Die Bundesregierung hat die Pflegereform auf den Weg gebracht. Nun werden die Pflegesätze angehoben und neue "Pflegestützpunkte" sollen Hilfe anbieten. Doch der Beitragssatz steigt - und der bezahlte Pflegeurlaub kommt aucht nicht. Ein Überblick.

Die Hände einer pflegebedürftigen Frau umfassen in einem Seniorenheim den Haltegriff über ihrem Bett© Thomas Kienzle/AP
Die Pflegeversicherung wird zwölf Jahre nach ihrer Einführung erstmals umfassend reformiert. So sieht auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in dem Kabinettsbeschluss einen "großer Schritt" für Millionen Pflegebedürftige, Angehörige und Pfleger. Mit jährlich 2,5 Milliarden Euro zusätzlich aus Beitragsmitteln sollen Pflegesätze erstmals angehoben und Betroffene besser beraten werden. Trotz des Widerstands der Union plädierte Schmidt weiter dafür, Angehörigen bis zu zehn Tage bezahlten Urlaub für die Organisation von Pflege zu gewähren.
Bezahlte Freistellung soll kommen - irgendwann
Bezahlte Freistellung für Angehörige, die zuhause einen Pflegefall organisieren müssen, werde "irgendwann Realität", sagte Schmidt. Im Deutschlandfunk ergänzte sie: "vielleicht in der nächsten Legislaturperiode". Man werde aber sehen, was der Plan der SPD-Fraktion erbringe, dieses im nun folgenden parlamentarischen Verfahren noch durchzusetzen. Der Entwurf sieht eine unbezahlte Freistellung vor. Neu ist auch die Möglichkeit, sechs Monate Pflegezeit ohne Lohnersatz zu nehmen.
Nach Aufsehen erregenden Berichten über schlechte Zustände in vielen Heimen zeigte sich Schmidt optimistisch, dass es künftig "so wenig Missstände wie möglich" geben werde. Alle drei statt heute alle fünf Jahre soll es Kontrollen geben, dazu bei 20 Prozent der Einrichtungen jährlich unangemeldete Prüfungen. Verständliche Berichte über die Qualität der Heime in der Umgebung sollen dann für jeden im Internet per Mausklick zu finden sein. Von Prüfungen und ihrer Dokumentation erhofft Schmidt sich "mehr Wettbewerb". Unnötige Klinik-Einweisungen etwa am Wochenende sollen notfalls durch die Einstellung neuer Heimärzte vermieden werden.
DPA