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27. Juni 2006, 07:50 Uhr

Endlich Nichtraucher?

Das Buch hat einen Ruf wie Donnerhall: Willst du mit dem Rauchen aufhören, dann lies "Endlich Nichtraucher!" von Allen Carr. Ich habe es getan und mir tränen immer noch die Augen. Von Björn Erichsen

Zoom

Björn mit Buch: "Nach etwa 50 Seiten tränten mir die Augen"© stern.de

Dieser Beitrag ist für "Schroettel". Und für eine Handvoll weiterer stern.de-User, die mir bienenfleißig immer wieder einen Ratschlag unter das Tagebuch geschrieben haben: Lies endlich "Endlich Nichtraucher!". Jene millionenfach verkaufte Nichtraucher-Bibel von Allen Carr, die nach einem Nachmittag gemütlichen Schmökerns aus einem notorischen Kettenraucher einen lebensbejahenden Nikotinverächter macht. So zumindest der Ruf, der diesem Buch vorauseilt.

Als ich am 1. Mai meine letzte Zigarette geraucht habe, hatte ich einen heftigen Kampf hinter mir. Auf der einen Seite Wunsch und Willen, mit dem Rauchen aufzuhören, auf der anderen Seite fürchterliche Angst, es wirklich und endgültig zu tun. Damals habe ich viel über Nikotinsucht gelesen, auch das viel gepriesene Buch. Und ehrlich gesagt, ich fand es fürchterlich. Bei meiner Entscheidung aufzuhören hat es mir jedenfalls nicht geholfen.

Ständige Wiederholungen, nervtötende Attitüde

"Endlich Nichtraucher!" lebt von seiner radikalen Argumentation: Rauchen bringt absolut nichts, Carr hält alle Raucher für Trottel und schreibt das auch so. Wer raucht, muss absolut verrückt sein. An vielen - zugegebenermaßen recht hübschen -Beispielen wird deutlich, dass er weiß, worüber er schreibt. Inhaltlich ist da aber wenig Neues, er zählt lediglich die bekannten Argumente gegen das Rauchen auf. Und wiederholt diese gebetsmühlenartig. Die ewige Wiederkehr des Immergleichen, Psychodruckbetankung für nikotinschwangere Raucherhirne.

Die ständigen Widerholungen sind lästig, wirklich nervtötend ist aber die Attitüde des Autors. Schon beim ersten Satz der Einführung (Ausgabe 1997) musste ich schlucken. "Ich werde die Raucher dieser Welt heilen", verkündet er kurz und trocken. Ähnlich messianisch geht es weiter: Er sei der erste Mensch auf dem Planeten, der den Mechanismus der Nikotinsucht begriffen hat. Streng mahnt er an, dass man seine "Methode" - die er ständig ankündigt, aber nirgendwo konkret erläutert - exakt zu befolgen habe. Sonst scheitere man. Nach etwa 50 Seiten tränten mir die Augen.

Eher ungläubiges Staunen als Erkenntnis

Der Mann ist auf einer Mission. Dagegen habe ich nichts, vor allem wenn es gegen das Rauchen geht und er dabei so erfolgreich ist. Jedoch frage ich mich, warum derart modernes Gurutum wirklich von jeder Seite triefen muss. Ich misstraue nicht nur von Berufs wegen allzu vollmundigen Versprechungen. Und genau diesen Nerv trifft Carr bei mir. Eher ungläubiges Staunen als Erkenntnis, aktiver Widerstand statt Gefolgschaft.

Bei allem Argwohn, den ich dem Buch gegenüber entwickelt habe und hier loslasse: Ich sehe es pragmatisch. Unzweifelhaft hat Carr viele Anhänger, und auch viele User hier haben sich scheinbar mit dem Buch das Rauchen abgewöhnt - und das ist die Hauptsache. Lieber Schroettel und ihr anderen: Ich weiß, euer Ratschlag ist gut gemeint. Aber man muss sicherlich eine größere Bereitschaft mitbringen als ich, um sich auf Allen Carrs "Methode" einlassen zu können. Doch das wäre mir schwerer gefallen, als auf meine Weise mit dem Rauchen aufzuhören. Rauchfrei seit acht Wochen.

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Bibel oder Blödsinn - wie stehen Sie zu Allan Carrs Buch "Endlich Nichtraucher"?

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Rauchfreie Zone

Rauchfreie Zone Björn Erichsen, Jahrgang 74, lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Schwerpunkte sind Politik, Kultur, Medien und Sport. Seit neuestem treibt ihn die Frage um, ob man sich nach 120.000 Zigaretten noch einmal Nichtraucher nennen darf.

