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27. April 2009, 18:16 Uhr

So gefährdet ist Deutschland

Die ersten Verdachtsfälle in Bielefeld haben sich als unbegründet erwiesen - aber Experten zufolge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Schweinegrippe-Virus auch in Deutschland ankommt. Wie gefährlich die Krankheit hierzulande ist, sagt Michael Pfleiderer, Virologe am Paul-Ehrlich-Institut im Gespräch mit stern.de.

Schweinegrippe, Virus, H1N1-Virus, Influenza, Paul-Ehrlich-Institut

Zu Forschungszwecken wurde das Virus der Spanischen Grippe von 1918 nachgezüchtet. Bei der Schweingrippe handelt es sich um denselben Virussubtyp© Dr. Terrence Tumpey/Centers for Disease Control and Prevention/DPA

Herr Pfleiderer, wie gefährlich ist das Schweinegrippe-Virus?

Das kann man im Moment nicht eindeutig sagen, da wir widersprüchliche Mitteilungen haben. Zum einen gibt es die Todesfälle in Mexiko, die wir im Moment noch nicht eindeutig dem Virus zuordnen können. Zum anderen sehen wir, dass die Infektionen, die zum Beispiel in den USA aufgetreten sind, relativ mild verlaufen. Daher spricht vieles dafür, dass sich das Virus der Schweinegrippe abschwächt, wenn es eine Infektkette von Mensch zu Mensch aufbaut. Oder wir haben es in Mexiko mit zwei verschiedenen Ursachen zu tun. Letztendlich stellt sich die Bedrohungslage bis jetzt aber doch nicht so schlimm dar, wie zu Beginn angenommen. Das neue Virus ist in seiner Virulenz nicht schlimmer als die bereits zirkulierenden humanen Influenzaviren. Im Moment kann man daher nicht von einem massiven gesundheitlichen Großschadensfall sprechen.

Wie wahrscheinlich ist der Ausbruch einer Pandemie?

Das kann zurzeit niemand beurteilen. Die Ausbreitung erfolgt allerdings bis jetzt relativ langsam. Es ist aber noch zu früh, um hier endgültige Aussagen zu machen. Vielleicht braucht dieses Virus noch Zeit, um sich anzupassen. Vielleicht verschwindet es aber auch wieder. Alle Optionen sind zurzeit noch offen.

Es gibt nun auch die ersten bestätigten Fälle in Europa. Ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis das Virus auch in Deutschland angekommen ist?

Wir sollten damit rechnen, dass das Virus auch in Deutschland auftaucht - zu jeder Zeit, zu jeder Stunde. Das ist sehr wahrscheinlich.

Einen Impfstoff gibt es noch nicht. Wie schnell könnte ein solcher gefunden und hergestellt werden?

Wir haben kein Problem, geeignete Impfstoffe herzustellen. Man kann einen Impfstoff auf der Basis des Schweingrippe-Virus ähnlich wie die saisonalen Grippeimpfstoffe produzieren. Das ist dasselbe, wie wenn man einen neuen Stamm in die jährliche saisonale Impfstoffproduktion einsetzt. Das haben wir geübt, als ein erneuter Ausbruch der Vogelgrippe noch als wahrscheinlichtes Szenario galt. Wir wissen also genau, wie solche Impfstoffe aufgebaut sein sollen, wie man sie herstellt und wie man sie anwendet. Das große Problem ist allerdings, die Herstellung von saisonal auf pandemisch umzustellen. Im Moment produzieren alle Hersteller weltweit den Impfstoff für den nächsten Winter 2009/2010. Irgendwann muss man nun entscheiden, was man macht: Fährt man die Produktion weiter, oder stellt man die Produktion auf den neuen H1N1-Stamm um. Die Datenlage reicht allerdings bis jetzt noch nicht aus, um eine solche Entscheidung zu treffen. Wir brauchen noch mehr Zeit, um sicherzugehen, dass sich das neue Virus wirklich durchsetzt. Sonst stellen sie die Produktion für ein Virus um, dass es dann doch nicht schafft und opfern damit den saisonalen Impfstoff, der ja auch noch gebraucht wird.

