. .
News am 27.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
18. Februar 2008, 16:55 Uhr

Wetthungern im Internet

Sie nennen ihre Krankheit "Lifestyle" und stiften sich gegenseitig an, immer mehr abzunehmen: Pro-Ana-Gruppen haben sich in der Online-Welt festgesetzt - soziale Netzwerke von Magersüchtigen, in denen gefährliches Gedankengut und tödlicher Ehrgeiz gedeihen.

Bildergalerien als Quelle des Ansporns: Es geht noch knochiger, dürrer, ausgezehrter - die Ideologie einer Sekte© Screenshot

Ich darf keine "Dickmacher" essen, ohne hinterher Gegenmaßnahmen zu ergreifen!" heißt es auf dem Bildschirm. Jenny*, 20, kennt die Regel. Sie lebt danach. Aber heute will ihr Körper nicht, wie sie will. "Hab schon wieder einen Döner gegessen! Ich bin so eine fette, verfressene, undisziplinierte Sau! Und Auskotzen ging auch nicht, kam nichts, gar nichts!" Jetzt, mit dem Döner im Magen, kommt die Angst vor dem Wiegen morgen früh. Der Angstmotor heißt "Ana", Abkürzung für Anorexia nervosa: Magersucht. Aber für Jenny ist Ana ein Kosename, der einer guten Freundin.

Allerdings eine, die in Verdacht steht, im Internet eine Anleitung zum Selbstmord zu geben, sagt Ursula von der Leyen. Gemeinsam mit Alice Schwarzer, den Ministerkolleginnen Ulla Schmidt und Annette Schavan sowie anderen engagierten Frauen hat sie die Kampagne "Leben hat Gewicht" gegen Essstörungen ins Leben gerufen. Die Initiative richtet sich auch gegen die Hungerpropaganda der Pro-Ana-Foren im Internet wie "Beautiful Angels", wo Jenny und 41 weitere Mädchen mehrmals täglich schreiben, vom Hungern und Essen, vom Fressen und Brechen. Pro-Ana-Sein heißt: magersüchtig und stolz darauf sein. Die Betroffenen nennen sich "Anas", wie die Krankheit, die für sie ein "Lifestyle" ist. Hinzu kommen die "Mias", Kosename für Bulimiker. Beide wollen ihre Essstörung nicht besiegen, sondern ausleben; manche wollen durch sie sterben. Denn für Pro Anas und Mias ist klar: Nur mit Ana oder Mia können sie dünn sein. Dünn sein ist schön sein, verspricht Erfolg und Glück.

Pro-Ana-Foren gibt es viele im deutschsprachigen Internet. Häufig firmieren sie unter Decknamen, die nur der Szene bekannt sind, auf Seiten von Anbietern, deren Adressen aus Ziffern bestehen, der Inhalt ist versteckt. Denn die Foren verstehen sich als elitäre Klubs: Hier darf nicht jeder rein. Der stern war dennoch drin, in vier Foren, drei Monate lang.

Die Bewerbung ist langwierig

Auf den Seiten versperren vor der Aufnahme kleine Vorhängeschlösser den Weg zu den Themen. Besucher sehen nur den Willkommensbereich. Hier bewirbt sich die angehende "Ana". Mehr als 20 Fragen muss sie beantworten: Wunschgewicht? Seit wann bist du essgestört? Oder: Was bedeutet Pro Ana für dich? "Ich kann ohne sie nicht mehr … pro sein hat mich einfach abgelenkt in schweren Zeiten …", antwortet "Libelle" den Beautiful Angels. "Libelle" wollen sie nicht haben. Fazit nach vier Tagen Abstimmung: nicht essgestört genug. "Wirkt nicht wie ne richtige Ana", findet "Ana-Laura".

