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30. Oktober 2007, 11:18 Uhr

EU-Umweltagentur warnt vor Handystrahlung

Der Verdacht, dass Handystrahlungen gesundheitsschädlich sein könnten, besteht schon lange. Jetzt hat die Europäische Umweltagentur vor der Gefahr gewarnt - und wurde prompt vom Bundesamt für Strahlenschutz als unseriös bezeichnet.

Eine Frau telefoniert mit einem Handy. Die Europäische Umweltagentur hat jetzt ausdrücklich vor Gesundheitsgefahren durch die Mobiltelefone gewarnt© colourbox

Erst Anfang des Jahres hatte die "Süddeutsche Zeitung" vermeldet: "Handys können Krebs auslösen". Damit druckte sie ein Thema auf ihrer Seite eins, dass schon lange diskutiert, aber selten mit eindeutigen Fakten unterfüttert wurde. Doch jetzt hat als erste EU-Fachbehörde die Europäische Umweltagentur (EEA) ausdrücklich vor Gesundheitsgefahren durch Handys. Es gebe klare Beweise, dass Handy-Nutzer, die ihr Handy mehr als 15 Jahre lang etwa 460 Stunden im Jahr genutzt hätten, Ausprägungen von Hirntumoren gezeigt hätten, sagte die EEA-Direktorin Jaqueline McGlade laut Vorabbericht im ARD-Magazin "Report Mainz".

Doch das Bundesamt für Strahlenschutz hat Zweifel an der Aussagekraft der neuen Studie geäußert. Nach erster Prüfung weise die Studie klare wissenschaftliche Schwächen auf, sagte der Sprecher des Bundesamts, Florian Emrich, der "Berliner Zeitung". Es würden Vermischungen vorgenommen, die fachlich nicht zulässig seien.

Strahlen-Grenzwerte sollten gesenkt werden

EEA-Direktorin McGlad hält dagegen und sagt: "Handys mögen schwach strahlen, aber es gibt genügend Beweise für Wirkungen auch bei schwacher Strahlung, dass wir jetzt handeln müssen." Die Behörde in Kopenhagen bezieht sich auf einen Bericht der "Bioinitiative Group", der Ende August veröffentlicht wurde und bei dem die Umweltfachbehörde ein Mitautor ist. Der Zusammenschluss von Wissenschaftlern hat 2.000 Studien zur Wirkung von elektromagnetischen Feldern ausgewertet. Zentrales Ergebnis des Berichts ist laut "Report" die Aussage, dass sich das Risiko für Hirntumoren nach mehr als zehn Jahren Handynutzung um 20 bis 200 Prozent erhöht. Außerdem gebe es laut McGlade durch Mobilfunkstrahlung unterhalb der geltenden Grenzwerte Effekte in menschlichen Zellen, berichtet das Magazin, das am Montagabend ausgestrahlt werden sollte. "Sie stören Zellprozesse, den Signalaustausch zwischen Zellen. Wenn das über einen langen Zeitraum passiert, können diese Störungen natürlich zu Langzeiteffekten wie Krebs führen", wird McGlade zitiert. Das seien die Effekte, "die uns am meisten beunruhigen". Deshalb rate die EEA dazu, die Grenzwerte mit Blick auf solche biologischen Effekte neu zu definieren und damit zu senken.

Das Bundesamt für Strahlenschutz will dagegen keine Konsequenzen aus der Studie ziehen: "Derzeit gibt es keinen Anlass, die Grenzwerte zu ändern. Wir empfehlen weiter einen vorsichtigen Umgang mit Mobilfunk", sagte Sprecher Emrich. Nach derzeitigem Kenntnisstand gebe es aber innerhalb der Grenzwerte keine Gefährdung.

AP
 
 
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