Wie lange würde es dauern, bis die Impfstoffe zur Verfügung stünden?

Bis zu drei Monate würde es dauern, bis die ersten Impfstoffdosen zur Verfügung stünden. Das haben wir aber auch gewusst und daher Vorsorge mit den antiviralen Medikamenten betrieben, um diese Lücke zu überbrücken. Daher haben die Länder Neuraminidase-Hemmer eingekauft.

Zu den Neuraminidase-Hemmern zählen Tamiflu und Relenza. Sind davon genug Dosen vorhanden?

Das ist relativ. Wenn die pandemische Welle massiv ist, wird es nicht ausreichen. Aber wir haben uns an den vergangenen Pandemien orientiert und geschaut, wie viele Menschen infiziert wurden. Für eine gewisse Zeit reicht das dann sicher auch. Wobei diese Arzneimittel nur zur Therapie eingesetzt werden, nicht prophylaktisch. Alles andere wäre nicht finanzierbar.

Gibt es eine Erklärung, warum der Erreger vor allem junge, gesunde Erwachsene trifft und nicht wie bei anderen Epidemien überwiegend Kleinkinder und ältere Menschen, deren Immunsystem eigentlich schwächer ist?

Da kann man nur vorsichtig mutmaßen. Es könnte mit der noch vorhandenen Restimmunität zusammenhängen. H1N1 ist kein unbekannter Subtyp des Influenza-A-Virus. Er zirkuliert seit vielen Jahren im Menschen und ist regelmäßiger Bestandteil der Impfstoffe, die wir verwenden. Es könnte also sein, dass bei älteren Menschen und Kindern eine qualitativ und quantitativ ausreichende Restimmunität besteht. Über den jahrelangen Kontakt zu dem Antigen durch die Impfung oder über natürliche Infektionen kann eine solche Grundimmunität erworben werden. Ähnliches haben wir auch bei H5N1 beobachtet, bei dem ältere Menschen ebenfalls besser auf einen Impfstoff reagiert haben. Ob es tatsächlich mit der Restimmunität zusammenhängt, wird allerdings gerade untersucht.

Gibt es bestimmte zeitliche Abstände, in denen man mit Pandemien rechnen muss?

Wenn man ins vergangene Jahrhundert schaut, könnte man sagen, dass ungefähr alle dreißig Jahre eine Pandemie ausbricht. Das muss aber nicht sein. Die Natur braucht offenbar sehr viel Zeit und muss viel ausprobieren, um zu einem neuen Influenza-Virus zu kommen, das dem Menschen gefährlich werden kann.

Im Moment gibt es vom Auswärtigen Amt noch keine Reisewarnung für Mexiko. Ist das nachzuvollziehen?

Ich denke schon. Die wenigsten Länder weltweit haben bis jetzt Reisewarnungen herausgegeben. Auch beim Auswärtigen Amt beobachtet man noch. Sollte eine pandemische Situation eintreten, werden Auswärtiges Amt und Robert-Koch-Institut sicher überlegen, ob man eine Reisewarnung ausspricht.

Wie kann ich mich vor dem Virus schützen?

Große Menschenansammlungen sollte man vermeiden. Einen Mundschutz zu tragen, ist eine Möglichkeit, allerdings können die Schleimhäute darüber nicht hundertprozentig geschützt werden. Insgesamt ist es über Hygienemaßnahmen wie Händewaschen ohnehin nur möglich, das Risiko zu minimieren.

Ist mit der Schweinegrippe eine neue globale Seuche am Horizont aufgetaucht?

Die WHO spricht davon, dass ein gewisses pandemisches Potential besteht. Das kann man so unterschreiben. Ob es sich zu einer massenweisen Seuche ausbreitet, ist zurzeit noch nicht zu sagen. Wir befinden uns noch in einer frühen Entwicklungsphase dieser möglichen Pandemie. Bevor wirklich eine Entwarnung gegeben werden kann, können daher Monate vergehen.

