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News am 27.05.2012
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Zwei Stöcke für ein Halleluja

Nordic Walking ist effektiver als Gehen ohne Stöcke, gelenkschonender als Joggen - und dabei ein fast genauso guter Kalorienkiller.

Erst ein bisschen gehen, dann ein bisschen dehnen. Unter Anleitung trainieren Anfänger und Routiniers© Björn Lux & Frank Wache

Der Mann ist 15 mal Deutscher Meister geworden, hat Bronze bei den Europameisterschaften gewonnen und an Olympischen Spielen teilgenommen. Heute geht der ehemalige Weltklasse-Marathonläufer Herbert Steffny am Stock. Genauer gesagt an zwei Stöcken. Den Sportler plagt kein Gebrechen, das ihm die Gehhilfen aufzwingt, denn der 50-Jährige ist immer noch topfit. Steffny benutzt die Stäbe, um gesund und leistungsfähig zu bleiben: Er schwört neben dem Laufen auf Nordic Walking.

Zunächst begann die Liaison des Laufprofis mit der Trendsportart wie viele langjährige Liebesbeziehungen: Er wollte von ihr nichts wissen. Als der Schwarzwälder vor einigen Jahren in Finnland Nordic Walker durch die Gegend ziehen sah, war er skeptisch. "Ich kannte normales Walken und fragte mich, weshalb man dafür auf einmal Stöcke brauchen sollte", sagt er. Dann nahm er die Stäbe selbst in die Hand. "Innerhalb einer Minute wusste ich: Das ist es."

Heute spricht der Lauflehrer, der auch Bundesaußenminister Joschka Fischer marathonreif trainiert hat, von der "perfekten Ganzkörpersportart für Untrainierte und Cracks, die optimal fit macht und dabei die Gelenke schont". In seiner Schule am Titisee bietet er deshalb neben den klassischen Lauf- und Walking-Seminaren auch Nordic-Walking-Kurse an.

Breitensport aus Finnland

Erfunden wurde die "entschleunigte" Bewegungsart in Finnland. Bereits in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts überbrückten dort Spitzenskilangläufer das Sommerhalbjahr mit Trainingseinheiten am Stock ohne Bretter unter den Füßen. Vor einigen Jahren brachte dann der finnische Hersteller Exel spezielle Walking-Stäbe auf den Markt, und aus dem Leistungstraining entwickelte sich ein entspannter Breitensport. Mittlerweile zählt gut eine Million Finnen zu den Anhängern des "sauvakävely", wie Nordic Walking dort genannt wird, Schüler und Rentner genauso wie Manager und Arbeitslose.

Nordic Walking ist ein fast genauso guter Kalorienkiller wie Joggen© Björn Lux & Frank Wache

Ist Nordic Walking nur ein Sport für Alte, Fußkranke und Weicheier? Keineswegs! Klaus-Michael Braumann, Ärztlicher Leiter des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin an der Universität Hamburg, liefert Argumente, um Zweifler zu überzeugen: "Nordic Walking ist nicht nur eine Mode, sondern eine sinnvolle Belastungsart, von der der Körper extrem profitieren kann." Denn anders als beim Laufen oder Radfahren werden dabei die meisten der rund 700 Muskeln des Körpers beansprucht, aber die Gelenke durch den Stockeinsatz um 30 Prozent entlastet. "Die sanfte Bewegung bewirkt zudem, dass Bänder und Sehnen aufgrund der erhöhten Durchblutung elastischer und belastbarer und die Knochen fester werden", sagt Braumann.

Nordic Walking nützt aber auch dem Herz-Kreislauf-System und der Figur: Beim Gehen gerät der Puls in Schwung, aber nicht in extreme Bereiche. Gleichzeitig verbrennt der Körper trotz der im Vergleich zum Laufen deutlich geringeren Belastung immer noch reichlich Fett: Rund 500 Kilokalorien verbraucht er dabei pro Stunde, 250 mehr als beim normalen Walken, 100 weniger als beim Joggen. Nicht zuletzt streichelt der Sport die Seele: Wer sich regelmäßig in der Natur bewegt, ist ausgeglichener und psychisch belastbarer.

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