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25. April 2008, 11:08 Uhr

Das ändert sich durch die Reform

Pflegeversicherung

Die Bundesregierung hat die Pflegereform auf den Weg gebracht. Nun werden die Pflegesätze angehoben und neue "Pflegestützpunkte" sollen Hilfe anbieten. Doch der Beitragssatz steigt - und der bezahlte Pflegeurlaub kommt aucht nicht. Ein Überblick.

Die Hände einer pflegebedürftigen Frau umfassen in einem Seniorenheim den Haltegriff über ihrem Bett© Thomas Kienzle/AP

Die Pflegeversicherung wird zwölf Jahre nach ihrer Einführung erstmals umfassend reformiert. So sieht auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt in dem Kabinettsbeschluss einen "großer Schritt" für Millionen Pflegebedürftige, Angehörige und Pfleger. Mit jährlich 2,5 Milliarden Euro zusätzlich aus Beitragsmitteln sollen Pflegesätze erstmals angehoben und Betroffene besser beraten werden. Trotz des Widerstands der Union plädierte Schmidt weiter dafür, Angehörigen bis zu zehn Tage bezahlten Urlaub für die Organisation von Pflege zu gewähren.

Bezahlte Freistellung soll kommen - irgendwann Bezahlte Freistellung für Angehörige, die zuhause einen Pflegefall organisieren müssen, werde "irgendwann Realität", sagte Schmidt. Im Deutschlandfunk ergänzte sie: "vielleicht in der nächsten Legislaturperiode". Man werde aber sehen, was der Plan der SPD-Fraktion erbringe, dieses im nun folgenden parlamentarischen Verfahren noch durchzusetzen. Der Entwurf sieht eine unbezahlte Freistellung vor. Neu ist auch die Möglichkeit, sechs Monate Pflegezeit ohne Lohnersatz zu nehmen.

Nach Aufsehen erregenden Berichten über schlechte Zustände in vielen Heimen zeigte sich Schmidt optimistisch, dass es künftig "so wenig Missstände wie möglich" geben werde. Alle drei statt heute alle fünf Jahre soll es Kontrollen geben, dazu bei 20 Prozent der Einrichtungen jährlich unangemeldete Prüfungen. Verständliche Berichte über die Qualität der Heime in der Umgebung sollen dann für jeden im Internet per Mausklick zu finden sein. Von Prüfungen und ihrer Dokumentation erhofft Schmidt sich "mehr Wettbewerb". Unnötige Klinik-Einweisungen etwa am Wochenende sollen notfalls durch die Einstellung neuer Heimärzte vermieden werden.

DPA

Beitragssatz

Der Pflegebeitrag soll zum 1. Juli 2008 um 0,25 Punkte erhöht werden - auf 1,95 Prozent (2,2 Prozent für Kinderlose). Die höheren Pflegebeiträge entsprechen Zusatzeinnahmen von rund 2,5 Milliarden Euro jährlich und sollen bis 2015 ausreichen. Eine weitere automatische Steigerung der Leistungen könnte nach Einschätzung aus dem Ministerium später mit einem um 0,35 Punkte höheren Beitragssatz finanziert werden.

Bewertung: Kritiker meinen, mit diesen Einnahmen würden die Probleme der älter werdenden Gesellschaft mit der erwarteten Zunahme der Zahl der Pflegebedürftigen von rund zwei auf drei Millionen bis 2030 längerfristig nicht gelöst. Nach Ansicht der Diakonie reicht die Erhöhung wegen großen Nachholbedarfs in Pflegeeinrichtungen selbst für die geplanten Verbesserungen nicht.

Pflegestützpunkte

In wohnortnahen Pflegestützpunkten für jeweils 20.000 Einwohner sollen Versicherte beraten werden. Ihre Pflegeberater - zuständig jeweils für 100 Fälle - sollen den Hilfe-Bedarf ermitteln, individuelle Versorgungspläne erstellen und die Durchführung überwachen. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollen dort Rat und Hilfe an einer Anlaufstelle bekommen, um den Bürokratieaufwand gering zu halten. Als Anschubfinanzierung stellt der Bund bis 2011 insgesamt 60 Mio. Euro zur Verfügung. Damit sollen bundesweit 3000 Stützunkte eingerichtet werden. Es bleibt allerdings den Ländern überlassen, ob sie das Angebot nutzen.

