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23. Oktober 2008, 11:29 Uhr

Briten erlauben Tier-Mensch-Embryonen

Es klingt wie aus einem Gruselfilm: Wissenschaftler setzen das Erbgut einer menschlichen Zelle in die entkernte Eizelle eines Tieres ein und züchten daraus ein Tier-Mensch-Embryo. In Großbritannien hat das Unterhaus die Produktion solcher Chimären zu Forschungszwecken jetzt erlaubt.

Mit Hilfe von Stammzellen hoffen die Forscher Krankheiten wie Alzheimer, Diabetes oder Multiple Sklerose besser bekämpfen zu können© John Bazemore/AP

Nach monatelanger Debatte hat das britische Parlament das umstrittene Gesetz zur Herstellung von Tier-Mensch-Embryonen endgültig gebilligt. Die Abgeordneten im Unterhaus stimmten am Mittwochabend mit 355 zu 129 Stimmen für die Vorlage. Sie erlaubt die Produktion von Embryonen aus Menschen-Erbgut und Tier-Eizellen für die Forschung. Das Unterhaus stimmte zudem der künstlichen Zeugung von sogenannten "Retter- oder Helfer-Geschwistern" (Saviour Siblings) zu. Dabei suchen Ärzte nach einer künstlichen Befruchtung einen Embryo aus, der genetisch am besten zu einem lebensbedrohlich erkrankten Geschwisterkind passt. Dieses erhält dann zur Therapie Stammzellen aus der Nabelschnur oder dem Knochenmark des ausgewählten jüngeren Kindes.

"Monströse Auswüchse" und "Frankenstein-Wissenschaft"

Die Pläne zur Erweiterung der Stammzellenforschung hatten vor allem bei Kirchenvertretern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. In dieser Weise dürfe nicht mit Leben herumgedoktert werden. Kritiker sprachen von "monströsen Auswüchsen" der Forschung, einer "Frankenstein-Wissenschaft" und einem Herumpfuschen an der Natur. Großbritannien drohe zum "Schurkenstaat der Wissenschaft" zu werden. Auch innerhalb der regierenden Labour-Partei von Premierminister Gordon Brown hatte das Gesetz für Auseinandersetzungen gesorgt. Bei der Abstimmung votierte jedoch nur eine kleine Zahl der Labour-Abgeordneten gegen die Vorlage. Sie muss nun vom Oberhaus in London abgenickt werden.

Bei der Bildung von Tier-Mensch-Embryonen, auch Hybrid-Embryonen genannt, setzen Forscher das Erbgut einer menschlichen Zelle in die entkernte Eizelle eines Tieres ein. Das Erbgut der entstehenden Chimäre besteht zu 99,9 Prozent aus den Genen des Menschen. Doch die Eizelle der Tiere liefert diesem Embryo die "Zellkraftwerke" (Mitochondrien), die eigenes Erbgut besitzen. Die Wissenschaftler lassen den Embryo nicht zu einem Baby heranwachsen, sondern entnehmen ihm embryonale Stammzellen, um damit zu forschen. Das Verfahren hat den Vorteil, dass keine Eizellen von Frauen benötigt werden und Eizellen von Tieren in nahezu unbegrenzter Zahl aus Schlachthöfen zu bekommen sind. Viele Forscher befürchten jedoch, dass die Stammzellen aufgrund des tierischen Erbmaterials bei der Therapie vom Patienten abgestoßen werden.

In Deutschland nicht erlaubt

Sowohl die Produktion von Tier-Mensch-Embryonen als auch die Auswahl von "Retter-Geschwistern" ist in Deutschland verboten. Bislang sollen Hybrid-Embryonen nur in den USA, Südkorea und China zu Forschungszwecken geschaffen worden sein. In Europa hatten vor wenigen Monaten britische Forscher der Universität Newcastle bekannt gegeben, dass sie eine solche Chimäre erzeugt und damit einen wichtigen Erfolg für die Stammzellenforschung erzielt hätten. Die britischen Forscher hatten mit einer Sondergenehmigung der zuständigen Behörde HFA die Chimären hergestellt.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
ganzbaf (23.10.2008, 22:00 Uhr)
Die spinnen...

