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11. Januar 2008, 15:35 Uhr

Stammzelle gewonnen, Embryo intakt?

2006 behauptete Robert Lanza, er hätte embryonale Stammzelllinien gewonnen, ohne einen Embryo zu zerstören. Damals hatte der US-Wissenschaftler seine Ergebnisse stark geschönt. Jetzt legt Lanza nach - doch andere Stammzellforscher zeigen sich wenig beeindruckt.

Die Aufnahme zeigt einen geklonten menschlichen Embryo, der fünf Tage alt ist und sich im Blastozystenstadium befindet© Picture-Alliance/DPA

Einem Team von US-Forschern ist es nach eigenen Angaben gelungen, menschliche embryonale Stammzelllinien zu gewinnen, ohne dabei den Embryo zu zerstören. Dies gelang allerdings nicht immer: Nur 80 bis 85 Prozent der Embryonen entwickelten sich weiter. Zudem froren die Wissenschaftler die Embryonnen im sogenannten Blastotystenstadium ein. "Sie haben nicht gezeigt, dass sich ein Kind daraus entwickeln kann", kommentiert der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Stammzellforschung, Prof. Jürgen Hescheler von der Universität Köln.

Die Methode des Forscherteams um Robert Lanza ähnelt der Präimplantationsdiagnostik (PID), die in Deutschland verboten ist. Mit dieser Methode können durch künstliche Befruchtung gezeugte Embryonen auf Erbkrankheiten untersucht werden, in einigen Ländern wird dies regelmäßig getan. Die Wissenschaftler der US-Firma Advanced Cell Technologies (ACT) berichten im Fachjournal "Cell Stem Cell" (online vorab veröffentlicht) von ihrer Technik. Sie entnahmen 43 im Reagenzglas befruchteten Embryonen in einem sehr frühen Stadium jeweils eine oder zwei Zellen, sogenannte Blastomeren. Daraus gewannen sie insgesamt fünf Stammzelllinien, ihre Methode ist demnach effizient.

Keine Garantie, dass der Embryo nicht geschädigt wird

Ethisch einwandfrei ist sie aber nicht. "Man kann nicht garantieren, dass die Prozedur den Embryo nicht schädigt", betont Prof. Hans Schöler vom Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster. Sein Münchner Kollege Prof. Wolfgang-Michael Franz sieht zudem keinen großen praktischen Wert der Methode: "Welches Ehepaar würde seinen Embryo zur Verfügung stellen, um einzelne Blastomeren entnehmen zu lassen?", gibt der Forscher von der Ludwig-Maximilians-Universität zu bedenken.

Die Gruppe um Lanza war im Jahr 2006 schwer in die Kritik geraten. Sie hatte damals schon behauptet, menschliche embryonale Stammzellen ließen sich zerstörungsfrei gewinnen, lieferte aber keinen Beleg dafür. Die Studie wurde auf die Kritik hin und wegen kleinerer Fehler später "ergänzt".

Programmieren statt zerstören

Ganz ohne die Zerstörung von Embryonen kommt dagegen eine im vergangenen Jahr entwickelte Methode aus: Zwei Forscherteams aus Japan und den USA porgrammierten menschliche Hautzellen ins Embryostadium zurück. So lassen sich theoretisch maßgeschneiderte embryonale Stammzellen für Patienten erzeugen."Die meisten Forscher konzentrieren sich nach meinem Eindruck derzeit auf diese Reprogrammierung", sagt Hescheler. Ob der Durchbruch einmal bei der Reprogrammierung oder bei der Stammzellgewinnung aus dem Embryo erfolgen werde, lasse sich aber noch nicht absehen.

DPA
 
 
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