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26. Juni 2008, 10:36 Uhr

Fragen Sie bloß nicht Ihren Apotheker

Die Stiftung Warentest hat Apotheken geprüft - mit einem niederschmetternden Ergebnis. Die Tester wurden oft nicht über Medikamenten-Nebenwirkungen aufgeklärt. Viele Apotheken-Mitarbeiter konnten nicht einmal den Lichtschutzfaktor richtig erklären. Von Nicole Simon

Vier Millionen Menschen gehen täglich in die Apotheke, berichtet Stiftung Warentest

Bei ihren Tests in 20 Apotheken bekamen die Mitarbeiter der Stiftung Warentest zum Teil erschreckende Antworten. Mehr als ein Apotheker sagte zum Beispiel, es sei kein Problem Johanneskraut zusammen mit Blutverdünnern zu nehmen. Das ist schlichtweg falsch. Johanneskraut vermindert die Wirkung vieler Medikamente, beispielsweise von Blutverdünnern oder auch der Anti-Baby-Pille.

Stiftung Warentest hat in den vergangenen Monaten stichprobenartig Berliner Apotheken getestet. Der Schwerpunkt lag dabei auf der fachlichen Beratung. In insgesamt 160 Beratungsgesprächen wollten die Tester etwa herausfinden, ob auf Wechselwirkungen und Nebenwirkungen hingewiesen wird. Weitere Fragen waren: Werden Rezepturen für den Kunden richtig angemischt, oder wird die Blutdruckmessung richtig durchgeführt und das Ergebnis korrekt interpretiert?

Schlechtes Ergebnis für die Apotheken

Dass vier der Apotheken nicht auf die Wechselwirkung zwischen Johanneskraut und Blutverdünnern hingewiesen haben, war nicht der einzige Schnitzer. Auch in anderen Situationen, die für Apotheken alltäglich sind, wie etwa Fragen zum Lichtschutzfaktor von Sonnencremes, versagten einige Mitarbeiter. So konnten zwei der 20 Apotheken im Gesamturteil nur ein "ausreichend" erreichen, acht von ihnen bekamen sogar ein "mangelhaft". Lediglich eine Berliner Apotheke konnte mit einem "gut" abschließen. "Das Testergebnis kann nicht zufriedenstellen - Anspruch und Wirklichkeit klaffen zum Teil stark auseinander", schreiben die Tester. Leidtragende sind alle, die sich auf den Rat der Apotheker verlassen.

Millionen von freiverkäuflichen Medikamenten gehen jedes Jahr über den Ladentisch deutscher Apotheken. Da man in solchen Fällen keinen Arzt aufsuchen muss, verlassen sich die Kunden dort besonders auf den Rat ihres Apothekers. Der stichprobenartige Test zeigt, dass es nicht gut bestellt ist um den Service in Berliner Apotheken. So überzeugte keine der Apotheken beim Blutdruckmessen: Ruhezeiten wurden nicht eingehalten und bedenkliche Blutdruckwerte verharmlost. Aussagen wie "Der Blutdruck ist ein bisschen hoch" bei Werten von 187 zu 107 sei lapidar schreibt die Stiftung. "In solchen Fällen hätte der Kunde unverzüglich zu einem Arzt geschickt werden müssen", sagt auch Otto Späth, Präsident des Bundesverbands Deutscher Apotheker.

Stichprobe oder repräsentativ?

Auch wenn es sich hier um Stichprobe handelt " kann man dieses Ergebnis wahrscheinlich auf die Situation in ganz Deutschland übertragen", sagt Heike von Laak von der Stiftung Warentest. Dem hält Otto Späth entgegen: "20 von 22.000 Apotheken herauszupicken kann nicht als repräsentativ gelten." Genausowenig könne eine Großstadtmetropole für die Situation in ganz Deutschland sprechen. "Viele Apotheken in der Innenstadt sind ausschließlich kommerziell ausgerichtet. Das geht dann auch zu Lasten einer Fachberatung", so Späth. In anderen Gebieten sehe das wahrscheinlich ganz anders aus. Zudem stehen Apotheken, laut Späth, unter einem großen finanziellen Druck.

Dabei sind gute Beratung und verlässliche Auskünfte für Apotheken besonders wichtig, seit Versandapotheken ihnen Konkurrenz machen. "Eine von ihnen liegt in dem Test der Stiftung an zweiter Stelle", sagt von Laak.

Von Nicole Simon
 
 
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