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2. Mai 2006, 13:49 Uhr

Die Stunde Null

Schätzungsweise 120.000 Zigaretten habe ich in den letzten zwölf Jahren geraucht und dafür rund 18.000 Euro ausgegeben. Am 1. Mai gegen 17 Uhr habe ich die hoffentlich letzte Zigarette meines Lebens geraucht. Ein Nichtraucher-Tagebuch. Von Björn Erichsen

Nichtraucher, Rauchstopp, Rauchen abgewöhnen, Nichtrauchen

Björns letzte Zigarette - in den letzten zwölf Jahren rauchte er rund 120.000 Stück© Björn Erichsen

Die erste Zigarette vergisst man nicht. Bei mir war es im Spätsommer 1994, ich absolvierte gerade die Grundausbildung an der Marinefernmeldeschule im schleswig-holsteinischen Eckernförde. Nach einem Nachtmarsch mit vollem Gepäck rund um das idyllische Windebyer Noor steckte mir ein Kamerad die erste Zigarette zu. Die Kulisse war malerisch: Vor mir der See, der im Sonnenaufgang silbern glänzte, um mich herum die Kameraden in ihren olivgrünen Uniformen, erschöpft von den Strapazen der Nacht, das Gewehr bei Fuß. Der erste Zug, der erste Husten. Die Kameraden lachten. Trotzdem: Nie wieder sollte ich Mr. Marlboro so nahe sein.

Der Rest der Geschichte ist weniger schön. Bei der einen Zigarette ist es natürlich nicht geblieben, nach kurzer Zeit war ich bei einer Schachtel täglich angekommen. Wenn es Stress gab, beruflich oder privat, waren es auch gern 30 Zigaretten oder mehr. Mit Genuss hatte das nur wenig zu tun, klarer Fall von Suchtraucher. Also exakt jener Kundentyp, wie ihn die Damen und Herren der Zigarettenindustrie lieben: konstantes Kaufverhalten, enorme Markenbindung.

Ständig Kleingeld suchen für den nimmersatten Automaten

Damit ist Schluss. Nach fast zwölf Jahren und schätzungsweise 120.000 gerauchten Zigaretten habe ich es satt: die Kurzatmigkeit, die ständige Bronchitis, den Mief in meiner Wohnung. Die ständige Kleingeldsuche für den nimmersatten Automaten vor dem Haus. Am 1. Mai 2006 gegen 17 Uhr habe ich die hoffentlich letzte Zigarette meines Lebens geraucht.

Wie so viele Raucher will ich schon lange aufhören. Grundsätzlich, meine ich. Doch irgendeinen guten Grund habe ich immer gefunden, warum das gerade jetzt nicht passte. Wenn ich es doch halbherzig probierte, ließ der Rückfall nicht lange auf sich warten. Beliebt auch faule Kompromisse: Mal wollte ich meinen Konsum rationieren, zehn Zigaretten täglich sollten es sein. Ein anderes Mal war das Ziel, Genussraucher zu werden, nur auf Partys und in Gesellschaft. Doch Kontrolle ist ein Mythos, wo die Sucht regiert. Gebracht hat das alles nichts, außer großer Frustration.

Die Wurzel des Übels heißt Angst

Damit es diesmal anders läuft, habe ich mich auf meine persönliche Stunde Null vorbereitet. Seit etwa sechs Wochen kreisen meine Gedanken um das Nichtrauchen. Doch mit rationalen Erwägungen hat die Entscheidung in letzter Konsequenz nur wenig zu tun. Dass Rauchen tötet, stinkt und Geld kostet, weiß ich schon lange. Die Wurzel des Übels sitzt tiefer und heißt Angst. Angst vor der Leere, die entsteht, Angst davor, mich bei Stress und Problemen nicht mehr an der Zigarette festhalten zu können.

Je klarer mir dies wurde, desto fester mein Entschluss. Zwischenzeitlich war ich sogar euphorisch, berauscht am eigenen Mut. Erstmals seit vielen Jahren fühlte ich mich der Sucht nicht mehr hilflos ausgeliefert.

