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12. November 2008, 22:15 Uhr

Die schleichende Gefahr

Bluthochdruck

Jeder zweite Bundesbürger über 35 Jahre ist betroffen: Bluthochdruck. Schlaganfall oder Herzinfarkt können die Folge sein. Ein verstecktes Risiko, denn viele Menschen kennen ihre Werte nicht. Hier erfahren Sie die wichtigsten Fakten zum Thema.

Live im Studio: Prof. Dietrich Grönemeyer© dpa/ picture-alliance

"Unzählige Menschen leiden an vermeidbaren Erkrankungen," sagt Prof. Dietrich Grönemeyer. Der Mediziner will mit seinem neuen "Hausbuch der Gesundheit" dafür sorgen, dass die Patienten ihren Körper besser verstehen - und damit auch die Ärzte. Grönemeyer ist live zum Interview und zum Blutdruck-Check im stern TV-Studio.

Wodurch wird Bluthochdruck begünstigt, wie wird er behandelt, und welche Schäden könnten entstehen? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Bluthochdruck können Sie in der linken Spalte nachlesen.

Wann ist der Blutdruck zu hoch?

Wenn der Blutdruck gemessen wird, unterscheidet man zwischen dem systolischen und dem diastolischen Wert. Der systolische Wert misst den höchsten Druck, wenn sich das Herz zusammen zieht und Blut in die Gefäße pumpt, während der diastolische Wert den niedrigsten Punkt ermittelt, wenn der Herzmuskel erschlafft ist und sich mit Blut füllt. Ein optimaler bzw. normaler Blutdruck liegt laut Weltgesundheitsorganisation zwischen 120-130 (systolisch) zu 80-85 (diastolisch).

Bei folgenden Werten wird der Blutdruck als "hoch" eingestuft:
- Schweregrad 1 (leichter Hochdruck): 140-159 zu 90-99
- Schweregrad 2 (mittelschwerer Hochdruck): 160-179 zu 100-109
- Schweregrad 3 (schwerer Hochdruck): über 180 zu über 110
- Wenn die Blutdruckwerte über 200 zu 130 steigen, sprechen Mediziner von einem "hypertensiven Notfall". Die Symptome (Schwindel, Lähmungserscheinungen, Seh- und Bewusstseinsstörungen) ähneln denen eines Schlaganfalls. In einem solchen Fall sollte man unbedingt den Notarzt rufen, der dann eine Notfalltherapie einleitet und den Patienten in die nächste Klinik einweist.

Was sind die Ursachen?

Eine Hypertonie - das ist der medizinische Begriff für Bluthochdruck - kann verschiedene Ursachen haben. Auch wenn genetische Faktoren eine Rolle spielen können, sind vor allem übergewichtige Menschen von Bluthochdruck betroffen, da durch das erhöhte Blutvolumen im Körper auch der Blutdruck steigen kann. Gerade Menschen mit Bauchfettleibigkeit tragen ein erhöhtes Risiko mit sich herum: Der Bauchumfang bei Männern sollte maximal 102, bei Frauen 88 Zentimeter betragen.

Auch regelmäßiger Alkohol- und Zigarettenkonsum steigert das Risiko. Schon geringe Mengen an Alkohol erhöhen den Blutdruck - durch Alkoholkonsum steigt nämlich die Herzfrequenz, was sich auch auf den Blutdruck auswirkt. Nikotin steigert den Blutdruck ebenfalls, wenn auch kurzfristig, und gefährdet darüber hinaus generell das Herzkreislauf-System.

Menschen, die unter belastendem Stress leiden, neigen ebenfalls zu einem erhöhten Blutdruck: Die Stresshormone bewirken nämlich, dass sich die Muskulatur der Blutgefäße zusammenzieht. Auch Kochsalz kann, zumindest bei Bluthochdruckpatienten, den Blutdruck zusätzlich steigern.

Warum ist Bluthochdruck gefährlich?

Bluthochdruck sollte möglichst früh behandelt werden, da er das Risiko auf einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt stark erhöht (Bluthochdruck gilt sogar als einer der zwei Hauptrisikofaktoren für Herzinfarkt!).

Wenn eine Hypertonie über Jahre hinweg unbehandelt bleibt, kann sie außerdem zu Schädigungen der Blutgefäße, Nierenleiden, Sehstörungen oder Sensibilitätsstörungen der Haut führen.

Gegenmaßnahmen und Vorbeugung

Es gibt eine Reihe von Gegenmaßnahmen, die man im Falle einer Hypertonie ergreifen kann. Vor allem wird eine Ernährungsumstellung empfohlen: Man sollte seinen Kochsalzverbrauch senken und sich fett- und kohlehydratarm ernähren. Viel Obst und Gemüse können den Blutdruck senken. Dazu sollte man Alkohol und Zigaretten dringend vermeiden.

Da häufig Übergewichtige von zu hohem Blutdruck betroffen sind, raten Kardiologen außerdem zu regelmäßiger Bewegung und Gewichtsabnahme. Studien haben nämlich gezeigt, dass selbst untrainierte Menschen mit Hypertonie ihren Bluthochdruck mit 15 Minuten Ausdauersport senken können. Zudem sollte man versuchen, privaten und beruflichen Stress möglichst zu vermeiden bzw. zu reduzieren und sich Erholungspausen gönnen.

Mit Sport, wenig Nikotin und Alkohol, gesunder Ernährung und bewussten Ruhepausen kann man einer Hypertonie also gezielt vorbeugen und den Blutdruck nachhaltig senken.

Wie wird Hypertonie behandelt?

Liegt ein leicht überhöhter Blutdruck vor, rät der Arzt zunächst dazu, die Lebensgewohnheiten umzustellen. Sinkt der Blutdruck dann trotzdem nicht, werden zusätzlich Medikamente verordnet - welche verschrieben werden, ist aber vom Einzelfall abhängig.

Es gibt drei verschiedene Therapieformen: Bei der Stufentherapie wird der Blutdruck mit einem Medikament gesenkt. Sollte das keine Wirkung zeigen, kommt ein weiteres hinzu. Bei der Kombinationstherapie werden mehrere niedrig dosierte Kombinantionpräparate eingesetzt. Und im Rahmen der sequenziellen Monotherapie wird bloß ein Präparat verordnet, das aber unter Umständen so oft ausgetauscht wird, bis der Blutdruck nachhaltig gesunken ist.

Auf keinen Fall sollte man die Medikamente eigenhändig absetzen. In dem Fall, dass Nebenwirkungen auftauchen, sollte man stattdessen den Arzt um Rat fragen. Nebenwirkungen treten jedoch eher selten auf. Manchmal kann es zu einem Leistungsnachlass, Schwindel oder Müdigkeit kommen, weil sich der Körper erst wieder an den niedrigeren Blutdruck gewöhnen muss. Allerdings pendelt sich das in der Regel nach ein paar Wochen ein.

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