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19. Februar 2007, 12:24 Uhr

Bei Anruf Rauchstopp

Eine Schwangerschaft ist der beste Grund, mit dem Rauchen aufzuhören. Doch wie bei jeder Sucht fällt das oft schwer, selbst wenn es dem Kind schadet. Eine Raucherberatung hilft - mit regelmäßigen Anrufen bei der Schwangeren.

Rauchen während der Schwangerschaft schadet dem Kind - die Raucherberatung will den Ausstieg aus der Sucht erleichtern© Michaela Rehle/DDP

Zigarettenrauch ist schädlich für Kinder; vor allem in der Schwangerschaft sollen werdende Mütter nicht rauchen, weil sonst das Risiko von Fehlgeburten oder auch Fehlbildungen steigt. Doch der Griff zur Zigarette ist eine Sucht, von der oft nur schwer aus eigener Initiative loszukommen ist. 2003 gründeten deshalb der Verein Schlafmedizin Sachsen und der Verein Babyhilfe Deutschland als Pilotprojekt eine deutschlandweit geschaltete Telefonberatung: die proaktive Raucherberatung für Schwangere und Mütter von Säuglingen.

26 Prozent aller Frauen hören auf

Nicht die Betroffenen greifen hier zum Hörer. Sie werden angerufen - nicht nur einmal, sondern in regelmäßigen Abständen, meist bis das Baby ein Jahr alt ist. Diplompsychologin Beate Walter, eine der vier Beraterinnen, kann sich gut in ihre Klientinnen hineinversetzen. Auch sie war früher Raucherin, doch als sie schwanger wurde, hörte sie von einem Tag auf den anderen auf. "Wichtig bei den Gesprächen ist es herauszufinden, in welchen Situationen bevorzugt zur Zigarette gegriffen wird und welche Entzugssymptome auftreten", sagt Walter. Dann könne sie in den Einzelgesprächen individuelle Strategien entwickeln und Ersatzhandlungen für das Rauchen finden.

Der Erfolg des Pilotprojektes kann sich sehen lassen: Von den bislang 211 betreuten Frauen haben fast 26 Prozent das Rauchen komplett aufgegeben, immerhin 42 Prozent greifen seltener zur Zigarette. Etwa zehn Prozent der bisher beratenen Frauen stammen nicht aus Sachsen.

"Eine Schwangerschaft ist die größte Motivation, mit dem Rauchen aufzuhören", sagt Ekkehardt Paditz, Vorsitzender der Babyhilfe Deutschland und Initiator des Pilotprojektes. Am Uniklinikum Dresden untersuchte Paditz Ursachen für den plötzlichen Kindstod. Rauchen, so der Mediziner, erhöht das Risiko der Säuglingssterblichkeit um das Achtfache. Das Team um den Professor arbeitet eng mit Frauenärzten und Hebammen zusammen. In deren Praxen werden Schwangere auf die Raucherberatung aufmerksam gemacht und können ihre Telefonnummern hinterlassen.

Telefonische Beratung auch in Hamburg

Auch Sindy Schnabel aus Dresden wurde von ihrer Gynäkologin angesprochen und hat diese Chance genutzt. Seit der Geburt ihrer Tochter raucht die junge Frau zwar wieder die eine oder andere Zigarette, aber während der Schwangerschaft hatte sie es geschafft, mit dem Rauchen aufzuhören. Als Kontrolle habe sie die Anrufe nicht empfunden, im Gegenteil. "Mir hat das unheimlich geholfen, weil jemand von außen drauf geschaut hat."

Im Januar wurde die Babyhilfe Deutschland für ihr Engagement belohnt. Sie gehörte zu den Preisträgern des 1. Sächsischen Gesundheitspreises der AOK Sachsen und erhielt 10.000 Euro. Ein Teil des Preisgeldes fließt in die Raucherberatung. Auch in Hamburg gibt es seit dem vergangenen Oktober eine solche Telefonberatung - ein Gemeinschaftsprojekt des Zentrums für Interdisziplinäre Suchtforschung der dortigen Uni und der Hamburgischen Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitsförderung.

Kleine Schritte statt Wunder

Die Ärztin Katharina Heisch von der Kinder- und Jugendklinik des Neustädter Krankenhauses in Dresden ist von Anfang an dabei und weiß, dass sie und ihre Kolleginnen keine Wunder vollbringen können. "Frauen, die zehn Jahre lang täglich zwei Schachteln Zigaretten rauchen, werden nicht von heute auf morgen aufhören." Aber jede nicht gerauchte Zigarette sei schließlich besser für das Kind.

Raucherberatungstelefone Dresden: 01805/099555
Hamburg: 01805/505909

Grit Krause/DPA
 
 
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