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21. April 2008, 15:14 Uhr

Keine Schönheits-OP für Jugendliche

In den USA ist die Nasenkorrektur oder Brust-OP zum Schulabschluss kein seltenes Geschenk. In Deutschland warnen Kinder- und Jugendärzte vor diesem Trend. Gesundheitspolitiker fordern jetzt sogar ein Verbot von Schönheitsoperationen an Minderjährigen.

20 Prozent der Jugendlichen wünschen sich eine Schönheits-OP© Colourbox

Am Mittwoch befasst sich der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags in einer öffentlichen Anhörung mit dem Thema. Hintergrund ist ein gemeinsamer Antrag von Politikern von sowohl CDU/CSU als auch SPD mit dem Ziel, Missbräuche bei Schönheitsoperationen zu verhindern. Mehr als eine Million Deutsche sollen sich nach Schätzungen derzeit pro Jahr einer Schönheitsoperation unterziehen, wie es in dem Antrag heißt. Etwa zehn Prozent von ihnen, also rund 100.000, seien jünger als 20 Jahre. Amtliche Zahlen gibt es nicht. Gerade die Entwicklung bei den Kindern und Jugendlichen beunruhigt die Parlamentarier. Nach einer Umfrage des Kinderbarometers der LBS-Initiative "Junge Familien" wünschen sich 20 Prozent der 9- bis 14-Jährigen eine Schönheitsoperation.

Der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach, der auch zu den Antragstellern gehört, sieht ein "verirrtes Schönheitsideal" als treibende Kraft. Kinder würden schon sehr früh darauf vorbereitet, Idealfigur zu entwickeln, und träumten davon, Model zu werden, sagte er im NDR. Ein gesetzliches Verbot ist nach seiner Einschätzung unumgänglich, weil es zu wenig Selbstbeschränkung der Ärzte gebe. Es gehe dabei nicht um medizinisch notwendige Operationen, sondern um echte Schönheitseingriffe wie Brustvergrößerungen, Brustverkleinerungen oder Fettabsaugungen. "So etwas müsste schlicht und ergreifend bei unter 18-Jährigen verboten sein und auch unter Strafe stehen für die Chirurgen, die das machen", forderte Lauterbach.

Empfehlung des Europäischen Parlaments nicht bindend

Zwar gibt es seit 2002 eine Empfehlung des Europäischen Parlaments, Brustimplantationen bei Frauen unter 18 Jahren nur aus medizinischen Gründen zu erlauben. Tatsächlich sind solche Eingriffe aber in Deutschland weiterhin unter der Voraussetzung erlaubt, dass die Eltern oder Erziehungsberechtigten zustimmen. Eine vorherige medizinische Begutachtung muss nicht erfolgen. Für die Sprecherin der Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen, Kerstin van Ark, ist diese Regelung völlig ausreichend: "Wir gehen davon aus, dass sich die Eltern und die Ärzte ihrer Verantwortung bewusst sind", sagte sie, vorausgesetzt, es handele sich um Fachärzte.

Ein viel größeres Problem für sie ist die auch von den Gesundheitspolitikern kritisierte Tatsache, dass praktisch jeder Arzt, also auch jemand ohne entsprechende Zusatzausbildung und Erfahrung, schönheitschirurgische Eingriffe vornehmen darf. Für Patienten sei es auf den ersten Blick schwer zu erkennen, ob ihr Operateur sich in einer sechsjährigen Weiterbildung den Titel "Facharzt für plastische/ästhetische Chirurgie" oder "Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie" erworben habe oder sich schlicht "Ästhetische Chirurgie" aufs Praxisschild geschrieben habe. Van Ark verwies auf Spanien, wo gesetzlich geregelt ist, dass nur Plastische Chirurgen ästhetische Eingriffe vornehmen dürfen. In Deutschland sei eine solche Regelung unter anderem wegen des komplizierten Berufsrechts kaum möglich.

"Seriöse Ärzte werden Jugendliche nicht operieren"

Für die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland, einen Zusammenschluss von Ärzten verschiedener Fachrichtungen, die Schönheits-OPs durchführen, ist ein Verbot solcher Eingriffe an Kindern und Jugendlichen ebenfalls kein Thema: "Seriöse Ärzte werden in Deutschland keine Patienten unter 18 Jahren ästhetisch operieren, es sei denn, es handelt sich um Ohrenkorrekturen, die vor allem bei Kindern zu empfehlen sind", erklärte ihr Präsident, Heinz Bull, im vergangenen Jahr. Er sprach sich klar gegen Brustvergrößerungen oder auch Fettabsaugung bei Minderjährigen aus, denn "der Körper ist noch nicht fertig entwickelt. "Wenn ein Arzt bei diesen Indikationen operiert, sollte der Patient stutzig werden", riet der Professor.

