24 Jahre lang war Elisabeth F. im Keller eingesperrt, drei ihrer Kinder sahen nie das Sonnenlicht. Was passiert, wenn ein Mensch ohne natürliches Licht in engen Räumen aufwächst, erklärt Umweltmediziner Dennis Nowak von der Uni München im stern.de-Interview.

Ein Fenster des Hauses, in dem Josef F. seine Tocher 24 Jahre gefangengehalten haben soll© Johannes Simon/Getty Images
Zu wenig UV-Licht führt zu einem Mangel an Vitamin D und der wiederum zu einer Erweichung der Knochen. Fehlende Bewegung schadet den Knochen ebenso - und man muss davon ausgehen, dass sich die Frau und ihre Kinder in dem Keller wenig bewegen konnten. Das Skelettsystem wurde also von zwei Seiten angegriffen. Dies allein ist hochgradig gesundheitsschädlich, in diesem Fall aber sicher nicht das Hauptproblem: Denn das sind sicher die psychischen Schäden, die diese Menschen erlitten haben.
Bei Heranwachsenden sind diese Mängel umso schlimmer. Die orthopädischen Probleme kann man durch Training und Rehabilitation sicher einigermaßen in den Griff bekommen. Die psychischen Folgen der sozialen Isolation wiegen wahrscheinlich deutlich schwerer. Zu sagen, dass die Kinder unter menschenverachtenden Bedingungen aufgewachsen sind, ist in diesem Fall noch eine zu weiche Formulierung.
Psychische Traumata können eine frühzeitige Alterung auslösen. Es gibt wissenschaftliche Studien, die das belegen. Und es ist doch klar, dass sie körperlich und psychisch in extrem schlechter Verfassung ist.