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6. Oktober 2008, 15:56 Uhr

Früher belächelt, heute gefeiert

Harald zur Hausen gilt unter Kollegen als Visionär. Noch vor drei Jahrzehnten wurde seine Theorie, dass Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen können, von den meisten Forschern spöttisch belächelt. Die Beharrlicheit, mit der er daran arbeitete, hat sich ausgezahlt.

Harald zur Hausen in seinem Labor in Heidelberg© AP/Thomas Kienzle

Dass er ausgezeichnet werden würde, ahnte zur Hausen vorsichtig voraus: "Ich habe natürlich schon mal gelegentlich dran gedacht, weil ich wusste, dass ich öfter schon vorgeschlagen war. Aber erwartet hab’ ich’s nicht." Was er mit seinem Teil des Preisgeldes machen möchte, wusste der 72-Jährige am Montag noch nicht.

Bewundert wird zur Hausen vor allem für die unerschütterliche Beharrlichkeit, mit der er seine Idee verteidigte. "Zur Hausen hat zu früheren Zeiten mit seinem Ansatz sehr kontrovers dagestanden und musste manches Gelächter einstecken. Er hat sich gegen alle Widerstände durchgekämpft", sagt die Berliner Aidsforscherin Karin Mölling vom Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik. Die Zuerkennung des Medizin-Nobelpreises sei hochverdient, betonte Hillemanns: "Das ist phänomenal, die Würdigung einer unglaublichen Leistung."

"Die Fähigkeit, gute Leute um sich zu scharen

Harald zur Hausen wurde am 11. März 1936 in Gelsenkirchen geboren. Er studierte in Bonn, Hamburg und Düsseldorf Medizin und arbeitete nach seiner Habilitation 1960 am Institut für Mikrobiologie der Universität Düsseldorf. Es folgten Einsätze am virologischen Institut der Kinderklinik in Philadelphia (US-Staat Pennsylvania) und am virologischen Institut der Universität Würzburg. Von 1983 bis zu seiner Emeritierung im März 2003 war er Vorsitzender und Wissenschaftliches Mitglied des Stiftungsvorstands des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) in Heidelberg. Er hatte großen Anteil daran, dass das DKFZ mittlerweile zu den weltweit führenden Instituten der Krebsforschung zählt. Seit 2003 ist zur Hausen Vizepräsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle.

Von Vorteil sei während seiner wissenschaftlichen Laufbahn stets gewesen, dass zur Hausen die Fähigkeit habe, sehr gute Leute um sich zu scharen und sich entwickeln zu lassen, sagt Hillemanns. Er verfüge deshalb über eine sehr gut harmonierende Arbeitsgruppe. Ihnen galt am Montag auch der Dank zur Hausens: "Ich freue mich natürlich auch für meine Mitarbeiter, die ja alle in einem sehr großen Umfang mit dazu beigetragen haben."

Der mit der aus Südafrika stammenden Virusforscherin Ethel-Michele de Villiers verheiratete Mediziner ist seit einigen Jahren Chefredakteur des "International Journal of Cancer". Dieses Fachblatt habe er zur renommiertesten Krebszeitschrift der Welt gemacht, sagt Reinhard Kurth, bis Ende 2007 Leiter des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin. Zudem schreibe er Bücher - und das nicht nur über Krebsviren. 2007 erschien "Genom und Glaube: Der unsichtbare Käfig", in dem sich zur Hausen unter anderem mit den ethischen Grenzen der Gentechnik beschäftigt.

Ein Leben, der Wissenschaft verschrieben

Ein Anliegen des 72-Jährigen ist es, sich für einen günstigeren Impfstoff gegen die Humanen Papillomviren (HPV) einzusetzen, die Gebärmutterhalskrebs auslösen. Es stehe "ungleich Wichtigeres" auf dem Spiel als finanzielle Interessen, betont er. Für die Menschen in Entwicklungsländern sei das Mittel derzeit noch unerschwinglich.

Viel Zeit für Privates lässt sich zur Hausen nach wie vor nicht. "Er hat sein Leben der Wissenschaft verschrieben", sagt Kurth. Begeistern könne er sich für Pflanzen. "Er gärtnert sehr gern und hat einen fantastischen Wintergarten am Haus."

Für seine Leistungen wurde Harald zur Hausen schon vor der Zuerkennung des Medizin-Nobelpreises 2008 mit vielen Auszeichnungen bedacht. Unter anderem erhielt er den Robert-Koch-Preis (1975), den Paul-Ehrlich- und Ludwig-Darmstaedter-Preis (1994), den Ernst-Jung- Preis (1996), den Charles Rodolphe Brupbacher-Preis (1999) sowie den Raymond Bourgine Award (2006). Dem Forscher wurden zudem mehrere Ehrendoktor-Würden und im April 2004 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.

Annett Klimpel/DPA
 
 
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