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14. Juli 2009, 10:11 Uhr

Mädchen lebt zehn Jahre mit zwei Herzen

Mediziner sprechen von einem Wunder: Hannah Clark kam mit einem Herzfehler auf die Welt, als Kleinkind erhielt sie ein Spenderorgan, das neben ihrem eigenen in ihrer Brust schlug. Vor drei Jahren mussten Ärzte das fremde Herz entfernen. Jetzt führt die junge Britin ein normales Leben.

Transplantation, Herz-Transplantation, Organspende

Hannah Clark hat die schwere Zeit überstanden - nun schmiedet die 16-jährige Zukunftspläne© Daniel Hambury/DPA

Schon als Säugling hatte Hannah Clark aus Wales einen lebensgefährlichen Herzmuskelfehler. 1995 setzten ihr Ärzte im Londoner Harefield Hospital ein Spenderherz von einem fünf Monate alten Baby ein. Dieses übernahm die Funktionen des eigenen Herzens - wurde sozusagen parallel zu ihrem richtigen Herz "angeschlossen". "Das Spenderherz gab Hannahs eigenem eine lange Ruhepause, damit es sich erholen konnte", erklärt der Chirurg Magdi Yacoub vom Imperial College.

Doch wie bei vielen Transplantationen traten Komplikationen auf: Damit Hannahs Körper, dass fremde Herz nicht abstieß, musste sie Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrückten. Dies löste aber eine spezielle Krebserkrankung aus. Hannah musste so eine Chemotherapie über sich ergehen lassen und saß zeitweise im Rollstuhl.

Genesung ähnelt einem Wunder

Einige Jahre nach der Operation zeigte sich, dass das Spenderherz beeinträchtigt war, weil die Ärzte die Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems reduzieren mussten. Hannahs Körper begann, das Spenderherz abzustoßen. "Das Leben war wie eine Achterbahnfahrt - mit vielen Tiefs. Aber Hannah hat immer gekämpft", sagt Vater Clark.

Im Jahr 2006 entschieden die Ärzte, das fremde Herz zu entfernen - Hannahs eigenes Herz hatte sich erholt. "Diese Methode ist unter den gegebenen Umständen einzigartig", sagt Yacoub. Er selbst habe nicht immer an den Erfolg geglaubt. "Hannah war zeitweise sehr sehr krank. Sie konnte nicht atmen - viele hätten aufgegeben, aber sie nicht". Es sei ein Wunder, dass sich das Mädchen erholt habe.

Viele Kinder warten auf Spenderherz

Hannah konnte die Medikamente absetzen und hat sich nun - dreieinhalb Jahre nach der zweiten Operation - vollkommen von den Krankheiten erholt. "Nun habe ich ein normales Leben wie all meine Freunde", sagte sie. Hannah treibt Sport und kümmerst sich um ihre Tiere - das sind ihre großen Leidenschaften. Außerdem schmiedet sie Zukunftspläne: Wenn sie älter ist, will sie einmal in der Kinderbetreuung arbeiten. Hannah wünscht sich aber vor allem, dass mehr Menschen Organe spenden, schließlich hat ihr das das Leben gerettet. Und nach Angaben der Ärzte warten noch viele Kinder mit ähnlichen Problemen auf ein Spenderherz. Über die Details von Hannahs Fall berichten sie im Fachmagazin "Lancet".

DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
String-Theoretiker (14.07.2009, 15:49 Uhr)
Leben um jeden Preis?
Ich habe vor zwei Jahren die Organe meines Mannes freigegeben. Seither mache ich mir große Vorwürfe. Ich wusste eigentlich das er das nicht wollte - aber unter dem Druck der Ärzte konnte ich nicht anders. Es war furchtbar, wie sie mich für den Tod mir unbekannter Menschen verantwortlich gemacht haben. Pfui! Das muss aufhören! Warten - auf den Tod eines anderen - damit ICH leben kann. Nein!
slap882 (14.07.2009, 14:28 Uhr)
Nicht tun ist aber noch schlimmer
@DarkSpir
Hi, sich zurück zu lehnen nach dem Motto "nützt ja eh nix" hilft auch nicht.
Derzeit ist ein Spenderorgan halt oft die einzige Methode ein Leben zu retten. Das heißt es müssen mehr Leuts als bisher motiviert werden, das Kärtchen bei sich zu tragen. Auch wenn es nicht für alle reicht - jedes Organ mehr ist ein Gewinn.
LG
Sven
herdubreid (14.07.2009, 12:08 Uhr)
Tapferes Mädchen...
...hoffentlich bleibt ihr weiteres erspart und sie kann ihr Leben in Gesundheit verbringen. Alles Gute, Hannah!
DarkSpir (14.07.2009, 11:47 Uhr)
Organspende
Mein Opa hat seine Organe zur Spende frei gegeben. Allerdings sind sie bei seinem Tod nicht gespendet worden, der Krebs hatte in seinem Körper gewütet. Auch wenn das jetzt markaber klingt, aber: Selbst wenn wir unsere Organe zur Spende frei geben, dann haben diejenigen, die eine Organspende benötigen, nur dann etwas davon, wenn wir "relativ gesund" sterben. Was hat ein kranker Mensch von einem 90 Jahre alten Herz?
Gleichzeitig arbeiten wir intensiv daran, unser Leben länger und sicherer zu machen, wir versuchen alles zu tun, dass im Straßenverkehr möglichst wenige Todesopfer (junge, gesunde Organspender) auftreten und die moderne Medizin versucht aus unseren alten Körpern noch das Letzte an Lebenskraft raus zu holen. Da bleiben dann am Ende nur alte Organe übrig, die keiner mehr für Transplantationen verwenden kann.
Und gleichzeitig, wenn es jetzt nicht gerade eine Niere ist, möchten wir unsere Organe behalten, solange wir sie noch brauchen. Also hat ein Transplantatempfänger von einem gesteigerten Spendewillen in der Bevölkerung nur dann was, wenn zum richtigen Zeitpunkt einer tot umfällt und innerlich noch relativ gesund ist. Mehr Leute, die Organe spenden? Ich denke nicht, dass so das Problem gelöst wird.
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