die Briten.
Fiete90 (23.10.2008, 17:36 Uhr)
Also ich finds geil,...
demnächst kann man sich dann im Reagenzglas erschaffene Flügel annähen lassen oder sowas.
G-Mike88 (23.10.2008, 16:55 Uhr)
Ich bin mal gespannt...
...wie einige der unten stehenden Kommentare aussehen, wenn die ersten Chimären maßgeblich zur Heilung bisher unheilbarer Krankheiten beitragen.
Viele bahnbrechende Erfindungen oder Forschungsergebnisse wurden anfangs belächelt.
insLot (23.10.2008, 16:07 Uhr)
Der bessere Brite?
Vielleicht sollten wir uns schon mal auf Bilder umkippender Briten im TV vorbereiten.
.
Was dann miteinander gekreuzt wurde dürfte dann ausser Frage stehen!
.
;)
saulus (23.10.2008, 15:32 Uhr)
Wie sagte Einstein:
Es gibt nur zwei Dinge die unendlich sind, dass Universum und die menschliche Dummheit, aber beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher...
Diese "Forschung" hat nichts mit Fortschritt zu tun, Sie dient ausschließlich der Profit-Maximierung der Pharmakonzerne.
choco68 (23.10.2008, 15:08 Uhr)
zurückgeblieben.....
naja, manchmal weiß ich nicht so recht ob manch einer zurückgebliebe ist oder sonst was; früher, ja früher war alles anders, heute muss oder kann mur an den fortschritt denken, wenn ich mir überlege, wir sind im 21. jahrhundert und es gibt soviele krankheiten, auch richtig schlimme, die noch nicht erkundet werden konnten weil es einfach noch zuviele "trullas" gibt die dagegen sind ohne zu wissen gegen was.. ich begrüsse dass die wissenschaft exyperimentieren soll, wenn nicht gerade an lebenden menschen oder tieren, um in zukunft menschen, oder auch tiere besser behandeln zu können.....
Malt (23.10.2008, 14:47 Uhr)
Eben...
....bald hat man dann den Menschen mit dem Verstand eines Hundes, der dem Rudelführer jeden Wunsch bedingungslos erfüllt... der perfekte Arbeitnehmer, Soldat, Steuerzahler! Und wenn einer mal nicht pariert, dann gibt's was mit der Zeitung aufs Hinterteil, jawohl! Wird auch Zeit, jetzt wo die Leute durch die Finanzkrise langsam aus Ihrem Dornröschenschlaf erwachen und feststellen, dass Sie von den Rudelführern nach Strich und Faden verarscht werden... gehört alles zum Plan der new world order!
OnceKnown (23.10.2008, 14:42 Uhr)
Hmmm....
Mit eurer mittelalterlichen Moral seid ihr hier fehl am Platze! Fortschritt, Baby, ist das Wort der Stunde. Fortschritt, Fortschritt, Fortschritt und immer weiter, yeah, yeah, yeah.
binausgold (23.10.2008, 14:27 Uhr)
abartig!
es ist nicht in ordnung, wenn der mensch gott spielen will. es ist abartig auch nur daran zu denken, daß menschliche zellen mit tierischen vermischt werden. wer weiß denn schon was da einmal herraus kommt. die wissenschaft aber braucht ja keine moral, ethik und anstand. übrigens hat die moral nichts mit der institution kirche zu tun. moral,etik und anstand gehören zu einem ausgereiften menschen. bei wissenschaftlern zeifle ich an dieser ausgereiftheit. wenn dies nämlich so wäre, dann hätten wir es nun nicht mit so etwas abartigem zu tun. der heutigen wissenschaft/menschheit ist jeder bezug und anstand zur schöpfung und natur verloren gegangen. dies wird sich rächen, auch ohne kirche oder das jemand an einen gott glaubt.
gesox (23.10.2008, 13:15 Uhr)
Es ist kein Mensch, es ist kein Tier...
...es ist ein Panzergrenadier, hieß es früher mal bei der Bundeswehr.
Daß ausgerechnet die Briten hier vorpreschen, hat sicher nur einen Grund: nachträglich eine Begründung für das Verhalten der "Royals" zu liefern. Sie wären entschuldigt...
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