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8. Dezember 2008, 15:46 Uhr

Leben mit der Unsicherheit

Kaum eine Erkrankung bereitet Männern größere Angst als Prostatakrebs: Jährlich erfahren 60.000 Männer in Deutschland, dass sie daran leiden, mehr als 10.000 im Jahr sterben daran. Nur der so genannte PSA-Test kann den Tumor im Frühstadium aufspüren. Doch der Check birgt auch Unsicherheiten. Von Nicole Heißmann

Veränderung im Verborgenen: Prostata-Krebs ist der häufigste bösartige Tumor beim Mann© Picture-Alliance

Das Karzinom der Vorsteherdrüse ist die häufigste bösartige Geschwulst beim Mann. Im Schnitt wird sie um dem 70. Geburtstag herum entdeckt, manche Männer erkranken auch in einem Alter unter 50 Jahren. Besonders groß ist das Risiko, wenn nahe Verwandte wie Vater oder Bruder bereits an Prostatakrebs leiden.

Ungeklärt ist, ob der Lebensstil das Tumorwachstum beeinflusst: Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel scheinen den Tumor zwar eher zu fördern, fettarmes Essen und Ballaststoffe hingegen sollen ihm eher entgegenwirken. Doch eine gezielte Vorbeugung ist laut Robert-Koch-Institut "gegenwärtig nicht möglich". Das Gemeine dabei: Der Patient bemerkt anfangs wenig von dem Karzinom. Schmerzen treten meist erst auf, wenn in Nachbargeweben Tochtergeschwüre wuchern - für eine Therapie ist es dann reichlich spät.

Unsicherheiten bleiben

Wer Gewissheit braucht, kann einen PSA-Test durchführen lassen. Dieser Blut-Check ist als einziges Verfahren in der Lage, Tumoren im Frühstadium zu entdecken. Allerdings sollten Betroffene wissen, dass dieser Test mit einigen Unsicherheiten verbunden ist.

Männer ab 50, bei familiärem Risiko ab 45 Jahren, bekommen in Praxen zwei Untersuchungen angeboten: das Abtasten der Prostata und der PSA-Test. Beim Abtasten sucht der Arzt mit dem Finger vom Enddarm aus nach Knoten im Drüsengewebe. Hierfür übernehmen die Kassen die Kosten.

Bei einem PSA-Test wird im Blut der Wert des prostataspezifischen Antigens PSA bestimmt. Dieses Eiweiß wird in der Prostata produziert und macht den männlichen Samen fließfähiger. Etwas PSA tritt immer ins Blut über und kann dort nachgewiesen werden - je höher der Wert, desto größer das Krebsrisiko. Für eine endgültige Diagnose muss noch eine Biopsie erfolgen, bei der der Arzt Gewebeproben der Prostata entnimmt. Finden sich darin Tumorzellen, muss der Arzt klären, ob die Drüse entfernt oder bestrahlt wird, und ob der Krebs womöglich benachbarte Organe befallen hat. Ein erhöhter PSA-Wert hat demnach Konsequenzen. Selbst wenn ein Patient mit dem behandelnden Arzt entscheidet, mit weiteren Schritten zu warten, lebt er in Unsicherheit. Wie gut er das verträgt, ist eine Frage des Naturells.

Unzuverlässige Ergebnisse

Gleichzeitig ist der Bluttest längst nicht so zuverlässig, wie man es gern hätte: Oft schlägt er Alarm, ohne dass ein Tumor vorliegt. Der erste Test sagt auch nichts darüber aus, ob ein Karzinom aggressiv wächst und wie dringend es entfernt werden muss. Das stürze den Patienten in ein Dilemma, sagt Kai Kolpatzik, Arzt beim AOK-Bundesverband: "Auf der einen Seite brauchen Männer Gewissheit, ob sie Krebs haben. Auf der anderen Seite will niemand eine überflüssige Biopsie, OP oder Bestrahlung über sich ergehen lassen."

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten (zwischen 20 und 100 Euro mit Beratung) für den Test nur bei konkretem Krebsverdacht, etwa bei Blut im Urin. Denn bislang fehlen wissenschaftliche Daten darüber, ob ein PSA-Test das Leben von Männern verlängern kann. So werden in Deutschland seit 1990 immer häufiger Tumoren in der Prostata entdeckt - vor allem wohl, weil inzwischen mehr Männer einen PSA-Test durchführen lassen. Doch diese Patienten sterben heute ähnlich früh oder spät wie vor 1990 - ein aus Sicht der Kassen zu geringer Nutzen, um die Untersuchung in jedem Fall zu finanzieren. Zurzeit laufen zwei große Studien in Europa und den USA, um zu klären, ob ein Test das Leben verlängern kann oder nicht.

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