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31. März 2009, 22:05 Uhr

Krebserreger in Gummiprodukten

Gibt es ein Auto, bei dem eine einstündige Fahrt dem Konsum von 1000 Zigaretten entspricht? Das gibt es. Der Tüv Rheinland hat es entdeckt. Quelle der Schadstoffe ist der Plastiküberzug des Lenkrades. Dort lauern krebserregende Stoffe - ebenso wie in Gummi-Reifen, Werkzeuggriffen und Badelatschen.

Viele Gummi- und Kunststoffprodukte sind mit gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet. Tester des Tüv Rheinland stellten in 21 von 27 geprüften Produkten eine erhöhte Konzentration von Polyzyklisch aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) fest. Die Ergebnisse seien alarmierend, teilte der Tüv am Dienstag in Köln mit. Teilweise seien die empfohlenen Richtwerte um mehr als das Hundertfache überschritten worden. PAK gelten als krebserregend. Sie sind in Teerölen enthalten, die als Weichmacher eingesetzt werden, und in Tabakrauch. Gesetzliche Grenzwerte gibt es bislang nicht.

Die Tüv-Mitarbeiter hatten im März in Baumärkten und Billigläden verschiedene Produkte gekauft - zum Beispiel Werkzeuge mit gummierten Griffen, Badelatschen oder Reifen. Ein Bezug für ein Autolenkrad etwa wies eine PAK-Konzentration auf, die das 140-fache der Orientierungswerte betrug. Hier seien die Risiken besonders hoch, weil ständiger Hautkontakt besteht. "Wenn der Fahrer eine Stunde lang mit dem Auto unterwegs ist, nimmt er in dieser Zeit eine PAK-Menge auf, die dem Konsum von 1000 Zigaretten entspricht", sagte TÜV-Sprecher Hartmut Müller-Gerbes.

Schadstoffe leicht zu vermeiden

Die hohen Schadstoffmengen ließen sich leicht vermeiden und würden von der Industrie nur aus Kostengründen eingesetzt, kritisierte Tüv-Experte Ansgar Wennemer. "Anstelle von sauberen Mineralölen werden in Gummi- und Kunststoffprodukten als Weichmacher billige Teeröle benutzt." Diese haben häufig einen hohen PAK-Gehalt. Betroffen seien vor allem Produkte aus dem unteren Preissegment, da dort bei der Herstellung besonders gespart werden müsse.

Der Tüv fordert gesetzliche Vorgaben, damit Produkte mit erhöhter PAK-Konzentration aus den Läden verschwinden. Bislang gebe es nur Orientierungswerte, auf die sich Vertreter von Handel und Prüfinstituten 2005 im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung geeinigt hätten.

 
 
KOMMENTARE (2 von 2)
 
ganzbaf (01.04.2009, 10:50 Uhr)
Weichmacher ganz verbieten

Kautschuk ist besser.
Und etwas teurer.
Joe67 (01.04.2009, 08:56 Uhr)
Vergleich irreführend
Sicher sind PAKs gefährlich. Der Vergleich mit Tabakrauch ist allerdings falsch, da im Tabakrauch eine Vielzahl von krebserregenden Stoffen sind, die in ihrer Gesamtheit deutlich krebserregender sind. Daher bedeutet 1000 Mal mehr PAKs wie in einer Zigarette nicht dass eine die Krebsgefahr so hoch wie bei 1000 Zigaretten ist.
Diese Taktik der Tabakindustrie ist alles andere als neu. Als die ersten Studien über das Krebsrisiko des Rauchens aufkam, wurde die Krebsgefahr von anderen alltäglichen Stoffen (sogar Brot) betont um die Warnung zu relativieren ("ist ja alles krebserregend"). Zwar wird heute die Gefahr des Rauchens nicht mehr wirklich in Frage gestellt, aber beim Passivrauchen und der Thematik 3rd hand smoke (z.B. in einem Raucherauto zu fahren, in dem die Schadstoffe des kalten Rauchs auf einen einwirken) gibt es Gebiete in denen die Tabaklobby versucht massiv Einfluss zu nehmen. Schließlich ist in Mietwägen das Rauchen noch erlaubt, obwohl die Schadstoffbelastung dort für die nachfolgenden Kunden erheblich ist.
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