Interview: Lea Wolz
 
 
KOMMENTARE (8 von 8)
 
phpeter (28.04.2009, 11:49 Uhr)
Bielefeld gibts doch garnicht.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bielefeldverschwörung
jomimo (27.04.2009, 20:59 Uhr)
Glückwunsch an Schreiber .....
welche weltweit sich sorgten um ihr Salär. Nun ist es halbwegs gesichert.
. Wieder eine SEUCHE gefunden !
. Endlich was zu schreiben !
. Endlich etwas, für das die Pharmaindustrie bezahlen wird.
whismerh2 (27.04.2009, 20:18 Uhr)
@terrax
Wage These mein Freund.
Ich halte die mometane Berichtserstattung für sehr weit hergeholt, keiner von denen, Dir angesprochenen Kollegen will und kann das riskieren , zu heiß das Eisen.
Ich warte erst mal ab.
manta (27.04.2009, 19:31 Uhr)
Noch ganz normal ?!
Da kann man nur vorsichtig mutmaßen...
Das ist relativ.....
Das kann man im Moment nicht eindeutig sagen......
Das kann zurzeit niemand beurteilen...
....da wir widersprüchliche Mitteilungen haben.
Alle Optionen sind zurzeit noch offen....
Wir sollten damit rechnen.....
Sagt mal liebe Redaktion, was wisst ihr denn überhaupt ? Hauptsache wieder irgendeine dumme Meldung rausgehauen um die Bevölkerung (die sich selbst keien Meinung bilden kann) verrückt zu machen
Das ist nurnoch krank und um einiges schlimmer als dieser popelige Virus
Gruß, Simon
Sebi89 (27.04.2009, 19:31 Uhr)
Grippeviren
@ terrax
Beim Grippevirus gibt es in der Unterkategorie A/H1N1 viele verschiedene Varianten. Die meisten davon lösen nur eine gewöhnliche Grippe aus. Die Spanische Grippe war in der Tat eine Variante des A/H1N1 -Virus, die mit dem aktuellen Ausbruch aber nichts zu tun hat.
@ det_lef
Grippeviren mutieren sehr stark, weswegen man sich auch jedes Jahr neu gegen die aktuellen Grippeviren impfen muss, und manchmal ist halt ein Killer dabei. Dafür braucht es kein Biowaffenlabor. Des weiteren würde eine, durch Biowaffen ausgelöste, weltweite Pandemie auch das Land treffen, das den Virus erschaffen hätte, und somit deutlich mehr Schaden als Nutzen bringen.
det_lef (27.04.2009, 19:12 Uhr)
Mutter Natur wars!
Lachhaft, sowas zu lesen.Weltweit sind russiche,chinesische und besonders amerikanische Labore am experimentieren und züchten gefährlichster Viren.Und allen dreien Nationen ist das böswillige Aussetzen solcher Labor-Viren zuzutrauen.
oerkel (27.04.2009, 18:59 Uhr)
das jüngste gericht kommt......
alles wieder panikmache. jedes husten wird als nahtod erfahrung ausgemacht. schönes thema für die presse.
terrax (27.04.2009, 18:48 Uhr)
Weshalb verschweigt die Presse
daß es sich um die spanische Grippe handelt? Googelt mal nach dem Typ H1N1 und setzt mal ein A da vor also (A H1N1). Die spanische Grippe wird ab und an auch Schweinegrippe genannt. Weshalb warnt man die Leute nicht und sperrt die Flughäfen? Das die Regierungen die Flughäfen offen lassen ist ungeheuerlich. Und der Volldepp welcher diesen Virus aus irgendeinem Labor freigelassen hat gehört erschossen! Oder war es vielleicht der amerikanische Geheimdienst? Weshalb hat man denn Anfang des Monats in Texas so viele Plastiksärge auf Halde gelegt? - Bestimmt nicht für die Geisterbahn...
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