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14. November 2007, 10:39 Uhr

Gedanken steuern Armprothese

Zur Toilette gehen, waschen, essen - seit Christian Kandblauer beide Arme verlor, war er bei diesen alltäglichen Dingen immer auf Hilfe angewiesen. Doch jetzt könnte für ihn alles einfacher werden. Er ist der erste Europäer, der eine gedankengesteuerte Armprothese bekam. In Wien hat er sie vorgestellt.

Der 20-jährige Österreicher Christian Kandlbauer (r), der beide Arme 2005 bei einem Unfall verlor, hat in Wien seine gedankengesteuerte Armprothese vorgestellt© Michael Appelt /Otto Bock Healthcare Products

Der 20-jährige Österreicher Christian Kandlbauer verlor bei einem Unfall vor zwei Jahren beide Arme. Seither war er praktisch ununterbrochen auf fremde Hilfe angewiesen. "Man kann sich gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn man fremde Hilfe beim Gang zum WC, beim Essen oder beim Waschen braucht", klagt der junge Mann. Doch das könnte jetzt anders werden. Kandlbauer demonstrierte am Dienstag vor Journalisten in Wien den Prototyp der ersten vollständigen und funktionsfähigen Armprothese, die sich vom Patienten mit den Gedanken steuern lässt wie ein natürlicher Arm. Er ist damit nach Angaben der Entwickler der erste Europäer, der mit Hilfe dieser Technik versorgt wurde.

Nerven müssen verlagert werden

Voraussetzung für das Funktionieren der Prothese, die von Wiener Experten des deutschen Unternehmens Otto Bock zusammen mit Wissenschaftlern in den USA entwickelt wurde, ist eine komplizierte Operation, die außer in Wien bisher nur in medizinischen Zentren in Chicago und Seattle möglich ist. Dabei müssen die Nerven, die ursprünglich zu den amputierten Gliedmaßen führten, verlagert werden. Durch diesen Nerventransfer können Signale, die ursprünglich für die Steuerung des Arms verantwortlich waren, auch für die Steuerung der Prothese genutzt werden. Im Schaft der Prothese sind Elektroden eingearbeitet, die die Steuersignale des Patienten aufnehmen. Eine Elektronik im Inneren der Prothese setzt die empfangenen Signale anschließend um und erkennt die gewünschte Bewegung.

Im Gegensatz zu früheren Entwicklungen kann die neue Prothese, mit der in den USA in leichten Abwandlungen inzwischen sechs Patienten ausgestattet wurden, über sieben Gelenke deutlich mehr Bewegungen in verschiedene Richtungen ausführen. Und das von der Schulter bis zur Hand. "Die gedankengesteuerte Prothese ermöglicht eine intuitive Steuerung. Der Patient denkt an die Bewegung seines verloren gegangenen Arms" erläuterte Hans Dietl, Wiener Geschäftsführer des Unternehmens. Die Elektronik leitet die Befehle dann weiter, die von den Motoren umgesetzt werden.

Elektroden leiten Impulse weiter

Allerdings ist die Prothese nur für Patienten geeignet, deren Armamputation noch nicht allzu lange zurückliegt. Denn noch vorhandene Nerven des amputierten Arms müssen mit übriggebliebenen Muskelgruppen verbunden werden. Sind die Nerven erfolgreich eingewachsen, trainiert der Patient zunächst die verschiedenen Bewegungsmuster, bis von den Muskelgruppen bei Kontraktion ausreichend starke elektrische Impulse abgenommen werden können. Elektroden leiten diese Impulse dann an die Prothesenelektronik weiter. So wird der künstliche Arm letztlich direkt vom Gehirn gesteuert.

Christian Fürst/DPA
 
 
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