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7. April 2006, 12:17 Uhr

Rätselraten um Ansteckung der Puten

Experten rätseln, wie das Vogelgrippe-Virus in den sächsischen Putenstall kam: Bei den Wildvögeln in der Region gibt es keinerlei Nachweise von H5N1. Derweil verzögern sich die Keulungen in der Sperrzone.

Abtransport: In einem Geflügelzuchtbetrieb in Wermsdorf werden tote Hühner in einen Container geladen© Sebastian Willnow/DDP

Wissenschaftler des Friedrich-Loeffler-Instituts versuchen zusammen mit örtlichen Veterinären herauszufinden, wie sich das Geflügel in Wermsdorf bei Leipzig mit der Vogelgrippe anstecken konnte. Der Virustyp H5N1 in der auch für den Menschen gefährlichen Asia-Variante war in einem Putenstall der Geflügelfarm nachgewiesen worden.

Experten vermuten, dass das Virus über infizierte Wildvögel oder deren Exkremente in den Mastbetrieb eingeschleppt wurde. Unklar ist, warum die Puten angesteckt wurden, nicht aber die Gänse. Während die Puten die ganze Zeit im Stall waren, durften die Gänse auf Grund einer Ausnahmegenehmigung zeitweise ins Freie.

Rätselhafterweise wurde das Virus bisher nicht bei Wildvögeln im Umkreis der Geflügelfarm festgestellt. Ein Schwan und ein Blesshuhn, die in der Vogelgrippe-Sperrzone in Sachsen tot aufgefunden worden waren, seien negativ getestet worden, sagte ein Sprecher des sächsischen Krisenzentrums. In ganz Sachsen gibt es damit weiter keinen nachgewiesenen Vogelgrippe-Fall bei Wildvögeln.

Technische Probleme verzögern Keulung

Unterdessen verzögert sich die Keulung der insgesamt rund 30.000 Tiere in der Drei-Kilometer-Sperrzone. Eine Sprecherin des regionalen Einsatzstabes sagte, bislang seien in der Geflügelfarm zwar alle rund 11.000 Puten und Hühner getötet worden. Bei der Keulung der Gänse habe es aber unvorhergesehen Probleme gegeben, da die mobile Elektrotötungsanlage ausgefallen sei. Die knapp 5000 Gänse aus dem Zuchtbetrieb sollten nun mit einem geschlossenen Spezialtransporter in den Schlachthof Mutzschen gebracht und dort getötet werden. Der bereits geschlossene Schlachtbetrieb liegt ebenfalls in der Sperrzone.

Die Sprecherin sagte, wegen der Probleme werde voraussichtlich erst am Samstag begonnen, die weiteren rund 14.000 Tiere in der Sperrzone zu töten, die auf 90 Betrieben in der Drei-Kilometer-Sperrzone gehalten werden. Die Keulung war angeordnet worden, um eine Ausbreitung des hochgefährlichen Erregers zu verhindern.

Die in Sachsen erteilten Ausnahmen von der Stallpflicht für Geflügel werden unterdessen vorläufig zurückgenommen. Lediglich Laufvögel wie Strauße und im Zoo lebende Tiere dürfen laut sächsischem Krisenstab weiter im Freien gehalten werden. Landesweit wurden 60 Ausnahmen erteilt. Die Anordnung gilt zunächst bis zum 30. April.

Die meisten Verbraucher sind gelassen

Deutschlands Geflügelzüchter dürfen ihre Erzeugnisse weiter wie gewohnt exportieren. Ein generelles Ausfuhrverbot sei nicht in Sicht, hieß es bei der EU-Kommission in Brüssel. Lediglich der Handel mit Tieren aus einem festgelegten Umkreis um den Seuchenherd sei nach den EU-Regeln vorläufig verboten.

Eine deutliche Mehrheit der Bundesbürger will nach einer repräsentativen Umfrage des ARD-DeutschlandTrends für die "Tagesthemen" weiterhin Geflügelprodukte konsumieren. 75 Prozent der Befragten gaben an, die Vogelgrippe werde keinen Einfluss auf die persönlichen Essgewohnheiten haben. Nur 19 Prozent wollen weniger Geflügelprodukte wie Hühnchenfleisch oder Eier essen. Drei Prozent haben die Absicht, den Verzehr dieser Produkte ganz einzustellen.

DPA/AP/Reuters
 
 
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