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6. Februar 2008, 14:55 Uhr

Briten schaffen Embryo mit drei Eltern

Forscher haben einen Embryo mit dem Erbgut von drei Eltern erzeugt. Dies geschah zu Forschungszwecken, der Embryo wurde nach wenigen Tagen zerstört. Hintergrund des Experiments: Einige unheilbare Erbkrankheiten könnten durch die Technik vermieden werden.

Bei der künstlichen Befruchtung wird unter dem Mikroskop eine Samenzelle in eine Eizelle eingebracht© Picture-Alliance/ZB

Wissenschaftler der Universität Newcastle haben im Labor einen Embryo geschaffen, der im Prinzip von drei Eltern stammt. Konkret enthielt er Erbgut von zwei Frauen und einem Mann. Das Verfahren des Forscherteams um Patrick Chinnery könnte theoretisch helfen, Erkrankungen wie Epilepsie zu verhindern. Die Embryonen wurden nicht in die Gebärmutter eingepflanzt. Kritiker äußerten sich besorgt über die Folgen der Embryo-Versuche.

Die Forscher verschmolzen im Labor - wie bei einer künstlichen Befruchtung ("In-vitro-Fertilisation") üblich - eine Eizelle und ein Spermium. Die daraus hervorgegangene Zelle enthält genetisches Material beider Elternteile im Zellkern. Diesen Kern verpflanzten die Wissenschaftler kurz nach der Befruchtung in eine weitere, aber entkernte Eizelle einer zweiten Frau. Der so erzeugte Embryo enthielt also im Kern Erbgut von Vater und Mutter sowie das Mitochondrien-Erbgut einer dritten Frau, von der die entkernte Eizelle stammte.

37 entscheidende Gene

Der größte Teil des Erbguts befindet sich im Zellkern - hier stammen 50 Prozent von der Mutter, 50 vom Vater. Allerdings gibt es noch etwas Erbgut außerhalb des Kerns: in den sogenannten Mitochondrien. Diese kleinen Zellkörperchen, die man auch als "Kraftwerke der Zelle" bezeichnet, besitzen ihr eigenes Genom. Dieses stammt praktisch immer zu 100 Prozent von der Mutter. Es gibt nur sehr wenige Fälle, in denen Forscher bislang nachweisen konnten, dass Mitochondrien vom Vater vererbt wurden.

Das Mitochondrien-Genom ist vergleichsweise winzig. Während sich im Zellkern DNS von einer Länge von drei Milliarden Basenpaaren schlängelt, kommt die DNS im Mitochondrium nur auf knapp 17.000 Basenpaare. Gerade einmal 37 "eigene" Gene besitzen die kleinen Kraftwerke; im gesamten menschlichen Erbgut sind es schätzungsweise 25.000. Doch Fehler in Mitochondrien-Genen können schwerwiegende Auswirkungen haben. Es gibt bis zu 50 erbliche Krankheiten, die über die Mitochondrien weitergegeben werden können, darunter Schäden des Nerven- und Muskelsystems, Herzrhythmusstörungen und Erblinden.

Genetische Eigenschaften von Vater und Mutter

Die Forscher betonen, dass ein so entstehendes Baby die genetischen Eigenschaften von Vater und Mutter hätte - die Mitochondrien beeinflussten ihrer Aussage nach Aussehen oder Persönlichkeit nicht. Bislang haben die Forscher in Newcastle nach eigenen Angaben zehn Embryonen mit dieser Technik erzeugt, nach fünf Tagen sei der Prozess aber abgebrochen worden. Die Ergebnisse wurden noch nicht in einem Fachjournal publiziert.

"Wir sehen diese Tests als Bewegung in Richtung genetisch veränderter Babys", kritisierte David King von der Organisation "Human Genetics Alert" angesichts der Resultate: "Obwohl das keine genetische Veränderung ist, sind wir sehr besorgt, da in die Gene eines Menschen eingegriffen wird, die vielleicht von allen Nachkommen geerbt werden." Josephine Quintavelle von der Gruppe "Comment on Reproductive Ethics" warnte: "Dies ist ein risikoreicher und gefährlicher Weg. Wir sollten nicht mit den Bausteinen des Lebens herumfuhrwerken."

DPA/AP/bub
 
 
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