"Du bist nie zu dünn!"© Screenshot

"Die Aufnahmeregeln erhöhen die Faszination", sagt Sylvia Baeck, Gründerin der Beratungsstelle "Dick & Dünn" in Berlin. Hinter dem Einstieg vieler Mädchen in die Szene stecke Neugier, gepaart mit typischen Pubertätskomplexen. "Werden sie aufgenommen, denken sie: Ich gehöre dazu! Für viele ist das Forum etwas Sinngebendes."

"Wenn man dünn ist, heißt das: Kontrolle, Macht. Du bis anders als die anderen. Außergewöhnlich", schreibt "Thinny 8" im Forum "Thin lives", das 34 Anas beherbergt. Hier muss niemand den Fressanfall von gestern und das Kotzen danach verheimlichen. Die Mädchen dürfen offen stolz sein, auf jedes verlorene Gramm, den eigenen dürren Körper, den sie im Forum ausstellen, für den sie beklatscht werden, während Mama mäkelt.

Texte sollen anstacheln

Gleich nach der Aufnahme verweist die Moderatorin von Thin lives auf Anas Regeln. "Du bist nie zu dünn!" heißt es in "Anas Gebote". Sowie: "Anorexie wird uns schön machen!" Der Text soll anstacheln, nichts zu essen. Genauso wie die "Gesetze" und andere Texte, die in jedem Pro-Ana- Forum zu finden sind. Mit Sätzen wie "Nur dicke Leute fühlen sich zu Dicken hingezogen! Willst Du von Schweinen gemocht werden, nur weil Du eines bist?"

Damit aus Schweinen Schwäne werden, sollen sich die Userinnen voll aufs Abnehmen konzentrieren. Jede führt ein Tagebuch, in das sie täglich schreibt, wie viel sie wiegt, was sie gegessen hat. Bei "Ana-Laura" gibt es heute eine "Suppe mit 26 kcal", unter ihrem Forumsnamen steht "the skinny bitch always wins", und eine Leiste zeigt ihr Gewicht an: 51,7 Kilo. "Blurred" gibt Brech-Tipps - "wenn du's nicht schaffst, bis zur Galle zu kotzen, bleibt ein Drittel bis die Hälfte drin".

Das ist der ganz normale Wahnsinn in Pro-Ana-Foren - und nur der Anfang. Weiter geht es mit den Thinspirations, zu übersetzen mit Inspirationen zum Dünnsein: Fotos und Videos von dünnen Prominenten und Magersüchtigen. Besonders beliebt sind die Olsen Twins und Kate Moss - Frauen, die dürr sind, kindliche Züge haben. Krasser noch ist die Verehrung für stark Magersüchtige, deren ausgemergelte Körper die Seiten zieren. 32 kg auf 1,65 Meter Körpergröße - für viele Anas erstrebenswert. Alle besuchten Foren veranstalten Abnehmwettbewerbe, zu gewinnen ist unter anderem der Titel "Miss Ana". Dafür sammeln die Mädchen täglich Punkte: Gar nichts bis 100 Kalorien zu sich zu nehmen bringt die Höchstpunktzahl. "Pro Ana hat Sektencharakter", sagt Sylvia Baeck. Wer ein paar Tage nichts im Forum schreibt, fliegt raus; nur wer viele Beiträge verfasst, darf in die spannenden Bereiche, in denen die Mädchen Bikinifotos von sich zeigen.

Verzerrte Wahrnehmung wird verstärkt

Pro Ana - "dieser Name wird nicht in Gegenwart von Nicht-Anas erwähnt", steht in den "Gesetzen". Also beginnen die Mädchen, sich mehr und mehr zu isolieren. "Bei Menschen mit Essstörung sind viele gesunde Anteile des Denkens ausgeblendet. Tauschen Sie sich mit Leidgenossen aus, verstärkt das ihre verzerrte Wahrnehmung", warnt Professor Detlev Nutzinger, der in der Medizinisch-Psychosomatischen Klinik Bad Bramstedt Essgestörte behandelt.

