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11. August 2009, 08:00 Uhr

Wirtschaft bereitet sich auf Ernstfall vor

Mundschutz, Medikamente, Mitarbeiterberatung: Welche Maßnahmen deutsche Großunternehmen wie Daimler, Telekom oder Lufthansa ergreifen, um bei größeren Ausfällen während der Pandemie handelsfähig zu bleiben. Von Joachim Reuter

Schweinegrippe, Wirtschaft, Vorsorge, Vorbereitung

Die Deutsche Telekom bietet ihren Mitarbeitern die Möglichkeit, sich die Hände zu desinfizieren© Oliver Berg/DPA

Die deutsche Wirtschaft nimmt die Schweinegrippe ernst, wie eine Umfrage des stern unter den 30 Dax-Konzernen zeigt. Die meisten haben Krisenstäbe eingerichtet, die die aktuelle Entwicklung beurteilen, um kurzfristig reagieren zu können. Daneben gibt es Email-Hotlines, in denen sich Mitarbeiter über Krankheit und Verlauf informieren können. Informationskampagnen und Aushänge an den sanitären Einrichtungen weisen die Beschäftigten auf Hygienemaßnahmen hin. "Sie entsprechen den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts sowie der Weltgesundheitsorganisation", teilt etwa der Pharma-Konzern Bayer mit. Mitarbeiter, die beruflich ins Ausland reisen, werden bei vielen Firmen zuvor vom Betriebsarzt beraten.

Für manche Unternehmen ist das alles nichts Neues. Auf den Ausbruch einer Pandemie haben sich vor allem international tätige Konzerne bereits mit dem Aufkommen der Vogelgrippe vor vier Jahren vorbereitet. So greifen Daimler, Bayer, Henkel, Merck und BASF auf bewährte Pandemiepläne zurück. ThyssenKrupp geht noch weiter. "Wir haben schon seit einigen Jahren Maßnahmen getroffen, um unsere Geschäftstätigkeit im In- und Ausland aufrechtzuerhalten", teilt der Technologiekonzern mit, der Medikamente zur Therapie und Prophylaxe sowie Schutzausrüstung beschafft und eingelagert hat.

Umfangreich sind auch die Vorbereitungen bei der Telekom. Dort stehen inzwischen nicht nur Hygieneboxen zur Desinfektion der Hände vor den Kantinen. "Es gibt zudem einen Notfallplan für Personen, die für unser Tagesgeschäft unabdingbar sind. Wir haben das Grippemittel Tamiflu eingekauft, mit dem wir 50 Prozent der Belegschaft versorgen können", sagt Telekom-Sprecher Husam Azrak. Derzeit werden Care-Pakete mit Mundschutz und -filter, Gummihandschuhen und Spray an die Mitarbeiter im Außendienst und in den Telekom-Shops verteilt. "Wir sind auf den Ernstfall vorbereitet."

Abheben mit Infektionsschutz-Sets

Besondere Maßnahmen hat der Düngemittelhersteller K + S für seine Beschäftigten der Informationstechnologie-Abteilung getroffen: Er hat Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken sowie Tamiflu beschafft und für den Ernstfall am Standort Kassel jedem der Mitarbeiter im Vorfeld einen Ausweicharbeitsplatz zugeteilt: Für die Gesunden ist "weit weg" besser als "maskiert".

Aufgerüstet haben auch die Fluggesellschaften. Lufthansa, Hapag-Lloyd und Air Berlin erweiterten die medizinische Ausrüstung an Bord durch Infektionsschutz-Sets mit Mundschutz, Einmalhandschuhen und Desinfektionsmittel. Zudem gibt es noch eine „Beruhigungspille“ für die Flugreisenden: Die Flugzeuge dieser Airlines sind mit speziellen Partikelfiltern ausgestattet, die in der Lage sind, mehr als 99 Prozent aller Keime herauszufiltern. "Die Filter entsprechen denen eines klinischen Operationssaals", sagt Lufthansa-Sprecher Michael Lamberty.

Wie stark eine globale Grippewelle die Wirtschaft ansteckt, hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen bereits vor drei Jahren im Zuge der Vogelgrippe in einer Modellrechnung ermittelt. Demnach kostet eine milde verlaufende Pandemie ein Prozent des Wirtschaftswachstums. Bei einem schweren Verlauf wäre das Wachstum um 3,6 Prozent niedriger als ohne Pandemie.

Von Joachim Reuter
 
 
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