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News am 28.05.2012
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"Frauen leiden mehr"

Eine Erektion ist nicht alles, aber ohne sie ist alles nichts, sagt Oswalt Kolle, Altmeister der Aufklärung. Deshalb können Potenzmittel ein Segen sein - nicht nur für die Männer.

Oswalt Kolle: "Die Liebe altert nicht"© Jens Boldt

Herr Kolle, Wie oft muss ein Mann können? Sexualität geht von siebenmal im Leben bis zu siebenmal am Tag - das hat Johannes Heinrich Schultz gesagt, der Erfinder des autogenen Trainings, der mich aufgeklärt hat, als mein Vater im Krieg war. Es wäre gut, wenn Männer aufhören würden, sich dauernd Gedanken darüber zu machen, ob sie irgendeiner Norm genügen.

Aber auch ohne Vergleiche ist es doch irritierend, dass der Mann sein bestes Stück so wenig unter Kontrolle hat. Das ist natürlich ein Problem, es trifft eine Urangst von Männern: im falschen Moment eine Erektion zu bekommen - oder im richtigen Moment keine. Sie fürchten beim Duschen nach dem Sport eine Erektion und die Frage: "Bist du schwul?" Oder am Nacktstrand die Entdeckung, dass sie erregt sind. Sie fürchten das Versagen im Liebesrausch - dass er zu schnell kommt, noch bevor sie sich richtig ausgezogen haben, oder eben, dass es nicht geht.

Sind Potenzprobleme für alle Männer gleich schlimm? Das kommt darauf an, wie sehr der Mann an Sex interessiert ist. Wenn Sex für ihn gar nicht wichtig ist - und das kommt entgegen der öffentlichen Meinung durchaus vor -, dann muss Impotenz für einen Mann kein Problem sein. Aber man darf die Frauen nicht vergessen. Es gibt in Holland eine ganze Reihe von Untersuchungen darüber, wie Paare die Impotenz des Mannes erleben. Es stellte sich heraus, dass die Frauen zu einem viel höheren Prozentsatz darunter leiden als die Männer.

Das müssen Sie erklären! Viele Frauen fürchten zu Unrecht, sie seien ungeschickt oder würden nicht mehr begehrt oder er verschwende seinen Samen woanders. Der Stress belastet beide. Sie sagt: Das ist auch so schön, und er denkt, die will mich nur trösten. Dann wächst von Mal zu Mal die Angst, dass es wieder nicht funktioniert, und schließlich geschieht gar nichts mehr, weil er sich nicht blamieren will.

In Ihrem Buch "Die Liebe altert nicht" wird ein impotenter Mann beschrieben, der erfüllten Sex ohne Erektion hat. Dieses Kapitel hat eine feministische Ärztin geschrieben, die ich sehr schätze. Aber ich persönlich glaube nicht an solche Geschichten. Stellen Sie sich die Reaktion der Frauen vor, wenn ein Mann schreiben würde, dass es für eine Frau eigentlich völlig unerheblich ist, ob ihre Klitoris erigiert ist und ihre Vagina feucht wird. Die Erektion ist für den Mann natürlich nicht alles. Aber man muss akzeptieren, dass ohne die Erektion alles nichts ist.

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