. .
News am 28.05.2012
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
13. Januar 2006, 07:26 Uhr

Virus könnte Menschen mögen

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Anhaltspunkte, dass das aggressive Vogelgrippevirus H5N1 leichter auf den Menschen übertragen werden könnte. Dies haben Untersuchungen an Virenproben aus der Türkei ergeben.

Das H5N1-Virus unter dem Elektronenmikroskop (braun)© DDP

Das National Institute for Medical Research in London hat im Auftrag der WHO Virenproben von zwei an Vogelgrippe-Opfern in der Türkei genetisch analysiert und Mutationen gefunden. Es gebe aber noch keine Anzeichen dafür, dass sich das Virus von Mensch zu Mensch übertragen lasse, hieß es.

Bislang noch Vermutungen

Die Untersuchungen hätten ergeben, dass die in der Türkei genommen Viren-Proben ähnliche Mutations-Merkmale aufwiesen, wie sie bereits 2003 in Hongkong und 2005 in Vietnam festgestellt wurden. Danach bindet sich diese Virusformen leichter an eine menschliche als an eine Vogelzelle. Bisher handelt es sich nach WHO-Angaben nur um Vermutungen, die nun weiter erhärtet werden müssten.

Adobe Flash Player

Die Türkei versucht mit Massenschlachtungen von Geflügel der Vogelgrippe Herr zu werden© AP

"Diese Veränderungen haben keine Einfluss auf die potenzielle Bedrohungslage für den Menschen", sagt Dr. Michael Pfleiderer, Fachabteilungsleiter für Grippeimpfstoffzulassung des Paul-Ehrlich-Institutes.

"Influenzaviren verändern sich ständig. Viele H5N1-Isolate aus Menschen und Vögeln haben sich bislang unterschieden." Laut Pfleiderer sind die Mechanismen noch nicht erforscht, die ein Influenzavirus gefährlicher für den Menschen machen. Anhaltspunkte dafür liefern könnte das Virus der Spanischen Grippe, die 1918/1919 eine weltweite Pandemie mit vielen Millionen Toten hervorgerufen hatte. Wissenschaftler forschen nach Übereinstimmungen zwischen der Spanischen Grippe und dem Vogelgrippevirus, um herauszufinden, was die krankmachenden genetischen Eigenschaften sind.

Kinder scheinen gefährdeter zu sein

"Man kann nicht sagen, es fehlen noch eine oder zwei Mutationen, dann wird aus dem Vogelgrippevirus ein Pandemievirus, das von Mensch zu Mensch übertragen wird", sagt Pfleiderer. Was sich laut Dr. Pfleiderer jedoch abzuzeichnen scheint: Die Auswertung der bisherigen H5N1 Fälle beim Menschen in Asien und der Türkei zeigt, dass Kinder dem Virus offenbar bessere Voraussetzungen für eine Infektion bieten und somit beim direkten Kontakt mit infizierten Tieren gefährdeter sind.

Die drei Todesfälle in der Türkei scheinen diesen Verdacht zu bestätigen: Zwei 14- und 15-jährige Brüder, sowie ihre 11-jährige Schwester waren dem Vogelgrippevirus erlegen, nachdem sie sich an Hühnerköpfen infiziert hatten.

Insgesamt geht die WHO in der Türkei nun von 18 bestätigten Fällen mit dem H5N1-Virus aus. Dazu gehört auch ein am 7. Januar gestorbenes zwölfjähriges Mädchen, bei dem man zunächst nicht wusste, welcher Virustyp für ihren Tod verantwortlich war. Weltweit geht die WHO derzeit von 147 bestätigten Fällen aus. Die Organisation behält ihre derzeitige Alarmstufe bei.

Hersteller und Behörden, wie z.B das Paul-Ehrlich-Institut arbeiten an einem menschlichen Impfstoff gegen die Vogelgrippe. Dabei verfolgt man die Strategie, eine möglichst schnelle und wirksame Immunisierung zu erreichen. Dies ist allerdings erst möglich, wenn das Pandemievirus identifiziert ist und in die Impfstoffproduktion eingesetzt werden kann.

Bis dahin wird es Todesopfer geben. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl auf 50.000 bis 150.000 Tote.

"Diesen Preis wird man zahlen müssen", sagt Pfleiderer. "Wir wollen eine möglichst effektive Immunisierung. Die allgemeine Anwendung, zum Beispiel von Impfstoffen anhand des jetzigen H5N1-Virus, macht unserer Ansicht nach derzeit keinen Sinn."

Jens Lubbadeh mit Agenturen

 
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Vogelgrippe Todesvirus erreicht Ankara

In der türkischen Hauptstadt Ankara sind drei Menschen positiv auf das Vogelgrippevirus getestet worden. Medizinische Untersuchungen ergaben, dass es sich dabei um den tödlichen Virusstamm H5N1 handelt. mehr...

Vogelgrippe Die Furcht vor dem "Mischgefäß"

Europa hat die ersten Todesfälle durch die Vogelgrippe gemeldet - und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Grippesaison bevorsteht. Wenn das Vogelgrippe-Virus H5N1 und das menschliche Influenza-Virus aufeinandertreffen, droht eine Pandemie. mehr...

Vogelgrippe Kein Recht auf Reiserücktritt

Wem beim Anblick pickender Hühner die Lust auf den Türkei-Urlaub vergeht, muss für eine kostenlose Stornierung auf die Kulanz der Reiseveranstalter hoffen. Ein rechtlicher Anspruch besteht derzeit noch nicht. mehr...

Einschleppung von Vogelgrippe "Im März besteht das größte Risiko"

Die Vogelgrippe hat Ankara und Istanbul erreicht. Bis das Virus nach Deutschland kommt, scheint nur noch eine Frage der Zeit - im Frühjahr beginnt der Vogelzug. stern.de sprach mit Wolfgang Fiedler, Leiter der Vogelwarte Radolfzell. mehr...

Interview "Impfung nur, wenn die Seuche droht außer Kontrolle zu geraten"

Das Friedrich-Löffler-Institut arbeitet an einem Impfstoff für Tiere gegen die Vogelgrippe. Könnte die Seuche über Zugvögel auch zu uns gelangen? mehr...

Grippemittel Tamiflu Ein Fest für die Pharmakonzerne

Die Vogelgrippe ist auf dem Vormarsch, die Angst vor einem Überspringen des Virus auf den Menschen ist groß. Angeblich einzige Hoffnung bislang ist das Grippemittel Tamiflu. Nun werden in Asien wirkungslose Fälschungen verkauft. mehr...

Vogelgrippe Tamiflu bietet keinen Schutz mehr

Gegen die Vogelgrippe war Tamiflu angeblich das einzige bislang wirksame Mittel - und für den Hersteller Roche ein Riesengeschäft. War. Denn von dem Vogelgrippe-Virus gibt es zunehmend Tamiflu-resistente Varianten. mehr...

Vogelgrippe "Grippekranke könnten zum Mischgefäß werden"

Erstmals sind Menschen in Europa an der Vogelgrippe gestorben. stern.de sprach mit dem Robert-Koch-Institut über die das Risiko einer Grippe-Pandemie und die Resistenz des H5N1-Virus gegen das Medikament Tamiflu. mehr...