"Wenn Mädchen den ganzen Tag in dieser Welt verbringen, werden sie keine Hilfe von außen annehmen. Die Foren können mit schuld daran sein, dass ein Mädchen an seiner Essstörung stirbt", sagt Beraterin Baeck. Viele der Mädchen waren bereits in Therapie, aber wollten nicht geheilt werden. Kaum zu Hause, hungern sie wieder. Nichts Ungewöhnliches, weiß Nutzinger. Er hörte durch eine Patientin von Pro Ana. Daraufhin entdeckten Mitarbeiter, dass sich Patientinnen über PCs der Klinik in Pro-Ana-Foren einloggten. Vier Jahre ist das her. "Seitdem sind wir alarmiert. Natürlich sind die Inhalte solcher Foren für den Erfolg einer Therapie kontraproduktiv und gefährlich."

Wer steckt hinter Pro Ana? Gibt es jemanden, der einen Nutzen davon hat, diese Mädchen krank zu halten? Auffällig ist, dass in vielen Foren Diät-Medikamente und Drogen empfohlen werden, Links führen zum Teil zu illegalen Shops. "Es scheint, dass finanzielle Interessen hinter den Foren stecken", vermutet Baeck. Auch Nutzinger schließt das nicht aus, hält es aber für wahrscheinlicher, "dass die Bewegung von einem Kreis fanatischer, therapieunwilliger Anorektiker ausgeht".

Schülerportale als Nährboden

Und die Bewegung wuchert in die Jugendzimmer: Im Juni 2007 entdeckte Sascha Neurohr, Medienpädagoge bei SchülerVZ, eine Gruppe namens "I am pro ana" auf dem von rund 2,7 Millionen Schülern genutzten Portal. Neurohr löschte die Gruppe sofort. "Wir wollen solchen Gruppen den Nährboden entziehen."

Anders das überaus erfolgreiche US-Sozialnetzwerk Facebook, das derzeit seine Expansion nach Deutschland vorbereitet: "Facebook unterstützt den freien Fluss von Informationen", erklärt Unternehmenssprecherin Laura Burden, man nehme Inhalte nur herunter, wenn sie die Geschäftsbedingungen verletzten. Dementsprechend hielten sich nach stern-Beobachtungen mehrere Ana-Diskussionen hartnäckig.

Pro Ana macht es Gegnern nicht leicht: Decknamen kann ein Filter nicht erfassen. Wird ein Forum gesperrt, sucht es sich einen anderen Anbieter. Ein Problem, das Simone Spacek von Jugendschutz.net gut kennt. Seit 2006 beschäftigt sich die gemeinsame Internet-Überwachungseinrichtung der Bundesländer mit der Bewegung. Der Befund: "Wir halten die klassischen Pro-Ana-Inhalte für offensichtlich schwer jugendgefährdend. Deshalb fordern wir, dass diese Inhalte gesperrt werden oder eine Altersverifikation vorgeschaltet wird." Viele Anbieter kämen dieser Aufforderung nach und sperrten die Foren, berichtet Spacek. Reagiert ein Anbieter nicht, wird er der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) gemeldet. Erst wenn diese einen Verstoß feststellt, kommt es zu einem strafrechtlichen Verfahren.

Mehr als 100 deutsche Foren

Ein zeitaufwendiger Prozess: "Es gibt bisher keine gesicherte Spruchpraxis, in welchen Fällen Angebote zum Thema Magersucht nun jugendgefährdend, entwicklungsbeeinträchtigend oder unbedenklich sind", bedauert Spacek. Jugendschutz.net gibt an, dass 73 Prozent der gefundenen jugendgefährdenden Foren vom jeweiligen Anbieter gesperrt wurden. Allerdings entdeckte der stern mehr als 100 aktive deutsche Foren. "Wir können eine Bewegung wie Pro Ana nicht beseitigen, aber eindämmen", sagt Spacek. Und während die KJM noch prüft, ob ein Forum jugendgefährdend ist, schmieden die Mädchen von Beautiful Angels neue Pläne. Ein härteres Forum soll her - mit festen Fastentagen, einem Foto der Füße auf der Waage zur Kontrolle. Ein paar Tage später steht "Rising Ana" im Netz.