Der Entzug in der nächsten Zeit wird hart, da mache ich mir nichts vor. Bereits jetzt, wenige Stunden nach meiner letzten Zigarette, spüre ich Unruhe und Beklemmung. In den ersten Wochen der Rauchentwöhnung setze ich auf Nikotinpflaster, die die größten Entzugserscheinungen lindern sollen. Außerdem habe ich mir ein Sportprogramm verordnet, Laufen, Schwimmen und Fahrradfahren.

Ob ich es endgültig schaffen werde, vermag ich nicht zu sagen. Zu tückisch ist die Sucht. Ich wünsche es mir sehr. Ich werde in der nächsten Zeit regelmäßig über den Stand der Dinge berichten.

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Rauchfreie Zone

Rauchfreie Zone Björn Erichsen, Jahrgang 74, lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Schwerpunkte sind Politik, Kultur, Medien und Sport. Seit neuestem treibt ihn die Frage um, ob man sich nach 120.000 Zigaretten noch einmal Nichtraucher nennen darf.

Von Björn Erichsen
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
frauinternet (04.05.2006, 22:29 Uhr)
Weise Kinderworte
Eines Tages stand meine damals fünfjährige Tochter vor mir und sagte: Mama, wenn Du rauchst wirst Du doch krank und wenn Du stirbst bin ich ganz alleine...........
das ist jetzt fast 7 Jahre her. Dieser Satz hat mein Leben verändert. Mir ist die Zigarette förmlich im Halse stecken gebliebe. Wie recht dieser kleine Mensch doch hatte! Ab da verzichtete ich jeden Morgen auf die 1. Zigarette. Innerhalb weniger Wochen war mein Tageskonsum von ca. 20 auf 6 reduziert...... von einen auf den anderen Moment, ohne daß ich es mir für den 06.Oktober 1999 vornahm lies ich meine letzte Zigarette im Päckchen und habe das Rauchen seit dem NIE vermisst!!!
Wenn mann/frau den SINN im NICHTrauchen erkennt, erkennt mann/frau wie absolut sinnLOS das Rauchen ist!....Wir haben nur eine Gesundheit!
**frauinternet**
stevomc (04.05.2006, 09:28 Uhr)
zigaretten(anti)werbung
hier für alle die zigaretten(anti)werbung aus thailand:
http://welt.kaywa.ch/files/images/2005/8/mob62_1125365420.jpg
stevomc (04.05.2006, 09:25 Uhr)
viertel nach 0
hey mein bester,
ich hoffe du bist stark und schaffst das. ich wuensche dir das so sehr. ich selber habe ja diverse sachen versucht und rauche nun schon 18 jahre (ca. 200.000 kippen).
einmal hatte ich es im studium geschafft aufzuhören. --> auch weil es mich angewidert hat. es stank und war vernebelt in der minibude in meiner wg... dann kam aber die ernuechterung, denn ich dachte auf einer party mal eine genusszigarette rauchen zu koennen (ich hatte ja schliesslich 3 monate nicht geraucht ;-) )... dann gings von vorne los. erst 10 stueck am tag, dann 20 stueck und zack hatte mich der boese cowboy auf seinem pferd mit dem lasso wieder eingefangen.
hypnose, pflaster, nadeln im ohr, salzstangen und diverse andere mittelchen... nein nichts hat mir geholfen. vielleicht wollte ich es ja auch nicht zu lassen?
... habe ich dir eigentlich von der genialen antiraucherwerbung auf den zigarettenschachteln in thailand erzaehlt. ich werde dir mal ein paar bilder senden. echt genial. da hat man wirklich keine lust mehr aufs rauchen, wenn sone offene raucherlunge auf der ganzen schachtel als bild abgebildet ist... gruselig sage ich dir. die letzten 2 monate in thailand habe ich es tatsaechlich geschafft nur 5-10 stinkqualmende tabbakwalzen zu vernaschen (pro tag)...
