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4. Mai 2006, 06:49 Uhr

Ein Tag auf der Achterbahn

Bisher hatte ich mich nur mit der Theorie des Nichtrauchens auseinandergesetzt. Nun galt es, die ersten 24 Stunden ohne Zigarette zu überstehen. Irgendwie. Von Björn Erichsen

Nichtraucher-Tagebuch, Nichtraucher, Nichtrauchen, Rauchstopp, Rauchenaufhören

Im Schwimmbecken fühlt sich Björn sicher vor den Schmachtattacken© Johannes Eisele/DDP

"Mensch, das ist ja wirklich kinderleicht." Auf einer Welle der Selbstzufriedenheit bin ich durch meinen ersten rauchfreien Vormittag geritten. Auf die ansonsten obligatorischen Zigaretten vor und nach dem Frühstück zu verzichten, stellte kein Problem dar. Und auch sonst: Kein Schmachter, keine nennenswerten Entzugserscheinungen, allerbeste Laune. Zeit also, sich mal selbst ordentlich auf die Schulter zu klopfen.

Doch Eigenlob stinkt und Hochmut wird bestraft: Das erste richtige Tief kam pünktlich zur Mittagspause. Kaum hatte ich einen Fuß vor die Bürotür gesetzt, gab es schlagartig nur noch ein Verlangen: Zigaretten. Trotz Nikotinpflaster am Arm, trotz allerbester Vorsätze. Der Gedanke, dass eine Zigarette jetzt das Einzige ist, was meinem Leben jemals wieder einen Sinn geben könnte, war geboren. Und ließ mich nicht mehr los.

Dem Schmachter davongeschwommen

Der Nachmittag war kein Spaß. Meine Laune wechselte im Minutentakt. Mal freute ich mich, dass ich bisher standhaft war, dann wieder große Unruhe, Nervosität, und Konzentrationsschwierigkeiten. In mir brodelte es mächtig, ich schwitzte und wippte ständig mit beiden Beinen. Während einer Besprechung klickte ich so lange mit dem Kugelschreiber, bis mich eine Kollegin mit einem sanften Tritt gegen das Schienbein aus diesem Film befreite.

Am Abend flüchtete ich so schnell wie möglich zum Schwimmen. Seit Anfang des Jahres trainiere ich regelmäßig zwei bis drei Mal in der Woche, schaffe inzwischen 2000 Meter entspannt in einer Dreiviertelstunde. An entspanntes Schwimmen war jedoch nicht zu denken: Ich pflügte durchs Wasser wie Kapitän Ahab auf der Jagd nach dem Weißen Wal. Die ganze aufgestaute Energie musste raus, außerdem war ich im Becken sicher vor den Schmachtattacken.

Die waren sofort nach Verlassen des Schwimmbads aber wieder da. Zum Glück konnte ich schnell einschlafen.

Manchmal wie Geburtstag haben

Insgesamt also ein recht wechselvoller erster Tag ohne Zigaretten. Trotz der Fahrt auf der Gefühlsachterbahn war es zeitweilig wie Geburtstag haben. Ich habe viele liebe Mails von Freunden bekommen, von Kollegen ein paar Schokoriegel und ein nicht weniger nützliches Kartenspiel. Motto: "Alles, was die Nerven sonst noch beruhigt."

Danke für die Kommentare in meinem Blog und unter dem Artikel. Es war viel Zuspruch dabei, der es mir leichter macht durchzuhalten. Außerdem einige interessante Erfahrungen und berührende Geschichten. Selbstverständlich auch vielen Dank denen, die mein baldiges Scheitern prophezeien. Auch Ihr seid mir ein Quell der Motivation. Mal schauen, wie es weitergeht.

Ihre Meinung

Selbstzufriedenheit - oder "Schmacht" auf Kippen - wie haben Sie die ersten rauchfreien Tage erlebt?

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Rauchfreie Zone

Rauchfreie Zone Björn Erichsen, Jahrgang 74, lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Schwerpunkte sind Politik, Kultur, Medien und Sport. Seit neuestem treibt ihn die Frage um, ob man sich nach 120.000 Zigaretten noch einmal Nichtraucher nennen darf.

Von Björn Erichsen
 
 
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