* Alle User-Namen von der Red. geändert

Mascha Jacoby

 
 
KOMMENTARE (10 von 10)
 
ananas1981 (25.02.2008, 10:45 Uhr)
So einfach ist das alles nicht...
"Krank ist krank und bleibt es auch." Wie abwertend das auch gemeint ist, es steckt viel Wahrheit drin! Wer einmal in diesen Kreislauf von Selbstbetrug und Selbstverstümmelung gerät, kommt nie wieder raus. Man hat ein Leben lang mit den Folgen und mit der Gefahr, schwach zu werden, zu kämpfen. Ein Zustand, den man als Außenstehender nur erahnen, als unsensibler Mensch (siehe Zitat) nicht im geringsten abschätzen kann. Ich selbst kann nur versuchen zu verstehen, dass viele da gar nicht erst versuchen, diese Krankheit (oder eine andere, oder auch das Rauchen!) zu bekämpfen, denn es erfordert eine Menge Kraft und Mut, aus einem gewohnten Lebensmuster auszubrechen. (Stattdessen zelebrieren sie es, machen einen elitären Club daraus, denn es gehört nur ihnen, darüber haben sie Kontrolle.)
Im schreibe nicht gern Kommentare ins Internet. Wenn man irgendwo anfängt, fällt einem plötzlich auf, wie schwierig Leben eigentlich ist.
Nichtsdestoweniger lohnt es sich. Irgendwie ;o)
Countryjoe (25.02.2008, 08:34 Uhr)
Spackenalarm.
Spackenalarm oder ein Fall für die Darwin-Awards. Dünnheit ist begrenzt, Dummheit nicht.
Freyja79 (24.02.2008, 20:45 Uhr)
@Sublucem
Wenn einige dieser Pro-Ana-Seiten als Selbsthilfe für Betroffene dienen, warum heißen sie dann Pro-Ana und nicht Contra-Ana?
Holt sich ei ein Alkoholiker, der trocken werden möchte, Hilfe bei Pro-Alkohol oder ein Heroinabhängiger, der clean werden möchte, bei Pro-Drogen?
Sublucem (24.02.2008, 08:15 Uhr)
Einseitige Darstellung
"Pro Ana" ist ungleich "Pro Ana", das zu begreifen steht über allem: Während die eine Seite durchaus für die Krankheit als solche ist, stellt die andere nur eine Plattform dar, auf welcher niemand von vornherein der Krankheit wegen stigmatisiert wird und somit ein offener, vertrauensbasierter Dialog beginnen kann.
.
Dies ist für einen Heilungsprozess wichtig, denn exakt darum geht es. "Pro Ana" steht im dem Kontext für "lass uns reden, wir verstehen dich", nicht für "mach so weiter!" - denn die, die sich dort registrieren, wehren sich sogar gegen das von der Gesellschaft gewünschte Idealmaß. Je persönlicher es dabei wird, desto eher finden sich solche Beiträge in internen Bereichen.
.
Diese Bereiche gibt es nicht um sich gegen etwaigen Kontrollen zu schützen, sondern vor manchen Usern, die dieses empfindliche Vertrauensband direkt zu zerstören ersuchen. So liest man oft Beiträge von Gästen, in denen von den "Knochen" geschwärmt wird - und es sind die etablierten User an Board, die sich wehren.
.
Wer hier vorschnell nach Verboten schreit und in eine Welt eindringt, bestenfalls mit einer recht oberflächlichen Ansicht zu den Themen, zerstört mehr als dass er hilft. Ich bin ob dieser Berichterstattung enttäuscht, weil sie schlicht zu gefährlich ist.
Denn so sehr man glauben möchte, dass die Welt in Ordnung ist, so sehr - und das würden die wenigsten insgeheim zugeben - will fast unsere gesamte Gesellschaft den dünnen Frauentyp. Dabei vergessen viele, dass "dünn" und "Magersucht" nicht erst dort anfangen, wo Knochen sichtbar sind, sondern viel früher.
.