stay tuned .. ich bin gespannt auf die folgenden berichte von dir..
keep on
i do!
dein freund stevomc
Popke (03.05.2006, 16:13 Uhr)
Es geht meist nach einem Schuss vor den Bug .
Ich hatte vor sechs Jahren einen leichten Herzinfarkt und sofort aufgehört . Ich hatte es leicht weil meine Frau mitmachte und ich glaube das nur das sofortige Aufhören hilft und trotzdem Andere rauchen lassen .Wenn wir Besuch haben darf Jeder rauchen wenn Er denn will, es löst keinen Rückfall aus Und der Gesundheitsminister empfiehlt : löst glaube ich mehr Trotz als Hilfe aus . Nach dem Motto jetzt erst Recht oder ich lasse es mir nicht verbieten .
Ich wünsche auf alle Fälle viel Erfplg .
Gruss Manfred
Mimke (03.05.2006, 09:26 Uhr)
Cool bleiben....
habe 2004 das Rauchen nach 31 Jahren und zum Schluß 50 Zigaretten am Tag aufgegeben, weil ich neben der eines Tages zu erwartenden gesundheitlichen Folgen vor allem die Sucht gehasst habe, trotz unmöglicher Situationen rauchen zu müssen. Ich habe die Methode des Sofortaufhörens gewählt; ist zwar richtig hart und braucht auch -bei mir- vier Wochen Nikotinpflaster, aber hat jetzt 2 1/2 Jahre gehalten, und ich vermisse nichts mehr, das an Marlboro erinnert. Für wichtig halte ich es, nicht den Moralapostel zu spielen, andere entspannt rauchen zu lassen, und auch mit Situationen/Menschen umzugehen, die eben weiter rauchen.
Keinen messianischen Eifer.
Und, wenn es gar nicht mit dem Aufhören zu gehen scheint: Mal in Rhauderfehn/Ostfriesland nach Praxis Plümer-Rieke schauen. Die haben das in 15 Minuten super im Griff...Kostet 30 Euro....
Alles Gute!!!!
juppes13 (03.05.2006, 06:37 Uhr)
Nur im Kopf !!
Ich bin mit 11 angefangen, habe immer selbst gedrehte geraucht,auch mit schwerem Asthma bis zu 60 Stück (erst
inhalieren, dann rauchen),ich war so süchtig, das ich morgens Stummel vom Vortag geraucht habe wenn nichts anderes da war.5 Versuche zum Aufhören habe ich abgebrochen---und der letzte ist jetzt 6 Jahre her und es war ganz einfach. Irgendetwas hat im Kopf geklickt und seitdem rauche ich nicht mehr. Viel Erfolg allen die es versuchen---immer daran denken es fängt im Kopf an
mbms (03.05.2006, 04:42 Uhr)
Stunde Null ist die Stunde EINS in ein rauchfreies Leben - und mein Rezept durchzuhalten
Glueckwunsch von einer Nichtraucherin fuer stolze fuenf Monate. Fuenfzehn Jahre hat der blaue Dunst mein Leben kontrolliert. Seitdem ich jedoch in Miami lebe und Raucher hier generell abgelehnt werden, bin ich jeden schoenen sonnigen Morgen erneut mit dem vielversprechenden Vorsatz endlich Nichtraucher zu sein aufgewacht. Bei den guten Vorsaetzen ist es leider immer geblieben. – Geholfen hat ein Anruf am 2. Januar diesen Jahres von einer guten Freundin aus Braunschweig. Ihr Ehemann Christoph war einer meiner besten Freunde in meiner Hamburger Sturm- und Drangzeit. Chris (Raucher) war mein Alter, 39, als er mit Lungenkrebs diagnostiziert wurde und sieben Wochen spaeter daran verstorben ist. Das war der Grund ihres Anrufes am 2. Januar 2006. Er hinterliess eine verdammt junge Familie mit zwei jungen Toechtern und einem gerade neu erworbenen Haus. Ich habe an diesem Tag geraucht bis mir schlecht wurde. Aus Trauer und