Bewertung: Angesichts der unübersichtlichen Situation für neue Pflegefälle wird bessere Beratung überwiegend als nötig angesehen. Es gibt aber Stimmen, die dies Wohlfahrtsverbänden und Kassen überlassen wollen.

Leistungen

Die Pflegesätze sollen erstmals seit 1995 erhöht werden. Im ambulanten Bereich sollen die Leistungen in Pflegestufe eins von 2008 bis 2012 schrittweise von 384 auf 450 Euro steigen, in Pflegestufe zwei von 921 auf 1100 Euro und in Pflegestufe drei von 1432 auf 1550 Euro im Monat. Bedürftige können Leistungen etwa in der Nachbarschaft gemeinsam in Anspruch nehmen und mit dem gesparten Geld weitere Leistungen kaufen. Die stationären Pflegesätze der Stufen eins und zwei bleiben unverändert, in Stufe drei steigen sie von 1432 auf 1550 Euro und von 1688 auf 1918 Euro bei Härtefällen. Nach 2015 werden die Leistungen alle drei Jahre angepasst.

Bewertung: Experten halten die Verbesserungen für nötig, vielfach aber für nicht ausreichend.

Altersverwirrte Menschen

Für die ambulante Betreuung von Demenzkranken wird künftig ergänzend zu den Pflegeleistungen zusätzliches Geld bereitgestellt - für leichte Fälle 100 Euro, für schwere Fälle 200 Euro. Zur Entlastung der Heime sollen für die aufwendige Betreuung von altersverwirrten oder psychisch kranken Menschen von den Pflegekassen sogenannte Betreuungsassistenzen finanziert werden. Für je 25 Menschen werde eine solche Kraft bezahlt. Schmidt geht nach eigenen Worten davon aus, dass es künftig zwischen 3000 und 4000 solcher Stellen geben wird.

Bei Demenz, Alzheimer, psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen sollen die Leistungen von 460 auf bis zu 2400 Euro im Jahr steigen. Erstmals bekommen diese Leistung auch Menschen, die nicht in eine der Pflegestufen eingeordnet sind.

Bewertung: Sozialverbände begrüßen die neuen Leistungen, kritisieren sie aber als zu gering. Der VdK fordert eine zusätzliche neue Pflegestufe, um Demente angemessen zu Hause versorgen zu lassen. Kritisiert wird auch, dass eine Neudefinition von Pflegebedürftigkeit erst im Herbst 2008 geplant ist.

Freistellung für die Pflege

Mit bis zu zehn Tagen Freistellung und der maximal sechsmonatigen Pflegezeit können Angehörige erstmals die Pflege organisieren oder selbst leisten, ohne um ihren Job fürchten zu müssen.

Bewertung: Da beides unbezahlt bleiben soll, spricht die Opposition von Regelungen für Besserverdienende. Die Wirtschaft befürwortet freiwillige Vereinbarungen zwischen Unternehmen und Beschäftigten. Da oft Frauen Pflege leisten, wurde die Auszeit als Programm zu Lasten von Frauen im Beruf kritisiert.

Qualitätsverbesserung

Für die Qualität der Einrichtungen werden Standards festgelegt. Alle drei Jahre kontrolliert der Medizinische Dienst der Kassen die Einrichtungen regulär. Hinzu kommen unangemeldete Kontrollen in mindestens einem Fünftel der Einrichtungen pro Jahr. Die Versicherten sollen per im Internet veröffentlichten Prüfberichten die einzelnen Heime besser einschätzen können. Ab 2009 müssen die Heime zudem eine Zusammenfassung der zurzeit noch alle fünf Jahre stattfindenden Prüfungen aushängen.

