nicht versichert sind!
Countryjoe (17.07.2008, 21:04 Uhr)
Keine Bange!
Es kommt mit der nächsten Reform von Expertin Schmidt bestimmt noch besser. Vor allem die Kassenpatienten werden sich dann mit Wehmut an die mittleren Plätze erinnern wenn ihre Überlebensraten sich auf algerischem und ihre Beiträge sich auf rekordverdächtigem Niveau befinden.
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