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8. Dezember 2007, 13:04 Uhr

Mehr Leukämiefälle bei Atommeilern

Laut einer Studie erkranken Kinder in der Nähe von Atomkraftwerken häufiger an Leukämie. Umweltminister Sigmar Gabriel will die Ergebnisse überprüfen lassen.

Das Atomkraftwerk in Biblis: Gibt es ein erhöhtes Krebsrisiko in der Nähe von Kernkraftwerken?© Arne Dedert/DPA

Eine Studie im Auftrag des Bundesamts für Strahlenschutz hat nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" im Umfeld von Atomkraftwerken überdurchschnittlich viele Leukämiefälle bei Kleinkindern registriert. Der Untersuchung zufolge steige die Zahl krebskranker Kinder, je näher ihr Wohnort an einem der 16 deutschen Reaktorstandorte liege, schreibt die Zeitung in ihrer Ausgabe vom Samstag. Diese Korrelation sei statistisch signifikant, medizinisch und strahlenbiologisch aber nicht zu erklären. Zufall oder Störfaktoren könnten als Erklärung nicht endgültig ausgeschlossen werden.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) kündigte bereits an, die Studie umfassend prüfen lassen. Erst dann werde sein Ministerium über weitere Schritte entscheiden, erklärte der für die Atomaufsicht zuständige Minister am Samstag. Gabriel betonte ebenfalls, dass der beobachtete Anstieg nach derzeitigem wissenschaftlichem Kenntnisstand nicht mit der Strahlenbelastung aus einem Atomkraftwerk erklärt werden könne. Deswegen solle die Strahlenschutzkommission die Untersuchung samt ihrer Methoden und Ergebnisse genau bewerten, sagte der Minister.

Es gibt verschiedene Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen

Forscher des Instituts für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz haben in der Studie festgestellt, dass im Fünf-Kilometer-Umkreis der Reaktoren zwischen 1980 und 2003 insgesamt 37 Kinder neu an Leukämie (Blutkrebs) erkrankt sind. Im statistischen Durchschnitt wären in diesem Untersuchungszeitraum lediglich 17 Fälle zu erwarten gewesen. Bei der Untersuchung eines möglichen Zusammenhangs zwischen Leukämie und Kernkraftwerken sind verschiedene Studien in der Vergangenheit zu widersprüchlichen Schlussfolgerungen gelangt.

Die Mainzer Wissenschaftler hatten laut "Süddeutsche" dem Deutschen Kinderkrebsregister sämtliche Fälle von Kindern unter fünf Jahren entnommen, die zwischen 1980 und 2003 an Krebs erkrankt sind und in der Nähe von Reaktoren aufgewachsen waren. Bis auf 25 Meter genau bestimmten sie deren Wohnort. Den 1592 krebserkrankten Kindern stellten die Forscher 4735 gesunde Kinder gegenüber, die zur selben Zeit in derselben Gegend aufgewachsen waren. Je näher die Kinder am Reaktor aufgewachsen waren, desto höher lag demnach ihr Risiko, an Krebs zu erkranken - und umgekehrt.

Strahlenmenge soll nicht ausreichen

Die Strahlenmenge in unmittelbarer Nähe von Kernkraftwerken reiche aus Sicht von Ärzten allerdings bei weitem nicht aus, um vermehrte Krebserkrankungen auszulösen, berichtet die "Süddeutsche" weiter. Die Studie liefere keine kausale Erklärung für zusätzliche Erkrankungen - andere plausible Erklärungen hätten jedoch auch nicht gefunden werden können. Ob Störfaktoren, Selektion oder Zufall bei dem beobachteten Abstandstrend eine Rolle spielten, "kann mit dieser Studie nicht abschließend geklärt werden", zitiert die Zeitung aus der Untersuchung.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (5 von 5)
 
wayan (09.12.2007, 18:14 Uhr)
@kochc
es gäbe ja auch noch alternativen....solarenergie...wasserkraft....wärmepumpen...etc...
wenn soviel geld wie in die erforschung der atomkraft in die erforschung alternativer energiequellen geflossen wäre,bräuchten wir keine akws....
ob wiederaufbereitungsanlage oder akw...eher ein marginaler unterschied,wenn es um die gesundheit geht....sie mögen mir den fehler verzeihen.. ;o))
kochc (09.12.2007, 09:41 Uhr)
@wayan
In Sellafield gibt es kein AKW, sondern eine Wiederaufarbeitungsanlage. Und die "handfesten wirtschaftlichen Interessen" sind auch Ihre eigenen Interessen: Wenn Sie "die Dinger endlich abschalten", können Sie nämlich Ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen. Der "Stromlobby" hingegen kann es ziemlich wurscht sein, ob Sie Ihnen für reichlich Moneten Strom aus Kohle, Gas oder Kernkraft verkauft.
Aurum (08.12.2007, 21:40 Uhr)
Wirklich?
Ich meine, daß nur wieder ein Grund gesucht wird, die AKW s vorzeitig still zu legen. Es sollte doch mal eine Studie gemacht werden über Erkrankungen der Atemwege im Umkreis von Kohlekraftwerken. Desweiteren ist die Belastung durch elektromagnetischen Feldern, welche von den Hochspannungsleitungen der Kraftwerke ausgehen für den menschlichen Organismus schädlicher, als die kaum nachzuweisende radioaktive Strahlung im Umkreis der AKW s.
Punito (08.12.2007, 15:40 Uhr)
Das die Strahlenbelastung

für Mensch, Tier und Pflanze
im Umkreis von AKW`s höher
sind als anderswo ist schon seit einigen Jahrzehnten bekannt .
Das die Rate an Leukämieerkrankten
signifikant erhöht ist , ebenso .
Merkwürdig , das jene Ärzte der Meinung sind die Strahlenbelastung
habe keinen Einfluß auf die Leukämieerkrankten .
wayan (08.12.2007, 14:00 Uhr)
alles klar....
wohne ich neben einem akw ,bekommen meine kinder eher leukämie als anderswo....aber ist wohl nur zufall....alles klar....
allein der verdacht,der durch die statistik gegeben ist,sollte doch wohl ausreichen,um diese dinger abzuschalten......
übrigens ist das ganze ja auch nicht neu...schon in den 70ern gab es studien aus england,die eine anhäufung der leukamie erkrankungen in der nähe des akws sellafield belegten.aber auch damals verhinderte die mächtige stromlobby konsequenzen.
vielleicht bessert sich der herr gabriel ja sein taschengeld auf,indem er der atomlobby das wort redet und die geschichte verharmlost und keine zusammenhänge sieht.
ein weiterer beleg dafür,dass das wohl unserer kinder in diesem land keine wirkliche rolle spielt,wenn es um handfeste wirtschaftliche interessen geht.