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13. Mai 2006, 10:00 Uhr

Das Weichei mit dem Pflaster

Wie man sich das Rauchen am besten abgewöhnt, ist eine Glaubensfrage. Sollte man Hilfsmittel verwenden, vor allem wenn sie Nikotin enthalten? Für mich gilt momentan noch: Nicht ohne meine Pflaster. Von Björn Erichsen

Rauchstopp, Nichtraucher, Nichtraucher-Tagebuch, Rauchen aufhören

Björn mit Nikotinpflaster: "Bei meinem ausschweifenden Konsum kamen nur die stärksten in Frage"© Dirk Claus

In dieser Woche bekam ich einen Anruf von einem alten Bekannten. Er hatte das Nichtraucher-Tagebuch gelesen und nahm das zum Anlass, einfach mal wieder zu plaudern. Er erzählte mir, dass er vor drei Jahren auch mal mit dem Rauchen aufgehört hatte. "Allerdings ohne Nikotinpflaster!", wie er betonte. Es klang wie "Björn, du Weichei, schaffst du das nicht ohne?" Und so war es wohl auch gemeint.

An der Frage, auf welchem Weg man erfolgreich mit dem Rauchen aufhört, scheiden sich die Geister. Das zeigen auch die Kommentare zu diesem Tagebuch: Nullpunkt-Methode vs. langsam reduzieren, Nikotinpflaster, -kaugummis oder -spray, Akupunktur, Hypnose oder einen der vielen Ratgeber zum Thema lesen. Kultstatus hat sicher das Buch "Endlich Nichtraucher!" von Allen Carr, der übrigens vehement gegen den Einsatz jeglicher Nikotinersatzpräparate poltert.

Vom ersten Tag an habe ich Pflaster geklebt

Ich habe mich für die Nullpunkt-Methode und Nikotinpflaster entschieden. Bekannte hatten damit gute Erfahrungen gemacht, durch die Trennung in psychischen vom physischen Entzug wird die unangenehme Anfangszeit erleichtert. Studien legen die Wirksamkeit dieser Methode nah: Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind die Erfolgschancen bei einer Nikotinersatztherapie in etwa doppelt so hoch ein wie bei einem "kalten Entzug".

Vom ersten Tag an habe ich Pflaster geklebt. Bei meinem ausschweifenden Konsum kamen nur die stärksten Pflaster in Frage. 52,5 Milligramm Nikotin träufeln seither täglich in meinen Körper. Vor heftigen Entzugserscheinungen hat mich das nicht bewahrt, über die Achterbahnfahrt der ersten Tage habe ich ja berichtet. Insgesamt bin ich dennoch relativ ausgeglichen und nicht so aggressiv, wie ich das von vorherigen Versuchen kannte. Und natürlich das Wichtigste: Ich bin nicht rückfällig geworden.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben

Dem körperlichen Entzug werde ich mich noch stellen müssen. Etwas anderes macht mir aber größere Sorgen: Die psychische Abhängigkeit ist derzeit nur verschoben. In dieser Woche bin ich kurzfristig zu einem eiligen Termin beordert worden. Unterwegs fiel mir auf, dass ich das Pflaster vergessen hatte. Das war mir zwar vorher auch schon mal passiert, allerdings unbewusst und da völlig problemfrei. Dieses Mal litt ich den gesamten Termin über, die schlimmsten Entzugserscheinungen seit Tagen.

In der nächsten Woche möchte ich auf schwächere Pflaster umsteigen. Das Nikotin soll langsam aus meinem Körper "ausschleichen", wie das so schön heißt. Wann genau ich mit dem Pflaster aufhören werde, weiß ich noch nicht. Bis zu zwölf Wochen wie es der Hersteller empfiehlt, wollte ich mir nicht gönnen.

Übrigens: Der Bekannte, der mich anrief, raucht seit einiger Zeit wieder. Nicht viel, nur ein paar Zigaretten täglich. Glücklich ist er damit nicht. Aber er ist hart im Nehmen. Und bei seiner Willensstärke hat er sicher kein Problem, einfach wieder damit aufzuhören...

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Rauch-Entwöhnung mit Pflaster - nur was für Weicheier?

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Rauchfreie Zone

Rauchfreie Zone Björn Erichsen, Jahrgang 74, lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Schwerpunkte sind Politik, Kultur, Medien und Sport. Seit neuestem treibt ihn die Frage um, ob man sich nach 120.000 Zigaretten noch einmal Nichtraucher nennen darf.

Von Björn Erichsen
 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
flashchecker (19.05.2006, 17:02 Uhr)
Nur augenscheinlich nützlich...
...sind alle Nikotinersatzpräperate. Denn nach gängiger medizinischer Meinung ist das Nikotin bereits nach wenigen Tagen aus dem Körper. Statistik hin oder her, der körperliche Entzug kommt in jedem Fall - spätestens wenn Sie das "Pflastern" aufgeben. Ich habe mehrfach versucht, mit Hilfe von Pflastern, Kaugummis etc. mit dem Rauchen aufzuhören. Fazit: einen statistischen Zusammenhang zwischen der Dauer des Nichtrauchens und der Nutzung von Nikotinersatzpräperaten konnte ich nicht feststellen. Entscheidend ist meiner Ansicht nach die Frage, ob Sie aufhören wollen. Wenn das der Fall ist, geht's genauso problemlos ohne Pflaster - und sparsamer ist es allemal.
Lieben Gruß und viel Erfolg
sekhi (15.05.2006, 02:42 Uhr)
Pflaster?
Hi,
zum Thema Pflaster kann ich nur sagen: Es ganz gut ohne. Ich habe selber mal mit dem Rauchen aufgehört, ohne jegliche Hilfsmittel. Der körperliche Entzug hat für mich damal kein Problem dargestellt, obwohl ich viel graucht habe. ( Mindestens ein Bigpack Blau Gauloises am Tag, eher mehr). Der seelische Entzug war viel schlimmer für mich. Mein Versuch mit dem Rauchen aufzuhören ist auch nur daran gescheitert, dass ich gerne Raucher bin. Rund sechs Monate war ich Nichtraucher, weil mich damals eine Freundin überredete, doch auch mal mit dem Rauchen aufzuhören. Wie gesagt, körperlich kein Problem. Aber gesitig war ich nie wirklich bereit dazu gewesen. Darum rauche ich heute wieder. Und zwar viel und gerne. Ich halte es da wie Churchill:"Raucher, die von den Gefahren des Rauchens lesen, hören auf...zu lesen."
Dennoch bewundere ich deine Willen, das Rauchen aufzugeben und ich wünsche dir alles Gute! Ich denke, jeder muss seinen eigenen Weg finden, mit der Sucht ferig zu werden und sie zu beenden. Egal ob mit oder ohne Pflaster. Beurteilungen wie "Weichei" oder "Nicht-Weichei", halte ich für unangebracht. Für mich ist jeder, der das Rauchen erfolgreich aufgibt stark. Egal wie er es geschafft hat.
Liebe Grüße
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