Magersucht ist ein bekanntes Problem. Wir wissen darum, aber wir spielen es runter, tabuisieren ein Thema und Netzwerke, anstatt den Dialog zu suchen. Essstörungen sind nicht vergleichbar mit beispielsweise Drogenkonsum, denn essen muss jeder, jeden Tag - man versuche einem Alkoholiker zu sagen, er solle mit dem Trinken aufhören und dabei jeden Tag sein Glas trinken. Wer schon immer Alkoholiker war wird wissen, wie utopisch das ist.
All diese Aspekte müssen erst begriffen werden, sonst läuft man Gefahr, mehr zu zerstören als zu helfen.
.
Das alles soll nicht von der Tatsache hinwegtäuschen, dass es auch Foren gibt, in welchen man sich anspornt. Eine differenziertere Ansicht wäre jedoch erwünscht, möchte man Leuten helfen.
esteleas (23.02.2008, 21:37 Uhr)
Vielfalt der Ursachen - Vielfalt der Ansätze (@maxi456)
Kann ich leider nicht (5 moderatorinnen nennen, die nicht an der Untergrenze des BMIs liegen) weil ich was das allabendliche Filmprogramm betrifft ziemlich ungebildet bin. Um aber zur eigentliche Aussage ihres Posts zu kommen: Der Stimme ich grundsätlich zu: Die Gefahr der Logik "ich bin dünn -> ich bin beliebt" und daraus folgend dann "ich bin dünner -> ich bin beliebter". Was ich (unter anderem) mit meinem Kommentar nur anmerken wollte war, dass das konkrete Umfeld (die Familien, Mitschüler, Freunde) die wichtigere Rolle spielen beim vermitteln genau dieser falschen Logik. Natürlich finde ich es bedenkenswert Dünnsein (um jeden Preis) als Ideal zu verbreiten - und finde andersrum Initiativen recht sinnvol, wie z.B. dass magersüchtige Models nicht mehr auf alle Laufstege dürfen - keine grundlegende Änderung der "Mentalität" und des Ideals, leider, und auch die Wirksamkeit im konkreten Fall lässt sich bestimmt bezweifeln (Wie viel weniger Essgestörte gibt es, da nun magersüchtigen Models mehr auf den Laufstegen zu sehen sind, sondern nur noch magere?), aber als Signal halt ichs dennoch für sinnvoll. Aber Akzeptanz, oder leider eben Ablehnung, erfährt man im engeren Kreis. Wenn eigene Leistung eben nicht gewürdigt werden, und man vllt.(ständig) Erniedrigungen erfährt. Das Gefühl nur der Körper zähle und der Irrsinn der Wert der Persönlichkeit mache sich nur an der Figur fest, diese Tendenz wird glaub ich in nicht zu unterschätzendem Maße vom direkten Umfeld einer Betroffenen vermittelt (Im Prinzip gehts hier um die Frage des [qualitativen?] Verhältnisses der Ursachen im Hinblick auf die ganze Pathogenese zueinander - Nicht jede, die Keira Knightley als Vorbild hat, ist oder wird selber magersüchtig usw... Keine Ahnung ob sich die Frage "Was mehr wiegt" beantworten lääst...) Insofern ist aber glaub ich das Löschen der Websiten eine Maßnahme/ein Versuch - genau wie das öffentliche Bild zu ändern. Es sagt ja keine (aka ich hab es nicht so verstanden) man solle so tun als gäbe es Magersucht nicht. ich hab es eher so verstanden, dass es um die art und weise geht mit der an das thema herangegangen wird. es gibt ja eine menge internetportal, die unter dem stichwort "selbsthilfe" laufen: magersucht.de, hungrig-online etc. auf den seiten, kann man therapieerfahrungen austauschen, sich unterhalten mit gleichermaßen betroffen, meist hilfe suchen usw usf. aber darum geht es bei pro ana ja nicht... die kritik die angebracht wird, ist, dass das (kranke) weltbild durch solche seiten zementiert wird. das