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18. Februar 2006, 10:28 Uhr

Seehofer auf Rügen eingetroffen

Bei seinem Besuch auf der von Vogelgrippe betroffenen Insel Rügen hat Horst Seehofer erneut an Bevölkerung und Behörden appelliert: Eine Übertragung der Vogelgrippe auf Nutztierbestände sei mit aller Kraft zu verhindern.

Ein vor der Insel Rügen verendeter Schwan© DPA

Bundesverbraucherminister Horst Seehofer ist am Samstag auf Rügen eingetroffen, um sich dort ein Bild der Lage nach den ersten Vogelgrippefällen zu machen. Er forderte vor Ort die totale Absperrung der Gebiete, in denen die Kadaver der an Vogelgrippe erkrankten Tiere gefunden worden waren. Es komme jetzt alles darauf an, das H5N1-Virus nicht in Nutztierbestände kommen zu lassen, appellierte Seehofer. Dies sei die vordringlichste Aufgabe bei der Bekämpfung der Tierseuche. Der CSU-Politiker wollte nach seinem Besuch auf der Insel das Lagezentrum des mecklenburg-vorpommerschen Innenministeriums in Schwerin besuchen. Auf Rügen sind bisher 13 Fälle von Vogelgrippe nachgewiesen worden.

Seehofer fordert mehr Bundeskompetenz

Unterdessen ist in Deutschland ein Streit um die optimale Bekämpfung der Tierseuche entbrannt. Mehrere Unionspolitiker, vor allem aus den Ländern, widersprachen dabei der Forderung von Verbraucherschutzminister Horst Seehofer nach mehr Bundeskompetenzen und warnten vor einer Verunsicherung der Verbraucher. Unterstützung erhielt er von den Grünen und den Verbraucherverbänden. Angesichts der schleppenden Bergung toter Vögel auf Rügen hatte Seehofer das Krisenmanagement vor Ort stark kritisiert.

Der Unions-Fraktionschef im Bundestag, Volker Kauder, rief kommunale Behörden und Landesregierungen auf, bei der Bewältigung der Vogelgrippe die vom Bund angebotene zentrale Hilfe anzunehmen. In einem Interview der "Leipziger Volkszeitung" mahnte Kauder eine unbürokratische Zusammenarbeit an. Die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn unterstützte Seehofers Forderung ausdrücklich. Im Bremer "Kurier am Sonntag" forderte die Vorsitzende des Agrarausschusses ihrerseits mehr Bundeskompetenzen und sagte, mit "straffen und zentral organisierten Strukturen" könne die Tierseuche viel besser bekämpft werden.

Debatte über Grippemittel

Der bayerische Gesundheitsminister Werner Schnappauf forderte die Bundesregierung auf, sich im Kampf gegen die Vogelgrippe bei der Vorratshaltung antiviraler Medikamente wie Tamiflu stärker zu engagieren. "Der Bund muss entscheiden, wie viel Vorräte nötig sind", sagte er der "Berliner Zeitung".

Das Robert-Koch-Institut bemängelte eine unzureichende Vorbereitung auf eine mögliche Vogelgrippe-Pandemie. Das Institut habe empfohlen, Medikamentenvorräte für mindestens 20 Prozent der Bevölkerung bereit zu halten, sagte Sprecherin Susanne Glasmacher der Zeitung. In Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und anderen Ländern würden aber nur für sechs bis acht Prozent der Bevölkerung Medikamente wie Tamiflu gelagert. Die Vorstandschefin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Edda Müller, warnte vor Panik. "Das Risiko, dass das Virus auf den Menschen übertragen wird, ist in Deutschland gering", sagte sie. Um Seuchen besser bekämpfen zu können, brauche der Bund aber mehr Kompetenzen.

AP, DPA
 
 
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