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10. September 2007, 16:43 Uhr

Diagnose auf den ersten Blick

Ähnlich wie beim Down-Syndrom verändern auch andere genetische Erkrankungen das Äußere eines Menschen, glauben Londoner Forscher und entwickelten eine Software, die Krankheiten per Gesichtscannung erkennt. Die neue Methode könnte zur echten Konkurrenz für Ärzte werden.

Das Down-Syndrom beeinflusst, wie bei diesem Kleinkind, die Gesichtszüge© Picture Alliance

Eine neue Software kann seltene genetische Erkrankungen an der Gesichtsform erkennen: Sie vergleicht Merkmale wie Augenabstand, Nasenform und -größe oder den Schnitt der Lippen mit abgespeicherten Durchschnittswerten, die typisch für verschiedene Erbkrankheiten sind. Gibt es Übereinstimmungen, kann das ein erster Hinweis für Eltern und Ärzte sein, worauf sich die weitere Suche nach der Ursache konzentrieren sollte, erklärt der Entwickler der Software, Peter Hammond vom University College in London. Auf diese Weise könnten vor allem seltene Erkrankungen schneller diagnostiziert werden. Momentan liege die Trefferquote bei etwa 90 Prozent, berichtete der Forscher auf dem Wissenschaftsfestival der britischen Association for the Advancement of Science in York.

Erkrankungen verändern das Gesicht

Mehr als 700 verschiedene genetische Erkrankungen beeinflussen laut Hammond den Gesichtsschnitt auf eine ganz charakteristische Weise. Nicht immer sind die Merkmale jedoch so offensichtlich wie beim Down-Syndrom - auch Trisomie 21 genannt: In manchen Fällen verändert sich lediglich die Position der Ohren oder das Verhältnis der Nasenlänge zur gesamten Gesichtslänge. Da die meisten dieser Erkrankungen zudem sehr selten sind, entgehen die typischen Anzeichen häufig der Aufmerksamkeit der Ärzte. Dem soll die neue Software nun abhelfen. Sie basiert auf einer Datensammlung, in der dreidimensionale Bilder der Gesichter von Menschen mit bekannten Veränderungen im Erbgut abgespeichert sind. Für jede Erkrankung hat Hammond daraus ein Durchschnittsgesicht errechnet, das bei einem Verdacht auf eine genetische Krankheit mit dem Gesicht des Kindes verglichen werden kann.

Erfasst ist beispielsweise die auch als "Koboldgesicht" bezeichnete typische Gesichtsform beim Williams-Syndrom, einer Krankheit, die etwa bei einem von 10.000 bis 20.000 Kindern auftritt. Sie ist unter anderem gekennzeichnet durch eine kürzere, nach oben zeigende Nase, einen ungewöhnlich großen Abstand zwischen Oberlippe und Nase und einen sehr schmalen Unterkiefer. Auch Hinweise auf das mit einem Vorkommen bei einem von 4000 Kindern recht häufige Fragile-X-Syndrom kann die Software anhand der Gesichtsmerkmale - vor allem einem langen, schmalen Gesichtsschnitt bei vortretender Stirn - identifizieren.

Software als Diagnosebeschleuniger

"Momentan wird die Technik bei gut 30 Krankheiten mit zugrundeliegenden genetischen Abweichungen eingesetzt", sagt Hammond. Zudem habe sie bereits geholfen, eine ungewöhnliche Gesichtsasymmetrie bei autistischen Kindern sowie einige am Williams-Syndrom beteiligte Gene zu identifizieren. Ihr eigentlicher Zweck sei jedoch, die häufig langwierige Diagnose der seltenen genetischen Anomalien zu beschleunigen und den Betroffenen Stress zu ersparen, der mit klinischen Tests verbunden ist.

DDP
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
raindeer (10.09.2007, 22:21 Uhr)
Software ueberfluessig
Es gibt genuegend Spezialisten (Kinderpathologen, Humangenetiker), die genetische Krankheiten, die mit einer Veraenderung der Physiognomie einhergehen, auf einen Blick erkennen. Viele Syndrome wie z.B. Williams-Beuren, Brachmann-De Lange, fragises X etc. sind so typisch, dass sie sogar ein Laie erkennt, nachdem er eine einzige Person mit dieser Krankheit gesehen hat. Bei Krankheiten mit subtileren auesseren Merkmalen muss man sowieso auch die Genetik und innere Fehlbildungen heranziehen.
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