Verzweiflung. Am Morgen des 3. Januars waren die Vorsaetze endlich Realitaet, ich wusste ich bin Nichtraucher, ganz bewusst. Chris sei Dank! Wenn ich jetzt Raucher auf der Strasse oder qualmend in ihren Autos sehe, tun sie mir leid. Sieht auch echt doof aus. – Und ja, ich habe drei Kilo zugenommen. Als Frau ist das eine mittelschwere Katastrophe. Obwohl mein zweites zu Hause das Fitness Studio ist, hat mich die Realitaet eingeholt: der Stoffwechsel verlangsamt sich. Auch ohne naschen. Man nimmt zu. Zwei Kilo habe ich wieder runter. Dennoch kam mir niemals in den Sinn zur Zigarette zu greifen, um wieder besser in die Jeans zu passen. Im Gegenteil, ich werde in den letzten Zeit oft angesprochen, wie gut ich aussehe. Klarer im Gesicht, auch ohne Botox. Kein Scherz, man fuehlt sich nicht nur besser, man sieht auch besser aus. Genau das haette ich Chris auch gewuenscht. Zu spaet, aber nicht fuer Dich, lieber Bjoern - halte durch!
tini_879 (02.05.2006, 23:36 Uhr)
Immer an was anderes denken
Ich weiß nicht, ob es helfen wird, wenn Björn über seine Gefühle schreibt. Ich habe Mitte Juli 1999 angefangen zu rauchen und am 26. Juli 2005 meine allerletzte Zigarette geraucht. Ich brauchte 2 Wochen um über das Schlimmste hinwegzukommen ("nicht dran denken, nicht dran denken"). Danach habe ich auch wirklich nicht mehr dran gedacht. Im Dezember wollte ich dann erstmals wieder eine Zigarette rauchen - das hatte wohl nichts mehr mit Sucht zu tun. Ich vermisste, ein Buch zu lesen und eine Zigarette dabei zu rauchen. Ich hatte Stress und eine Zigarette half mir früher mich abzulenken. Diese Lust auf Rauchen dauerte wieder etwa 2 oder 3 Wochen. Seitdem geht es. Aber immer wieder zwischendurch denke ich - ach, eine Zigarette wär' jetzt wirklich schön.
Ich hatte noch Zigaretten, als ich aufgehört habe - nur für den Fall, ich schaffe es nicht. Ich wollte mich auch nicht zu sehr unter Druck setzen. Und, Björn, ich habe es niemanden in den ersten 3 Tagen gesagt - ebenfalls um mich nicht zu sehr unter Druck zu setzen.
Ich wünsche alles Gute und viel Glück. Mir hat das Aufhören gesundheitlich unheimlich viel gebracht.
crawtona500 (02.05.2006, 22:55 Uhr)
Nichtraucher
Ich bin seit beinahe 2 Jahren clean und hab es ohne Hilfsmittel und dergleichen geschafft. Niktonpflaster und -kaugummis bringen meiner Ansicht nach gar nichts. Es ist eine psychologische Abhängigkeit, die physische Abhängigkeit und die Entzugserscheinungen sind ein Witz.
1) Man muss es wollen, wirklich wollen
2) Man darf nie denken, dass man auf etwas verzichtet, sondern man gewinnt etwas
3) Alles wird besser und schöner
Besiegt das Monster im Kopf und der Geldfresser-Automat bleibt leer.
MoeB. (02.05.2006, 21:27 Uhr)
Zu Iaah
Oha Iaah,
Ohne Dich (Sie(?) direkt angreifen zu wollen, frage ich mich, ob da nicht die Enttäuschung spricht. Ist es nicht etwas weit ausgeholt, die löblichen Versuche eines (Noch-)Rauchers so zu hinterfragen und gleich die ganze Welt in Frage zu stellen?
Und außerdem, wo bleibt die Fairness. Wer deinen (Ihren(?)) wilden Ritt auf dem "Weltuntergangspferd" ernsthaft liest, der wird sich meiner Meinung nach, am Anfang eines ganz anderen Problems, als das des Rauchens wiederfinden.
Liebe Grüße,
Moe
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