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9. Juni 2006, 06:00 Uhr

Das große Feilschen

Ich bin inzwischen mehr als fünf Wochen ohne Zigarette. Darüber freue ich mich. Meistens. Wenn da nicht die Momente wären, in denen mir mein Unterbewusstsein eine Zigarette zum absoluten Schnäppchenpreis anbieten würde. Von Björn Erichsen

Björn feilscht - nicht nur beim Einkaufen, sondern auch mit seiner Stimme der Versuchung© Privat

"Hey Björn, sag mal, warum tust du dir das eigentlich noch an? Du hast so lange durchgehalten, du bist doch nicht mehr süchtig", zuckersüß tönt der Sirenengesang aus irgendeiner Untiefe meines Unterbewusstseins. "Eine Zigarette kannst du dir doch leisten, du hast doch alles unter Kontrolle. Du musst ja nicht wieder anfangen."

Nach etwas mehr als fünf Wochen ohne Rauchen stellt sich mein Tagessablauf wie folgt dar: Von 16 Stunden, an denen ich pro Tag wach bin, sind mir Zigaretten in etwa 15 Stunden und 40 Minuten völlig gleichgültig. Ich lebe meinen Alltag so, als hätte ich nie geraucht. Etwa fünf Minuten pro Tag freue ich mich bewusst darüber aufgehört zu haben: Über Gesundheit, gespartes Geld und natürlich auch darüber, dass ich durchgehalten habe.

Die Stimme der Versuchung hat den Charme einer Drückerkolonne

Das Problem beschränkt sich auf eine Viertelstunde Anfechtung, hübsch über den Tag verteilt. Zwei bis drei Mal täglich, meistens wenn ich abends zuhause bin und etwas Ruhe habe, ertönt die Stimme der Versuchung. Sie kommt als ehrlicher Makler daher, hat aber den Charme einer Drückerkolonne mit dem Fuß in der Haustür. Eine einzige Zigarette will sie mir verkaufen. Mehr nicht. Dass es sich dabei um ein lebenslanges Abo handelt, verschweigt sie tunlichst. Sie tut so, als könnte ich jederzeit wieder kündigen.

"Von der einen Zigarette musst du doch niemanden erzählen"

Es ist bizarr. Ich kann, wie etwa in meinem letzten Mal, aus tiefer Überzeugung einen Artikel schreiben, in dem ich erkläre, dass Rauchen ein echtes Gift und eine Geißel der Menschheit ist. Ich kann so viele gute Gründe anführen, warum es sich lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören oder nie damit anzufangen. Doch in diesen täglichen 15 Minuten zählen Argumente nichts mehr.

"Körperliche Fitness? Von einer Zigarette wirst du schon nicht aus der Puste kommen. Das gesparte Geld - die paar Euro hast du doch wohl über. Und von der einen Zigarette musst du doch niemanden erzählen, geschweige denn in ein Tagebuch schreiben." Alles klingt so fürchterlich plausibel.

Bisher bin ich nicht auf das fadenscheinige Angebot reingefallen. Ich weiß nicht, ob eine Zigarette gleich der Dammbruch wäre. Aus Erfahrungen von Leidensgenossen weiß ich, dass ein Rückfall nicht unüblich und nicht zwangsläufig das Ende des "Projektes "Nicht-Mehr-Rauchen" sein muss. Nur leichter wird das Standhalten danach sicher nicht. Und der Sirenengesang gewiss nicht leiser.

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Rauchfreie Zone

Rauchfreie Zone Björn Erichsen, Jahrgang 74, lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Schwerpunkte sind Politik, Kultur, Medien und Sport. Seit neuestem treibt ihn die Frage um, ob man sich nach 120.000 Zigaretten noch einmal Nichtraucher nennen darf.

Von Björn Erichsen
 
 
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