Wie schützt sich Deutschland vor der Schweinegrippe? Experten haben einen nationalen Pandemieplan entwickelt - doch es gibt eine gefährliche Schwachstelle. stern.de erklärt, mit wie vielen Toten die Behörden rechnen und welche Menschen bevorzugt behandelt werden. Von Sönke Wiese

Arbeit im Hochsicherheitslabor: Wie gut ist Deutschland auf die Schweinegrippe vorbereitet?© Bernd Kammerer/AP
Schon lange sind sich Experten sicher: Eine weltweite Pandemie eines mutierten Influenza-Virus ist nur eine Frage der Zeit. So rief die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 1999 alle Staaten dazu auf, Krisenpläne für diesen Fall zu entwickeln und zentrale Fragen zu beantworten: Wo lagern die Impfstoffe? Welche Bevölkerungsgruppen werden als erste behandelt? Wann gibt es Reiseverbote?
Trotz der WHO-Empfehlung ließ sich Deutschland lange Zeit: Erst 2005 war der nationale Notfallplan fertig, den das Robert-Koch-Institut entwickelt hat - offenbar gerade noch rechtzeitig, wie sich jetzt zeigt. Doch das System hat eine entscheidende Schwachstelle: Zuständig ist prinzipiell gar nicht der Bund, der Bereich Gesundheit ist Ländersache. So haben die Bundesländer eigene Krisenpläne erarbeitet. Und die haben so unterschiedliche Vorsorge-Maßnahmen getroffen, dass unklar ist, ob die Koordination im Krisenfall klappt.
Beispielsweise hält Nordrhein-Westfalen nach eigenen Angaben antivirale Medikamente für 30 Prozent seiner Bevölkerung bereit - Mecklenburg-Vorpommern jedoch nur für rund 11 Prozent. Unklar ist, ob bei Engpässen das eine Bundesland dem anderen aushelfen wird - die gesetzlichen Vorgaben sind vage. Vorgesehen sind nach dem nationalen Krisenplan Mittel für 20 Prozent der Menschen.
Auch bei medizinischem Gerät, Fachpersonal und Notbetten in Krankenhäusern sind die Bundesländer unterschiedlich gut vorbereitet. Wer soll wem im akuten Notfall aushelfen? Ist auf die Angaben über verfügbare Ressourcen Verlass? Ebenso können die kommunalen Behörden entscheiden, wann sie verstärkte Kontrollen beispielsweise an Flughäfen durchführen. Aber die Anordnung für erhöhte Wachsamkeit am Airport Köln/Bonn nützt wenig, wenn die Frankfurter Kollegen nicht ebenso aufmerksam sind - im Zweifel dringt das Virus über Hessen in Deutschland ein.
Experten mahnen eine Vereinheitlichung der Pläne und nationale Koordination an. Denn eines ist klar: Die Schweingrippe wird keine Rücksicht auf das föderalistische System Deutschlands nehmen.

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