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1. April 2009, 14:54 Uhr

Paracetamol nur noch auf Rezept

Seit dem 1. April fallen größere Packungen des Schmerzmittels Paracetamol unter die Verschreibungspflicht. Eine zu hohe Dosis des Medikaments kann die Leber schädigen. Auch Johanniskraut-Präparate gegen mittelschwere Depressionen gibt es nur noch auf Rezept.

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Größere Packungen Paracetamol gibt es zukünftig nur noch auf Rezept© Colourbox

Ab dem 1. April 2009 gibt es Packungen des Schmerzmittels Paracetamol, in denen insgesamt mehr als zehn Gramm des Wirkstoffs enthalten sind, nur noch auf Rezept. Packungen mit bis zu 20 Tabletten mit je 500 Milligramm bleiben freiverkäuflich. Wichtigster Grund für die Änderung: Größere Mengen des Medikaments können die Leber akut schwer schädigen; dies kann sogar zum Tod führen. Daten der Giftnotruf-Zentralen bestätigen: Wenn es um akute Vergiftungen durch Medikamente geht, ist meist eine zu hohe Dosis Paracetamol der Auslöser.

Paracetamol: Nicht länger als drei Tage einnehmen

Paracetamol ist bei gelegentlichen Spannungs-Kopfschmerzen sowie bei leichter Migräne eine Alternative zur Acetylsalicylsäure (ASS). Die Tagesdosis für Erwachsene liegt bei 500 Milligramm bis ein Gramm, höchstens aber vier Gramm, bei Spannungs-Kopfschmerzen sollten nicht mehr als 1,5 Gramm pro Tag genommen werden. Ärzte empfehlen, Paracetamol nicht länger als drei Tage einzunehmen und diese Höchstdosen einzuhalten.

Professor Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel, der den stern.de-Ratgeber Kopfschmerz betreut, betont, dass man Schmerzmittel in hohen Dosen nie ohne ärztliche Diagnose nehmen sollte. "Wer zum Beispiel häufiger als an zehn Tagen im Monat ein Schmerzmittel gegen Kopfschmerzen benötigt, sollte unbedingt beim Arzt abklären lassen, was die Schmerzen verursacht." Den Beschluss hält er allerdings für "Aktionismus". "Paracetamol ist in normaler Dosierung ein sehr gut verträgliches Schmerzmittel, das jetzt in eine fragwürdige Diskussion hineingerät." Und wer sich größere Mengen Paracetamol besorgen wolle, könne das noch immer tun.

Johanniskraut: Guter Ruf als "Naturprodukt"

Ebenfalls zum 1. April werden einige Johanniskraut-Präparate verschreibungspflichtig, die zur Behandlung mittelschwerer Depressionen eingesetzt werden. Bislang waren diese hoch dosierten Mittel zwar nur in der Apotheke erhältlich, jedoch ohne Rezept. Die in Drogerien erhältlichen Präparate sind in der Regel deutlich niedriger dosiert und werden daher bei Depressionen sowieso nicht empfohlen.

Ulrich Hegerl von der Uniklinik Leipzig, Sprecher des Kompetenznetzes Depression begrüßt die Änderung: "Da Depression oft auch eine lebensgefährliche Erkrankung ist, sollte sie ebenso wenig in Eigenregie behandelt werden wie ein entzündeter Blinddarm." Johanniskraut-Präparate in hoher Dosierung wirken ähnlich wie synthetische Antidepressiva: Sie greifen ebenfalls in das chemische Gleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn ein. "Johanniskraut-Präparate haben einen guten Ruf als 'Naturprodukt' und sind auch gut verträglich", sagt Hegerl. Allerdings kann es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen - auch daher sei die Verschreibungspflicht sinnvoll.

