Auf den ersten Blick wirken Früherkennung und Vorsorge höchst vernünftig - doch allzu viel ist leider auch hier ungesund. Wer das Angebot überblickt, kann klug entscheiden.
Vieles kann jeder selbst tun, um seine Gesundheit lange zu
erhalten. Manche verborgene Gefahr aber lässt sich nur erkennen,
wenn mit professioneller Diagnostik zu Werke gegangen wird - bei
auffälligen Symptomen unverzüglich, ansonsten im Rahmen sinnvoller
Früherkennungsuntersuchungen. Bei ihnen gilt allerdings nicht "viel
hilft viel". Ein Übermaß an Diagnostik kann Schaden anrichten, teils
an der Gesundheit, teils am Geldbeutel. Deshalb lohnt es sich, die
folgende wissenschaftlich fundierte Bewertung gängiger Früherkennungsmethoden
zu beachten. Alle Angaben beziehen sich dabei auf
diejenigen, die sich zumindest bezüglich der interessierenden Frage
gesund fühlen (bei konkretem Krankheitsverdacht ist eine gezielte
Untersuchung ohnehin geboten). Auch jene, die wegen einer Krebsbehandlung
in der Nachsorge sind, sind nicht angesprochen. Für sie
gelten andere Untersuchungskataloge und Wiederholungsfristen.
Alle Aussagen gelten nur für die genannten Altersgruppen, insbesondere
bei der Mammografie. Bei privat zu zahlenden "IGeL"
(Individuellen Gesundheitsleistungen) ist die Wahrscheinlichkeit hoch,
dass etwas angeboten wird, das bislang ohne Nachweis des Nutzens
ist. Unstrittig ist der Nutzen beim Test auf Gebärmutterhalskrebs und
beim Test auf Blut im Stuhl (Darmkrebs) sowie der Blutdruckmessung.
Die Angaben zur Kostenübernahme beziehen sich auf die gesetzlichen
Krankenkassen (AOK, BEK, BKK, DAK und Co.).
Ein Schlüsselbegriff ist das sogenannte Screening - so bezeichnet
man Filter-Untersuchungen, bei denen die Teilnahme möglichst
vieler Menschen aus der entsprechenden Gruppe angestrebt wird.
Bei positivem Filter-Test folgt die eigentliche Diagnostik. Das sichert
unter anderem die Qualität, Aussagekraft und Wirtschaftlichkeit
der Untersuchungen.
Arnd Schweitzer
Wissenschaftliche Beratung:
Dr. Klaus Giersiepen, Bremer Institut für Präventionsforschung und Sozialmedizin; Günther Egidi, Bremen
Übernommen aus ...
Stern
Ausgabe 35/2008