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30. November 2007, 16:55 Uhr

Umprogrammierung ohne Krebsgen

Erst vor gut einer Woche verkündete der Shinya Yamanaka einen Durchbruch in der Stammzellforschung. Jetzt legt der japanische Forscher schon nach: Hautzellen von Mäusen - und Menschen - lassen sich auch ohne Einsatz eines Krebsgens zu Stammzellen umprogrammieren.

Dieser vom japanischen Forscher Yamanaka veröffentliche Aufnahme zeigt Mauszellen© Shinya Yamanaka/AP

Hautzellen lassen sich möglicherweise auch ohne ein bisher benötigtes Krebsgen zu einer Art Stammzellen umprogrammieren. Die Methode bringt zwar weniger der begehrten Alleskönner-Zellen hervor, dafür erkrankten Labormäuse in Tierversuchen mit diesen Zellen nicht an Krebs. Dies berichten Forscher aus Japan und den USA im Fachblatt "Nature Biotechnology" (online vorab veröffentlicht). Der Verzicht auf das Krebsgen sei unter anderem notwendig, wenn man aus den Stammzellen einst Ersatzzellen oder -gewebe für schwer kranke Menschen züchten möchte. Da allein der Einsatz von Viren beim Umprogrammieren das Krebsrisiko steigert, ist dieser Forschungsschritt allerdings nicht der letzte notwendige vor einem möglichen medizinischen Einsatz der Zellen.

Erst vergangene Woche hatten die Wissenschaftler um Shinya Yamanaka von der Universität Kyoto eine Methode vorgestellt, mit der sich menschliche Hautzellen durch das Einschleusen von vier Genen in Zellen verwandeln lassen, die in ihren Eigenschaften den embryonalen Stammzellen stark ähneln. Diese Zellen ließen sich ersten Versuchen zufolge problemlos zu Herz-, Nerven- oder anderen Körperzellen weiter entwickeln. Eines der zur Umprogrammierung benötigten Gene, genannt cMyc, gehört allerdings zu den sogenannten Krebsgenen. Es kann die Umwandlung der Zellen in Tumorzellen auslösen.

Dass es auch ohne geht, zeigten die Forscher nun zunächst an Bindegewebszellen der Maus. Transplantierten sie diese Zellen nach der Rückprogrammierung in einen entstehenden Mäuse-Embryo, entwickelten sich daraus gesunde Tiere. Innerhalb von 100 Tagen bekam keine dieser Mäuse einen Tumor. Von 37 Kontrolltieren, an deren Erzeugung das Krebsgen noch beteiligt war, starben hingegen im gleichen Zeitraum sechs an Krebs. Ob die bisher krebsfreien Versuchstiere zu einem späteren Zeitpunkt noch erkranken, sei bisher aber unklar, schreiben die Forscher.

Auch menschliche Zellen ließen sich umprogrammieren

Als nächstes wiederholten sie ihre Versuche mit Hautzellen einer 36-jährigen Frau. Auch diese ließen sich ohne das Krebsgen in die gewünschten Zellen mit Stammzelleigenschaften verwandeln - wenn auch wiederum mit deutlich geringerer Effektivität. Es sei deshalb wichtig, nach Faktoren zu suchen, mit denen sich die Erfolgsrate steigern lässt. Die Forscher weisen zudem darauf hin, dass ihre Versuche nicht bewiesen, dass das Krebsgen ganz verzichtbar sei. Vermutlich aktivierten die drei übrigen eingeschleusten Gene körpereigenes cMyc.

Embryonale Stammzellen sind unter anderem begehrt, weil sie die Fähigkeit besitzen, sich unendlich zu teilen und in jedes spezialisierte Gewebe des Körpers zu entwickeln. Experten bezeichnen die Zellen als pluripotent. In der Medizin möchte man diese Eigenschaft nutzen, um kranke Zellen oder zerstörtes Gewebe zu ersetzen. Die direkte Gewinnung der Zellen aus dem Embryo ist allerdings umstritten, da dieser dabei zerstört wird. Die Möglichkeit, Körperzellen Erwachsener zurückzuprogrammieren bietet nicht nur einen Ausweg aus dem ethischen Konflikt, sondern ermöglicht es theoretisch auch, für medizinische Zwecke patienteneigene Körperzellen zu verwenden. Abstoßungsprobleme bei Zell- oder Gewebetransplantationen würden dadurch umgangen.

DPA
 
 
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