Abstimmung

Sollen Schönheitsoperationen an Minderjährigen verboten werden?

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AP
 
 
KOMMENTARE (6 von 6)
 
aeternitas (22.04.2008, 22:51 Uhr)
Nicht sinnvoll
Schon gar nicht, wenn die Leute noch am Wachsen sind. Das mit den Ohren sehe ich ein, aber was passiert mit denen, die eine Brust-OP oder eine Hintern-OP hatten und dann wachsen und/oder zunehmen? Es ist eine Frage der Proportionen! Oder Fett absaugen bei Jugendlichen. Danach wird die Haut gestrafft aber wie sieht es aus, wenn derjenige noch wächst? Oder mit denen, die sich äußerlich im Gesicht operieren lassen und noch Akne haben??? Das entzündet sich dann u.U. und gibt garstige Narben hinterher. Und nicht jeder Arzt ist so seriös, dass er solche Dinge ablehnt. Vielen geht es nur ums Geld und es kümmert die nicht, dass hinterher ihre Opfer viel mehr entstellt sind als vorher. Die Altersgrenze mit 18 ist daher schon sinnvoll.
Schlimm ist, dass überhaupt Jugendliche der Meinung sind, dass sie das brauchen, weil sie sonst nicht weiterleben können.
Bumpinger (22.04.2008, 08:59 Uhr)
Gerade in jungen Jahren sind Schönheits-OPs wichtig!
Gerade in jungen Jahren sollten Schonheits OPs gemacht werden um ungünstigen Entwicklungen (zu kleine Brüste, dünne Lippen oder dergleichen) schnell zu korrigieren. Unter 18 ist die Chance am größten, hässliche Unfeinheiten auszubügeln. Die jungen Frauen sollen doch den Männern gefallen. Auch in der Küche ist es wichtig, dass eine Frau gut aussieht. Ich fordere daher: Schönheits-OPs für junge Frauen besonders günstig anzubieten.
Polaris (21.04.2008, 17:28 Uhr)
Klassefrauen
Schon Erich Kästner hat die einzig richtige Antwort zu diesem Wahn in seinem Gedicht "Die Klassefrauen" gegeben: "Wenn's doch Mode würde, diesen Kröten
jede Öffnung einzeln zuzulöten!
Denn dann wären wir sie endlich los."
undjetztnochder (21.04.2008, 17:26 Uhr)
@raindeer
Es mag auch Grenzfälle geben wie die Ohren OP. Aber eine Brustvergrößerung oder eine Fettabsaugung sind bei Kindern und Jugendlichen immer kontraindiziert. Leider ist das nicht verboten und kein seriöser Arzt in Deutschland würde einen solchen Eingriff durchführen. Aber: zum Schutz der Patienten vor schwarzen Schafen brauchen wir eine klare Regelung mit der Androhung von Strafverfolgung wie bei einer Körperverletzung. Leider.
Sandygirl (21.04.2008, 17:23 Uhr)
@raindeer
Grenzdiskussionen wird es immer geben. Aber dann muss einfach diskutiert werden, wer entscheidet. Zum Beispiel der Vorschlag, dass nur "echte" plastische Chirurgen (die also auch Risiken und Nebenwirkungen kennen) solche OPs durchführen dürfen, könnte helfen.
Sie finden eine krumme Nase schlimm? Warum eigentlich? Am Leid der Betroffenen können Sie es nicht festmachen - auch die 12 Jährige die einen Brust-OP will, leidet!
Man könnte es lösen, dass es den Schönheits-OP nur in Verbindung mit 10 Stunden beim Psychiater gibt. Was halten Sie davon?
raindeer (21.04.2008, 16:49 Uhr)
das Schwierige dabei ist....
wo will man die Grenze ziehen zwischen medizinisch notwendiger und rein kosmetischer Operation ? Was will man als psychisch belastende Entstellung bezeichnen und was als eingebildeten Makel der auf ein ueberzogenes, spinnertes Schoenheitsideal zurueckzufuerhen ist ? Eine riesige Hakennase sollte man auch bei einer/einem Jugendlichen operieren duerfen, genauso wie abstehende Ohren bei Kindern. Es gibt Brustformen wie z.B. die tubulaere Brust, die allgemein als Entstellung empfunden werden. Da sollte man schon eine OP bei unter 18-jaehrigen erlauben.
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