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17. Juli 2006, 16:00 Uhr

Nur die Ruhe

Stress macht anfällig für Nikotinsucht, das habe ich in den letzten Wochen erlebt. Aber ist das allein schon ein Grund, sich mit Beruhigungsmitteln das Rauchen abzugewöhnen? Von Björn Erichsen

In der Ruhe liegt die Kraft - auch beim Nikotinentzug© Theo Heimann/DDP

In der Ruhe liegt die Kraft. Abgedroschen das Sprüchlein, aber kaum zu widerlegen. Ich habe es in der letzten Woche ruhig angehen lassen, mich etwas geschont. Und siehe da, schon ist der Schmachter, der mich so hartnäckig durch die letzten beiden WM-Wochen begleitet hatte, auf erträgliches Normalmaß zurückgeschrumpft. Ich bin nun wieder ein einigermaßen glücklicher Nicht-Mehr-Raucher.

Also Ruhe. Wie wäre es denn da mit einem Beruhigungsmittel? Das ist zumindest der Ansatz von stern.de-User "beamtentuennes", um den Zigaretten den Garaus zu machen. Sein heißer Tipp unter meinem Blog: Valium. Zehn Milligramm täglich, schon dämmert man sich entspannt über die ersten harten Tage der Entwöhnung. Kein Kampf, keine Entzugserscheinungen, das Schlafwagen-Ticket zur Nichtraucherei.

Kein Schmachter, aber trockener Mund und Schweißausbrüche

Immer mal wieder werden Psychopharmaka als Wundermittelchen gegen den Blauen Dunst angepriesen. Hauke, ein Bekannter von mir, hat mal vor ein paar Jahren "Zyban" ausprobiert, besser bekannt als "Die Raucherpille". Rund neun Wochen dauert die Therapie mit dem Antidepressivum, dessen Wirkstoff Bupropion dafür sorgt, dass einem die Lust auf das Rauchen gründlich vergeht. Einen Schmachter hatte Hauke tatsächlich nicht, dafür einen trockenen Mund, Schweißausbrüche und gelegentliche Übelkeit.

Er setzte das Zeug recht schnell wieder ab, nachdem ihm zu Ohren gekommen war, dass es in England etwa 40 Todesfälle in Folge der Zyban-Einnahme gegeben hatte. Eine derartige Horrorquote hat sich in Deutschland zwar nicht wiederholt, jedoch ist inzwischen auch hier die Dosierung verringert worden, die Einnahme sollte nur unter ärztlicher Betreuung erfolgen. Zyban ist und bleibt aber umstritten, vor allem wegen Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Valium gegen den Schmachter ist wie Kanonen auf Spatzen

Ich persönlich bin medikamentenscheu. Und das soll auch so bleiben. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, einen Tranquilizer zur Lösung meiner Nikotinprobleme zu verwenden. Schon gar nicht Valium in der Selbstmedikation einzunehmen! Der Weg, den User "beamtentuennes" gegangen ist, ist ziemlich riskant. Viel Risiko, nur um die Entzugserscheinungen der ersten rauchfreien Tage zu umgehen. Kanonen und Spatzen fallen mir da ein.

Sicherlich ist es nicht wahrscheinlich, nach der kurzzeitigen Einnahme von Valium direkt süchtig zu werden. Allerdings auch nicht auszuschließen, und zehn Milligramm Valium täglich sind sicher keine geringe Menge. Was ich noch bedenklicher finde: So ein Vorgehen senkt die Hemmschwelle dafür, beim nächsten Lebensproblem wieder auf den chemischen Trostspender zuzugreifen. Gerade im Bezug auf Valium ist ja immer wieder von dem Begriff "Alltagsdoping" zu hören.

Die ersten Tage ohne Zigarette sind heftig, aber sie haben einen Wert an sich: Wer durch die ersten Zeit mit Zittern und Aggression durchkommt, hat etwas geleistet, auf das er stolz sein kann. Und eine Erfahrung gemacht, die man so schnell nicht wiederholen möchte. Das hilft, bei späteren Suchtattacken. Hauke hat es übrigens schlussendlich ganz ohne Hilfsmittel geschafft. Das hat er mit stolz erzählt. Und auch, dass ich es schreiben soll, wenn ich schon von seinem kurzen Zyban-Experiment anfange.

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Rauchfreie Zone

Rauchfreie Zone Björn Erichsen, Jahrgang 74, lebt und arbeitet als Journalist in Hamburg. Schwerpunkte sind Politik, Kultur, Medien und Sport. Seit Mai treibt ihn die Frage um, ob man sich nach 120.000 Zigaretten noch einmal Nichtraucher nennen darf.

Von Björn Erichsen
 
 
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