solche seiten, das was wir hier als krank bezeichnen fördern und das gefühl, nur der körper zähle verstärken ("Hab schon wieder einen Döner gegessen! Ich bin so eine fette, verfressene, undisziplinierte Sau!" - nach nichts anderem wird gefragt...) natürlich ist es hilfreichen Ursachen zu beseitigen, aber Sie sagen ja auch, dass diese zu vielfältig und kompliziert sind, um einfach gelöst zu werden... Deshalb halte ich den "verantwortungsbewussten" (was auch immer das sein mag) Umgang mit ... Menschen, gerade mit psychisch angeschlagenen menschen, für richtig und wichtig - und genau so versteh ich auch das vorgehen gegen pro ana seiten
[vergleichbar mit der Forderungen des Psychologen vorsichtiger mit meldungen über selbstmord umzugehen in einem anderem spiegel artikel - sry zu faul gerade link zu suchen - oder ebenso vergleichbar mit der idee über die modenschaues oder mit anderen moderatorinnen ein anderes bild zu vermitteln...]
MfG
Maxi456 (23.02.2008, 20:30 Uhr)
@ esteleas
können Sie mir 5 Moderatorinnen nennen die NICHT an der unteren Grenze ihres BMI stehen?
das die Krankheit mehr als nur eine Ursache hat, da stimme ich Ihnen zu.
aber ich denke ein sehr großer Fehler ist das wir in unserer Gesellschaft eine zu starke Fixierung auf das Körpergewicht haben (vor allem bei Frauen) und die sich eben auf beeindruckbare Kinder überträgt:
wenn ich dünn bin, bin ich beliebt
wenn ich dünnER bin ,bin ich beliebtER.
An den individuellen Familiensituationen ist es schwieriger ran zu kommen als an das was jeden Tag in der Glotze läuft,
deswegen ist es wohl am einfachsten erst mal dort anzusetzen und nicht zu versuchen Webseiten zu verbieten.
mein Kommentar war aber vor allem gegen diesen Trottel gerichtet der meint man müsste die Webseiten verbieten/löschen und schon währe heile Welt.
esteleas (23.02.2008, 20:03 Uhr)
beeindruckend...
unhilfreich und unangebracht find ich die bisherigen kommentare
(sooft ich auch online lese, den drang zu kommentieren fühle ich eigentlich selten) Aber die Kommentare hier hauen mich einfach nur um. Nicht nur das umgekehrte Verhältnis von Komplexität der Krankheit und Länge der Kommentare sondern gleich dazu auch noch die Oberflächlichkeit.
Wenn ich mich recht entsinne steht es auch in den Artikeln des Sterns: Heutzutage geht man von einer Vielfalt der Ursache aus. Gesellschaftliche Ideale (dünn sein à la Keira Knightley etc) sind nur eine Ursache und bei weitem nicht die Entscheidende. Eine gewisse emotionale Verletzbarkeit (im Sinne von Empfindlichkeit, eben eine besondere Art mit Ereignisse umzugehen) werden meist noch mit angeführt und oftmals auch prägende Ereignisse (auf die besonders im Zusammenhang mit dem Kommentar von ernst1 noch mal zurück kommen möchte) Und ja, "wem gefällt denn sowas?" Meistens spielen äußere Umstände eine große Rollen, und jetzt meine ich als Auslöser nicht als Ursache. Spöttische Kommentare über die Figur der großteils der Magersüchtigen fängt damit im Kinder bzw. Jugendalter sein, und Kinder können grausam sein. vor allem weil die wenigsten auch nur die geringste Ahnung haben, was sie anrichten) und der Entschluss zum Hungern, die Ergebnisse vor allem werden dann Lob und Respekt quittiert. Besonders verheerend wenn den Mädchen (ich schreib jetzt einfach mal Mädchen, oder