Nina Bublitz
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
Sempralon (02.04.2009, 11:50 Uhr)
Gesundheitsreform 2
@RosaRoth
Ist ja der ganze Sinn der Gesundheitsreformen, weniger Aufenthalt in der Klinik (Leistungen werden gekürzt), dafür aber für dieses und jedes die richtig teure Pille !
Die Parmaindustrie freut es und die Politiker in den Vorständen später auch ...
Noch Fragen wie und wohin der Hase läuft ?
Nicht umsonst werden die Behandlungszeiten der Ärzte rigoros über das Punktesystem bis aufs Pille verschreiben reduziert !
Behandeln bringt mehr Profit als Heilen und wenn es um Profit geht, ist eine Heilung eben nicht erwünscht.
Sempralon (02.04.2009, 11:31 Uhr)
Gesundheitsreform !
Es soll langsam aber sicher wiedereinmal ein wirksames, Preisgünstiges, freiverkäufliches Medikament vom Markt genommen werden ...
Damit ein "neues" chemisch leicht verändertes aber wesentlich teureres Medikament am Markt etabliert werden kann !
Ist nur der erste Schritt ... um Paracetamol vom freien Markt zu bekommen !
DerDa (02.04.2009, 11:30 Uhr)
Hui
Was ist denn mit Aspirin, das ist doch schlimmer als Paracetamol, gut ist ibuprofen.-
Johaniskraut naja es heißt ja auch Teufelskraut, wenn dem so ist, dann sollte auch das Gewürz Dill beschränkt werden, das es als kiffer ersatz herhatlen kann, abgesehn auf die Kopfschmerzen danach.
NewWorld (02.04.2009, 10:25 Uhr)
Das ist nichts...
...weiter als dumme Panikmache. So ziemlich jedes Medikament ist in der Überdosis schädlich oder gar tötlich. Dann müßte man konsequent auch Nasensprays verbieten, die können bekanntlich sogar süchtig machen.
Mein Buchtipp: "Die Panikmacher" von Krämer/Mackenthum. Kommt auch die Paracetamol-Panik drin vor.
Titania (02.04.2009, 09:07 Uhr)
Mal Gehirn anschalten...
Gestern kam ein Bericht zu diesem Thema im Fernsehen, der wohl demonstrieren sollte, wie unglaublich gefährlich Paracetamol ist. Da wurde ein junger Mann interviewt, der nach einer Wurzelbehandlung über den Tag verteilt 28 Paracetamol - Tabletten genommen hatte, und dann hat die Leber ihren Dienst quittiert - ach was!!?! In der Packungsbeilage stand bestimmt nicht, daß mal beliebig viele Tabletten nehmen kann, und selbst wenn man die nicht gelesen hat, sagt einem doch der gesunde Menschenverstand, daß 28 Stück vielleicht ein bissel viel ist... Der Kommentar des Paracetamol - Opfers spricht aber für sich: "Ich hab da überhaupt nicht drüber nachgedacht!". Tja, wenn man mal so gar nicht drüber nachdenkt, was man mit sich und seinem Leben anstellt, kann's halt auch schnell mal vorbei sein. Ein weiterer Anwärter für den Darwin - Award.
flobec (02.04.2009, 08:05 Uhr)
"Gefährliche Medikamente"?
...an diesem Kommentar sieht man, zu welchen Diskussionen dieser Schwachsinn nun führen wird.
Kopfschüttel..
RosaRoth (02.04.2009, 07:38 Uhr)
Gefährliche Medikamente
Es wäre ratsamer andere Schmerzmittel ganz von der Liste zu streichen, weil sie nicht nur in hohen Dosen die Leber angreifen. In anderen Länder gibt es bereits Verbotslisten.
In Deutschland werden dagegen diese "Medikamente" hemmungslos verschrieben und in Kliniken verabreicht.
Paracetamol ist das verträglichste unter ihnen - da stellt sich doch die Frage warum Thomaperin nicht schon längst rezeptpflichtig ist???
Hier steckt wohl eine andere Lobby dahinter?
Maxi456 (01.04.2009, 22:24 Uhr)
Johanniskraut
Ist halt nicht patentierbar also muss man es verbieten damit es nach langen tests wieder verkauft werden kann.... zu einem entsprechenden Preis natürlich
tweeny (01.04.2009, 20:03 Uhr)
RE:tja
kein Aprilscherz!
HHS81 (01.04.2009, 18:40 Uhr)
Kein Aprilscherz...
...wurde schon öfters überlegt, und jetzt in die Tat umgesetzt. Wer sich umbringen will, wird dies auch schaffen, aber es geht um die versehentliche zu hohe Einnahme, und das kommt verdammt oft vor!
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