. .
News am 13.02.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
22. Dezember 2005, 12:00 Uhr

Tamiflu bietet keinen Schutz mehr

Gegen die Vogelgrippe war Tamiflu angeblich das einzige bislang wirksame Mittel - und für den Hersteller Roche ein Riesengeschäft. War. Denn von dem Vogelgrippe-Virus gibt es zunehmend Tamiflu-resistente Varianten.

Sollte das Vogelgrippe-Virus tatsächlich zu einem Pandemie-Virus mutieren, das von Mensch zu Mensch übertragen wird, könnte Tamiflu wahrscheinlich auch keinen ausreichenden Schutz mehr bieten© AP

Weltweite Ausbreitung der Vogelgrippe

Das Vogelgrippe-Virus kann gemäß Ärzten schell zu einem neuen Typ mutieren, der gegen das bislang wirksame Medikament Tamiflu des Schweizer Pharmakonzerns Roche resistent ist.

Vier von acht mit der Vogelgrippe infizierte Patienten seien trotz der Einnahme von Tamiflu gestorben, schreibt Dr. Menno de Jong von der Klinik für Tropenkrankheiten in Ho Chi Minh-Stadt in der Medizinfachzeitschrift "New England Journal of Medicine". Tests zeigten, dass das Virus bei zwei Erkrankten eine Resistenz gegen Tamiflu entwickelt habe. Und bei einem Patienten sei Tamiflu bereits in einem frühen Stadium der Krankheit verabreicht worden, wie empfohlen.

"Es wird langsam klar, dass wir zur Behandlung der Vogelgrippe mit Neuraminidase-Hemmern (wie Tamiflu) höhere Dosen und längere Behandlungszeiträume brauchen, um Erfolge zu erzielen", sagte Dr. Anne Moscona, Expertin für Kinderviruskrankheiten an der Cornell University in New York.

Das Vogelgrippe-Virus vom Typ H5N1 hat seit 2003 bisher 71 Menschenleben in Indonesien, Thailand, Vietnam, China und Kambodscha gefordert.

Die Ansteckungsgefahr bei H5N1 ist nicht hoch, jedoch befürchten Experten eine Mutation des Virus zu einer Variante, die direkt von Mensch zu Mensch überspringt und sich so zu einer Pandemie entwickelt, die Millionen Opfer fordern könnte.

"Das ist derzeit keine pandemische Variante", sagte David Ready, Leiter der Roche Grippepandemie-Task Force in einer Telefonkonferenz.

Bisher seien 138 Infektion mit H5N1 bekannt geworden, von denen 31 mit Tamiflu behandelt wurden, so Roche.

Im Oktober hatte ein 14-jähriges vietnamesisches Mädchen eine Infektion mit H5N1 nach der Behandlung mit Tamiflu überlebt. Allerdings wurde danach in ihrem Körper eine gegen das Mittel resistente Variante des Virus gefunden.

Reuters

Wie ein Pandemievirus entstehen könnte

Auf vier Wegen kann aus einem "normalen" Grippevirus ein weltweiter Killer werden. "Shift" nennen Forscher die genetische Neukombination aus einem menschlichen und einem tierischen Virus.

Dazu kann es im Schwein kommen, das sich leicht sowohl mit Vogelviren als auch mit vor allem beim Menschen verbreiteten Influenza-Erregern anstecken kann. Aber auch im Menschen ist ein "Shift" möglich, wenn etwa ein Vogelvirus auf ein herkömmliches menschliches Grippevirus trifft und es zwischen beiden zu einem genetischen Austausch kommt. Verändern kann sich aber auch ein einzelner Virusstamm durch Mutation. Ein solcher"Drift"-Prozess ist im Schwein ebenso möglich wie direkt beim Menschen.

Verkaufsrenner Tamiflu Das vom Pharmakonzern Roche in Basel produzierte Mittel, das angeblich gegen jeden Grippetyp hilft, ist zum Verkaufsrenner geworden.

Kritiker jedoch sehen angesichts zunehmender Resistenzen in Tamiflu eher eine "Beruhigungspille für Leute, die Angst haben vor der Vogelgrippe". Sehr beruhigend allerdings sind die Umsätze für den Hersteller Roche: Von Januar bis September 2005 seien neun Mal mehr Packungen Tamiflu verkauft worden als zur gleichen Zeit im Vorjahr. Verglichen mit einem durchschnittlichen Monat war der Absatz im August und September 25 Mal höher.

Der Hersteller Roche bestätigt diese aus Beobachtungen der Arzneimittelverkäufe gewonnenen Zahlen nicht. Ein Sprecher bezifferte den Umsatz des Mittels im ersten Halbjahr weltweit aber mit 374 Millionen Euro, was einer Steigerung von 357 Prozent gegenüber 2004 entspräche.

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Grippemittel Tamiflu soll Verstärkung bekommen

Im Zeichen einer drohenden Grippepandemie ist Tamiflu eines der wenigen Medikamente, das ein wenig Schutz bieten könnte. Nur gibt es weltweit viel zu wenig davon. Aber eine alte Kriegs-Erfindung könnte helfen. mehr...

Grippemittel Tamiflu Ein Fest für die Pharmakonzerne

Die Vogelgrippe ist auf dem Vormarsch, die Angst vor einem Überspringen des Virus auf den Menschen ist groß. Angeblich einzige Hoffnung bislang ist das Grippemittel Tamiflu. Nun werden in Asien wirkungslose Fälschungen verkauft. mehr...

Pandemie-Gefahr "Die Bombe tickt"

Sind wir auf eine globale Grippepandemie ausgelöst durch das Vogelgrippevirus vorbereitet? "Nein" lautet die klare Antwort von Klaus Stöhr, Chef des "Global Influenza Programme" der WHO. mehr...

Pandemie-Gefahr Deutschland ist nicht gerüstet

Es ist nach Meinung von Wissenschaftlern nicht mehr die Frage ob, sondern nur noch wann sie kommt - eine Grippe-Pandemie. Trotz der Appelle der WHO an die Nationen, sich mit Medikamenten auszurüsten, ist Deutschland nicht vorbereitet. mehr...