Von Björn Erichsen
KOMMENTARE (7 von 7)
 
Kabanet2209 (28.06.2006, 16:42 Uhr)
Dranbleiben!
Hallo lieber Björn Erichsen, schön dass Sie es schon so lange geschafft haben, dem Glimmstängel abzuschwören. Inzwischen sind Ihnen sicherlich so manche Annehmlichkeiten wie 'wieder Riechen und Schmecken können, nicht nach 10 Stufen außer Atem sein etc.' bewußt geworden. Und das wird immer besser.
Zum Thema Buch als Hilfe: Jeder muss wohl seinen Weg - und seine Misserfolge - bei dem Thema erfahren. Wir (mein Mann und ich, beide je 60-80 Zigaretten täglich) haben es vor 14 Jahren von einem Tag auf den anderen und ohne weitere Hilfsmittel wie Pflaster etc. geschafft und sind auch heute noch froh und stolz darauf. Aber ich würde selbst jetzt nicht mehr 'nur so zum Spass, passiert schon nix' an einer Zigarette ziehen wollen - ganz abgesehen davon, dass mir davon wahrscheinlich grottenschlecht würde.
Ich wünsche weiter gutes Gelingen!
Kabanet2209
Miamai2006 (28.06.2006, 00:22 Uhr)
Ich werde dich im Auge behalten...
Ich bin gerade erst auf diese Seite gestoßen. Seit dem 2.Mai bin ich clean, also ein Tag später, Versuch Nr. 38 oder so. Gestern habe ich in meiner "Nichtmehrrauchenpluszeit" ausgerechnet, dass ich ca. 64.000 € in 20 Jahren verraucht habe (inkl. Zinsen)...
Herr Carr hat mir beim Versuch Nr. 36 auf die Sprünge geholfen (3 Monate und dann darf man doch einmal zeihen). Das Gebetsmühlenhafte habe ich auch so empfunden, aber wem´s hilft... Und habe ich nicht irgendwo gehört, dass Herr Carr wieder angefangen ist zu rauchen?? Aber egal, ICH wills nicht mehr und bin guter Hoffnung, es diesmal zu schaffen.
Masterofdisaster (27.06.2006, 17:14 Uhr)
Ernst nehmen
Wenn man dieses Buch und dessen Inhalt ernst nimmt, nicht gleich die sogenannte unsinnige Psychologie darin vermutet, kann man mit auerhaftem Erfolg dadurch zum (nicht militanten) Nichtracucher werden. Ich persönlich verdanke diesen Zeilen immerhin schon fast 7 1/2 Jahre Rauchfreiheit, vom ersten Moment an ohne jegliche Entzugsprobleme. Habe am Tag minimum 2 Schachteln Gift in mich hineingesaugt. Kann "Endlich Nichtraucher", zumindest als Versuch (ca. 8 Euro) nur wärmstens empfehlen.
Rauchfreie Grüsse Masterofdisaster.
as241096 (27.06.2006, 07:43 Uhr)
Seine Individualität bewahren
Lieber Autor,
natürlich benutzt Allen Carr eine starke pathetische Sprache. Aber das ist auch gewollt so - denn nur durch ständiges Wiederholen - ja fast "sektenmäßiges" Nachbeten seiner Wahrheiten kommt man eben gegen die ständige Unterwanderung durch die Tabakindustrie in Werbung, Film, Fernsehen an. Der Duft von Freiheit den man an jeder Litfasssäule liest und der sich in den Kopf brennt muss durch die ebenso stereotype Aussagen eben wieder aus dem Datenprogramm unseres Gehirns gelöscht werden. Ich habe selber mit Allen Carr aufgehört und ich habe mich als kritischer Mensch schon etwas zwingen müssen hier zu folgen... aber im Grunde wusste ich, dass er recht hat. Sein Buch versucht eben gegen die Gehirnwäsche vorzugehen, die wir schon als Jugendliche im Kinosessel von den Malboro-Reitern verpasst bekommen haben. Also wer noch raucht - versucht es ruhig mit Allen Carr - nicht für alle aber für viele ein guter Weg....
flyte (27.06.2006, 07:33 Uhr)
Mein Rezept...
...einfach aufhören und keine große Sache draus machen. Vermutlich muss jeder seinen Weg finden, aber bei mir klappte das Mittel der Verdrängung am besten - einfach aufhören und sich eine Ersatzbefriedigung wie etwa Sport suchen. Solch ideologisch überladenen Bücher braucht es jedenfalls nicht.
hbusekros (26.06.2006, 22:15 Uhr)
Wozu ein Buch?
Am Samstag habe ich einjähriges. Ganz ohne Buch, da wohl Heute jeder weiss, das Rauchen schädlich ist und eine Sucht. Ich meine es braucht nicht teure Literatur, um vom Rauchen abzukommen, sondern nur einen festen Willen. Ich brauchte eine Packung Nikotinpflaster (habe nur drei davon gebraucht) und sonst nichts. Bis jetzt klappt's, auch wenn alle paar Wochen für ca. fünf Minuten das Bedürfnis auf eine Zigarette (hauptsächlich Abends beim Skat) zurück kommt. Es ist aber wirklich so, wenn man diesen Drang fünf Minuten standhält, ist er wieder weg.
Lieber Björn, ich wünsche Ihnen noch viel Glück und Erfolg mit dem Nichtrauchen. Allen Anderen einen Tip: Von den sogenannten Ratgebern haben nur die Autoren etwas davon, nämlich Ihr Geld.
hunseldunsel (26.06.2006, 18:50 Uhr)
Wenn's hilft...
Mir hat es geholfen (seit 3 Jahren rauchfrei) und ich empfehle das Buch jedem weiter.
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