Bewertung: Angesichts massiver Missstände in einem Teil der Heime wird bessere Qualitätssicherung überwiegend begrüßt. Der Medizinische Dienst bemängelte, die Träger der Einrichtungen bekämen bei der Entwicklung der Standards und teils bei den Prüfungen selbst zu großen Einfluss.

Private Pflegeversicherung

Die Mitnahmefähigkeit der Alterungsrückstellungen wird auch für die Private Pflegeversicherung eingeführt. Kassenwechsel werden erleichtert.

KOMMENTARE (5 von 5)
 
Helmers (26.04.2008, 20:57 Uhr)
In der Pflege 10 Euro mehr, da kann man sagen des ist doch garnix!
Was glauben die Politiker, zuerst verarschen sie die Rentner und nun die schwerstbehinderten mit 10 Euro mehr, was glauben die, wie lange wir uns das gefallen lassen. Die Pflegepreise laufen aus dem Ruder zusammen mit der Inflation. Während die Diäten und Renten der Politiker maßlos erhöht werden, speist man die Pflege von schwerstbehinderten Menschen mit 10 Euro ab. Wahltag ist Zahltag, wo bleiben die Sozialverbände und protestieren dagegen?
Tiger07 (18.10.2007, 08:46 Uhr)
Warum eigentlich nicht über Steuern finanzieren?
Warum finanziere ich, 54, seit Beginn der Pflegeversicherung Leute, die aufgrund ihres Alters nie in die Pflegeversicherung einbezahlt haben? Deren Kosten sollten aus dem Steuertopf bezahlt werden, meine Beiträge und die meiner Generation sollten angesammelt werden, damit es später nicht wieder heißt, die Alten reduzieren aufgrund hoher Kosten für Pflege etc. die finanziellen Spielräume der Jungen.
Facti (17.10.2007, 22:55 Uhr)
Narrhallamarsch, helau
mal wieder wie üblich viel zu laut dumm gequakt, den rechtzeitigen
Absprung verpennt und dann zum wiederholten Mal auf unsere Kosten auf den dicken Bauch (das nächste Mal bitte auf den Hinterkopf wg. der leichten Schläge) geklatscht, unsere rheinische Frohnatur Ulla. Nix passiert, meint Sie dummfröhlich wie immer; mich kostet mein Versagen ja nix. Rakete, Stufe 1....,..Uups tschuldigung, ich träumte der 11.11. wäre schon vorbei.
D_C_M (17.10.2007, 21:20 Uhr)
Dornröschenschlaf
Pflegeversicherung,nunja welch ein Wunder nach 12 Jahren endlich mal eine neue Reform. Wer hätte das gedacht,welch ein Glanzleistung der Regierung. Die 10 Euro Zuschlag pro Quartal beim Arztbesuch wurde schneller eingeführt. Lassen wir uns einmal überraschen inwieweit sich nun diese neuen Regelungen auswirken. Garnicht !! Wem nützen Sie, bisher nur denjenigen die diese auch benötigten, allso was hat sich verändert, ahja, die Beiträge werden sich wahrscheinlich erhöhen, aber das geht schnell. Nur keine Angst das wird keine 12 Jahre dauern. Alleine schon das Wort PFLEGEVERSICHERUNG ist in dieser Form ein Beleidigung. ich denke mir wenn in der letzten Zeit nicht all die Kontroversen mit den Pflegeheimen und sonstigen Einrichtungen gegeben hätte, wäre die Reform keines Blickes gewürdigt worden. Ein Hoch auf Frau Ulla Schmidt, deren Zusagen alle eingetroffen sind. Mehr zahlen, weniger bekommen. Eines Tages werden wir alle die Auswirkungen solcher Reformen zu spüren bekommen.
PPSS (17.10.2007, 20:36 Uhr)
Pfegeversicherung
es heißt PfLegeversicherung.
Ich schick dann mal 'ne Rechnung für externes Lektorat...
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