In den allermeisten Fällen bedarf es professioneller Hilfe, um von Pillen und Tropfen loszukommen. Im stationären und ambulanten Entzug werden Süchtige betreut und überwacht. Oft ist auch eine anschließende Therapie sinnvoll.
Schlaf- und Beruhigungsmittel: Nur
wenn es ein stabiles Umfeld, keine weitere
Abhängigkeit (z. B. von Alkohol) sowie keine
schwerwiegende andere psychische Erkrankung
gibt, ist zum ambulanten Verfahren
zu raten. Nötig ist dann ein damit erfahrener
Arzt. Ihn kann der Hausarzt, eine
Drogenberatungsstelle, die Suchtambulanz
einer psychiatrischen Klinik oder ein niedergelassener
Psychiater vermitteln. Der
Patient braucht Ausdauer und Durchhaltevermögen,
denn der ambulante Entzug
dauert länger als der stationäre; die Dosis
wird langsamer reduziert - mehrere Wochen
bis über ein halbes Jahr.
Schmerzmittel: Die ambulante Behandlung
ist nur bei leichteren Schmerzen aussichtsreich.
Ein Versuch ist möglich, wenn
Schmerzmittel mit nur einem Wirkstoff
verwendet wurden, die Betroffenen ein stabiles
privates Umfeld haben und keine
schweren psychischen Begleiterkrankungen
vorliegen. Ein Schmerztherapeut, Psychiater
oder Neurologe kann den Entzug durchführen.
Er dauert mindestens zehn Tage
(bei frei verkäuflichen Mitteln) bis hin zu
mehreren Wochen. Die Erfolgswahrscheinlichkeit
ist geringer als bei einer stationären
Behandlung.
Kosten: Die Kosten für einen ambulanten
Entzug übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung.
Schlaf- und Beruhigungsmittel: Er
wird von jeder psychiatrischen Abteilung
oder psychiatrischen Klinik angeboten und
dauert etwa drei bis sechs Wochen. In der
Regel findet die Behandlung auf einer Alkoholentzugsstation
statt. Bundesweit einmalig
ist das von der Landschaftsverband-
Westfalen-Lippe-Klinik Lippstadt angebotene
Verfahren mit einer eigenständigen
Behandlung für Medikamentenabhängige.
Schmerzmittel: Psychiatrische und
neurologische Kliniken bieten einen stationären
Entzug an, am meisten Erfahrung
jedoch haben ausgewiesene Krankenhäuser
wie die Landschaftsverband-Westfalen-
Lippe-Klinik und die Schmerzklinik Kiel.
Die Behandlung dauert in Kiel in der Regel
acht bis zwölf Tage. Die stationäre Behandlung
hat vor allem den Vorteil, dass Entzugs-
und Begleiterscheinungen durch entsprechende
Therapien effektiv abgefangen
werden können. Außerdem kann der Patient
gleichzeitig bezüglich der zugrunde
liegenden Schmerzkrankheit optimal eingestellt
werden - sowohl verhaltensmedizinisch
als auch medikamentös. Zudem ist
die Entlastung vom beruflichen und familiären
Umfeld gerade bei psychischen Begleiterkrankungen
für den nachhaltigen
Erfolg wesentlich.
Kosten: Auch der stationäre Entzug wird
von der gesetzlichen Krankenversicherung
übernommen. Voraussetzung ist die Einweisung
durch einen Arzt.
Beim Schlaf- bzw. Beruhigungsmittelentzug: Der
Konsum wird in der Regel
schrittweise reduziert. Das passiert entweder
mit dem bisherigen Mittel, oder der
Arzt stellt auf ein anderes Präparat aus dieser
Substanzgruppe um, das eine günstigere
Wirkdauer hat und genauere Dosiermöglichkeiten
für kleine Reduktionsschritte
bietet. Gelegentlich werden die
Medikamente auch schlagartig abgesetzt.
Insbesondere dann wird ein Mittel gegeben,
das vor epileptischen Anfällen schützt,
die bei einem plötzlichen Ausbleiben des
Wirkstoffes auftreten können. Auch bei
der langsamen Reduktion werden solche
Medikamente häufig verabreicht. Denn
sie wirken zudem gegen Entzugserscheinungen
wie Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen, Unruhe und Schlafstörungen.
Als ergänzende Maßnahmen
haben sich unter anderem Entspannungsverfahren
und Verhaltenstherapie
bewährt.
Beim Schmerzmittelentzug: Das
Medikament wird - etwa wenn es Kopfschmerz
auslöst - nicht ausgeschlichen,
sondern unmittelbar abgesetzt. Durch
andere Mittel, gegebenenfalls über eine
Infusionstherapie, lassen sich Entzugserscheinungen
abfangen, etwa Übelkeit,
Erbrechen oder erneuter, durch die
Umstellung bedingter Kopfschmerz.
Nach dem Entzug von Schlaf- und Beruhigungsmitteln: Manche
Patienten benötigen im Anschluss an
den eigentlichen Entzug eine klassische
psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung.
Oft leiden sie unter einer Depression
oder Angststörung. Häufig war
auch eine psychosomatische Erkrankung
der Auslöser für die Medikamentenabhängigkeit.
Diese Grunderkrankung
muss dann durch eine psychosomatische
Therapie angegangen werden.
Oft wird eine solche Therapie schon
während des stationären Entzugs angeboten
und begonnen. Für die ambulante
Nachsorge sollten Sie darauf achten,
dass der weiterbehandelnde Arzt
oder Therapeut Erfahrung in der Behandlung
Suchtkranker hat. Eine Nachsorgetherapie
wird in der Regel erst
nach Antragstellung finanziert, und
zwar durch den Rentenversicherungsträger
oder die gesetzlichen Krankenkassen.
Die Kosten für eine psychiatrische
Behandlung werden immer
übernommen.
Nach dem Schmerzmittelentzug: Eine psychotherapeutische Nachbetreuung
ist dann erforderlich, wenn der
Umgang mit chronischen Schmerzen
erlernt werden muss oder soziale
Schmerzauslöser bekannt sind - wie
eine hohe Arbeitsbelastung oder Beziehungsprobleme.
In jedem Fall sollte
der Patient etwa ein Jahr lang von
einem niedergelassenen Arzt begleitet
werden.
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 06/2008