jungen Frauen, das Gefühl gegeben wird, ausschließlich ihre Figur zähle. Und daran ist zwar die Gesellschaft schuld, aber weniger die Gesellschaft als Ganzes als mehr das konkrete Umfeld der Person (@ Maxi 456) - und besonders häufig die Familie. Und da ist der Kommentar von ernst1 so dermaßen falsch (ich bin selbst nicht magersüchtig, und männlich... nichtsdestotrotz) dass es für mich fast schon wie eine Beleidigung klingt. Wissen Sie, ernst1, wie oft sich "instabile Familienverhältnisse" bei Menschen mit Essstörungen finden? - Die (beinah sprichwörtliche) "überprotektive Mutter" oder ein schlechtes Verhältnis der Eltern zueinander, das Kind oftmals dazwischen. Die Unmöglichkeit stabile emotionale Beziehungen zu den Eltern aufzubauen und im schlimmsten Fall auch noch (leider zu viel oft) sexueller Missbrauch. Und ich möchte mal gern sie, wie einer junger Frau mit einer solche Lebensgeschichte dann saggen "Jeder ist seines Glückes Schmied" Der Satz ist einfach nur ein Hohn und verkennt völlig die Pathogenese einer Esstörung. Haben Sie je schonmal einen essgestörten Menschen kennengelernt und sich versucht einen Eindruck zu verschaffen, was solche Menschen durchgemacht haben, und natürlich auch meist noch durchmachen? Zugegeben muss der Lebenslauf nicht immer all diese Szenarien verhalten, nichtsdestotrotz geht der zweiter Teil des Kommentars dermaßen an der Realität vorbei. - Das zweite was solche Menschen brauchen könnten, außer Mitleid, ist Hilfe - und keineswegs solche Sprüche. Keiner der Menschen, die an einer Essstörung leiden (es gibt kein keiner und es gibt kein alle, trotzdem besitz ich mal die chuzpe es so zu schreiben) sind selbst daran Schuld. Dennoch sind die leider die wenigstes selbst in der Lage damit fertig zu werden. Und immernoch kann auch viel zu wenigen geholfen werden.
Ernst1 (23.02.2008, 17:56 Uhr)
Die können enem nur Leid tun
Aber jeder ist seines Glückes Schmied
Maxi456 (23.02.2008, 16:31 Uhr)
verbote...
man könnte auch versuchen Selbstbewusste Frauen mit nem ordentlichen Körper zu promoten und nicht diese Klappergestelle die aussehen wie Jungs:
kein hintern und keine Oberweite... wem gefällt denn sowas?
Alex64 (23.02.2008, 13:54 Uhr)
Krank
... ist krank und bleibt es auch.
MEHR ZUM ARTIKEL
Essstörungen Die Sucht, immer weniger zu werden

Sie ist eine der gefährlichsten psychischen Krankheiten: Jede zehnte Magersüchtige stirbt an den Folgen des Hungerns. Auch Bulimie oder krankhafte Essanfälle lassen den Alltag zur Hölle geraten. Psychotherapie hilft, dem Teufelskreis zu entkommen. mehr...

Magersucht bei Männern Wenn Hungern die Gefühle ersetzt

Anfangs dachten alle, er wolle nur ein bisschen sportlicher sein. Dann rutschte Benedikt Sturm in eine besonders aggressive Form der Magersucht ab. Er hungerte und erbrach das Wenige, was er aß. mehr...

Düsseldorfer Modemesse Magermodels runter vom Laufsteg

Bundesgesundheitsministerin Schmidt und die deutsche Modebranche vereinen sich im Kampf gegen die Magersucht. Auf der Düsseldorfer Modemesse waren sie sich einig: Klapprigen Mannequins soll hierzulande kein Platz auf dem Laufsteg mehr eingeräumt werden. mehr...

MEHR ZUM THEMA
powered by wefind WeFind
Verwandte Fragen

Sie kennen die Antwort? Beantworten Sie die Frage hier oder senden Sie selber eine Frage