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18. September 2007, 10:34 Uhr

Die tickende Zeitbombe Krebs

Wer einmal an Krebs erkrankt, lebt über Jahre mit der Angst vor einem Rückfall. Tumorforscher Klaus Pantel erklärt im stern.de-Interview, warum "schlafende" Tumorzellen so gefährlich sind.

Aufnahmen einer Brustkrebs-Untersuchung (Mammographie): Der Stift zeigt auf einen winzigen Tumor in der Brust einer Patientin© Jan-Peter Kasper/DPA

Herr Pantel, natürlich will ein Patient nach der Tumortherapie wissen: Bin ich jetzt geheilt oder kommt der Krebs zurück?

Sicher beantworten können Mediziner das bis heute nicht. Wann jemand als "geheilt" gilt, hängt unter anderem von der Krebsart ab: Bei Dickdarmkrebs kann man schon nach fünf Jahren ohne Symptome relativ beruhigt sein. Bei Brustkrebs kann die Krankheit aber noch nach zehn Jahren wieder aufflackern.

Solche Perspektiven werden vielen Kranken zu vage sein...

Deshalb suchen Ärzte nach bestimmten Merkmalen dafür, dass ein Patient erneut einen Tumor entwickelt. Dabei konzentrieren wir uns wie viele andere Wissenschaftler auf so genannte Mikrometastasen. Das sind kleine Inseln von Krebszellen, die nach einer Therapie im Körper übrig bleiben. Patienten mit solchen Tumorzellen haben ein erhöhtes Risiko für ein Rezidiv, also einen Rückfall.

Warum dauert es oft so lange, bis der Krebs wieder ausbricht?

Krebsforscher bezeichnen die winzigen Gewebeinseln als "schlafende" Tumorzellen. Aus dem Tumor werden sie mit dem Blutstrom ins Knochenmark gespült. Dort können sie dann viele Jahre überwintern wie Samen in der Erde. Bevor sie andere Organe befallen oder direkt im Knochen zu einem Tochter-Tumor, einer so genannten Metastase, wachsen.

Wie weisen Sie solche Zellen nach?

Wir punktieren das Knochenmark, etwa im Beckenknochen, und nehmen eine kleine Gewebeprobe. Mit passenden Antikörpern und Farbstoffen machen wir die schlafenden Tumorzellen dann sichtbar.

Gibt es mit dieser Methode schon viele Erfahrungen?

Bei Krebserkrankungen des Blutes und der Lymphgefäße werden solche Punktionen schon seit 20 Jahren gemacht. Bei festen Tumoren in anderen Organen ist das aber noch sehr neu und wird gerade von Kollegen in Europa und insbesondere von uns in Hamburg erforscht.

Was bringt es einem Patienten, wenn bei ihm nach der Therapie schlafende Tumorzellen gefunden werden?

Zum einen kann man ihm genauer mitteilen, wie hoch sein Risiko für einen Rückfall ist. Zum anderen wollen wir mit Hilfe der Erkenntnisse über schlafende Tumorzellen Therapien entwickeln, um ein solches Rezidiv zu verhindern. Zum Beispiel kann man es den Krebszellen im Knochenmark möglichst ungemütlich machen, indem man mit Bisphosphonaten den Knochenstoffwechsel verändert. Oder man sucht bei den schlafenden Zellen nach Oberflächen-Strukturen, an die dann speziell entwickelte Antikörper-Medikamente andocken können.

Zur Person

Zur Person Prof. Dr. Klaus Pantel (47), leitet das Institut für Tumorbiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Der Mediziner forscht an Methoden, um bei Krebspatienten "schlafende" Tumorzellen aufzuspüren. In einer internationalen Studie konnten er und seine Kollegen nachweisen, dass Brustkrebspatientinnen mit solchen Zellen ein erhöhtes Risiko für einen Rückfall haben. Vom 19. bis 22. September richtet Pantel in Hamburg ein Symposium zu "schlafenden" Tumorzellen aus (www.dismal-project.eu/mrc07_webpage).

Interview: Nicole Heißmann
 
 
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