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26. Mai 2006, 15:28 Uhr

Auf dem Kriegspfad

Seit etwas mehr als drei Wochen rauche ich nicht mehr. Das macht mir momentan ziemlich wenig Spaß. Erstaunlich finde ich, wie viele gute Gründe es gibt, meiner Umwelt den Krieg zu erklären. Von Björn Erichsen

Nichtraucher, Nichtrauchen, Rauchstopp, Rauchen aufhören, Nichtraucher-Tagebuch

Ohne Kippe: Wütend durch den Nahverkehr© Jens Wodrich

Rückblickend betrachtet war die Eskalation unvermeidlich: Sie, eine gestresste Verkäuferin in einem überfüllten Supermarkt am Tag vor Christi Himmelfahrt. Ich, noch leicht genervt vom Job und in den letzten Tagen alles andere als ausgeglichen. Ich weiß nicht genau, wer von uns beiden der Olivenölflasche den entscheidenden Schubs gab, so dass diese vom Laufband fiel und zerbrach. Jedenfalls pöbelten wir uns angesichts der schmierigen Lache im Kassenbereich kurz vor Feierabend lautstark an.

Ich habe dann eines dieser Kommentar-Kärtchen ausgefüllt, um meinem Ärger Luft zu machen. "Unfreundlich", "wohl kaum im Sinne der Geschäftleitung", solche Sachen. Als ich den Zettel in der Box mit der Aufschrift "Ihre Meinung interessiert uns" versenkte, war da ein echtes Gefühl der Befriedigung. Der hatte ich es gezeigt. Kaum aus dem Laden raus, war mir die ganze Nummer allerdings nur noch peinlich.

Ein echter Stinkstiefel

Leider gehören derlei Ruppigkeiten für mich momentan zur Tagesordnung. Nie wirklich schlimm, aber eben auch nicht schön. Ein sanftes Drängeln in der U-Bahn, mit dem Aufzug nicht auf den Kollegen warten, den man im Augenwinkel heranstürmen sieht. Diskussionen mit mir haben auch schon mal mehr Spaß gemacht. Ich nenne es durchsetzungsstark, mein Umfeld behauptet ich sei leicht reizbar und manchmal ein echter Stinkstiefel.

Nun muss man sicherlich nicht alles auf das Nichtrauchen schieben. Ich habe derzeit recht viel zu tun, die Arbeit stapelt sich auf meinem Schreibtisch. Es sind gerade so Tage, an denen ich früher 30 Zigaretten und mehr weggequalmt habe. Auch da war ich angespannt und mal launisch, jedoch finde ich mein derzeitiges Aggressionspotenzial wirklich bemerkenswert.

"Tipps zur Spontanentspannung"

Meinen Frieden finde ich derzeit nur beim Sport, wenn ich die ganze aufgestaute Energie rauslassen kann. Im Arbeitsalltag hilft das aber wenig. In einem Ratgeber habe ich aber folgende "Tipps zur Spontanentspannung" gefunden:

1. Setzen sie sich locker hin, spüren Sie Ihren Atem.

2. Spannen Sie jetzt möglichst viele Muskeln Ihres Körpers an: Fäuste machen, Arme anspannen, Schultern hochziehen, Oberschenkel- und Gesäßmuskel anspannen, Stirn sowie Augenbrauen runzeln und die Zähne aufeinander beißen.

3. Die Spannung kurz halten und anschließend wieder ganz locker lassen - bei jedem Ausatmen ein bisschen mehr. Lassen Sie die restliche Anspannung dabei immer mehr entweichen.

Ich habe es probiert. Allerdings kam ich mir ziemlich lächerlich vor, als ich mit angespanntem Gesäßmuskel und gerunzelten Augenbrauen im Büro saß. Spontan entspannt fühlte ich mich jedenfalls nicht.

Hypnose, autogenes Training oder Yoga?

stern.de-User "MissHelga" hat mir Hypnose empfohlen. Sie hat sich damit das Rauchen sehr elegant abgewöhnt, hatte danach nie wieder Lust auf Zigaretten. Beneidenswert! Ich kann mich dazu nicht wirklich überwinden. Dann schon eher autogenes Training oder Yoga. Vielleicht auch Akupunktur, die Aussicht auf eine ordentliche Endorphinausschüttung finde ich derzeit sehr reizvoll.

Die Sache mit der Verkäuferin tut mir im Nachhinein wirklich leid. Ich hoffe, es hat keine Konsequenzen für sie. Aber wahrscheinlich liest die Marktleitung die Zettel eh nicht. In der nächsten Zeit werde ich wohl erstmal woanders einkaufen gehen. Vielleicht bin ich aber auch bald ganz entspannt und sage ihr etwas Nettes.

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Von Björn Erichsen
 
 
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