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21. November 2006, 12:13 Uhr

Ein trauriger neuer Rekord

Der Welt-Aids-Bericht 2006 ist alarmierend: 39,5 Millionen Menschen leben mit dem tödlichen HI-Virus - so viele wie nie zuvor. Bis zum Jahresende rechnet man mit 2,9 Millionen Aids-Toten.

Aidskranke Frauen in Kenia mit Transparent: "Aidsprävention - das Schweigen brechen"© G. Pirozzi/UNAIDS/DPA

Mehr Infektionen, mehr Tote: Trotz einzelner Lichtblicke hat die weltweite Aidsepidemie mit 39,5 Millionen Infizierten einen neuen Höchststand erreicht. Bis zum Jahresende werden sich weltweit 4,3 Millionen Menschen neu mit dem Aidserreger HIV angesteckt haben. 2,9 Millionen Aidstote verzeichnet der der aktualisierte Weltaidsbericht 2006, den das Aidsbekämpfungsprogramm UNAIDS der Vereinten Nationen in Genf vorgestellt hat. In Deutschland stagniert die Zahl neuer Infektionen auf hohem Niveau: Im ersten Halbjahr wurden 1197 neue Fälle gemeldet.

Südlich der Sahara leben die meisten Menschen mit dem Virus

Nach wie vor wird Afrika südlich der Sahara am stärksten von dem Immunschwächevirus heimgesucht: Dort leben fast zwei Drittel aller Betroffenen (63 Prozent). Zwar sei der Anteil der Infizierten in einigen Ländern dieser Region zurückgegangen, diese Trends seien aber weder stark noch weit verbreitet genug, um die Epidemie wirklich zu schwächen, erklärte UNAIDS. Fast drei Viertel (72 Prozent) aller Todesfälle gab es im Süden Afrikas (2,1 Millionen). Den stärksten Anstieg der HIV-Infektionen verzeichnet der Bericht in Ost- und Zentralasien sowie Osteuropa. Dort gab es 2006 etwa ein Fünftel (21 Prozent) mehr Infizierte als 2004.

Weltweit erhalten nach UNAIDS-Angaben nur etwa ein Viertel der 6,8 Millionen Bedürftigen Medikamente. Im Kampf gegen Aids fehle viel Geld: 2006 stünden weltweit voraussichtlich 8,9 Milliarden US-Dollar (6,9 Millionen Euro) zur Verfügung. Benötigt würden aber 14,9 Milliarden Dollar. Der Bedarf steige 2007 auf 18,1 Milliarden Dollar, erwartet wird zurzeit nur der Eingang von 10 Milliarden Dollar.

Prostitution und Drogen treiben die Ansteckung in Indien

Zahlreiche Hilfsorganisationen klagen, dass die reichen Länder hinter ihren zugesagten Hilfszahlungen zurückbleiben. Würden die vorhandenen Behandlungs- und Vorbeugemethoden in 125 Staaten mit geringem und mittlerem Einkommen konsequent umgesetzt, ließen sich bis Ende 2020 etwa 29 Millionen neue Infektionen verhindern, berichtete UNAIDS. Allein bis 2015 würde das 24 Milliarden Dollar Behandlungskosten sparen.

In Asien, der am zweitstärksten betroffenen Region, leben 8,6 Millionen Menschen mit HIV/Aids. In Indien sind 5,7 Millionen infiziert, es ist damit vor Südafrika (5,5 Millionen) das Land mit den meisten Betroffenen. Zunehmend werden Inderinnen infiziert, weil sich ihre Männer bei Prostituierten mit dem Virus anstecken - in Bombay sind laut UNAIDS bis zu 54 Prozent der Prostituierten infiziert. In anderen Teilen des Indiens treiben verseuchte Drogenspritzen die Epidemie. Spritzen haben auch 44 Prozent der 650.000 Betroffenen China infiziert. UNAIDS warnt, dass sich das Virus von dieser Gruppe in den Rest der riesigen Bevölkerung ausbreiten könnte.

Homosexuelle Männer in Deutschland am stärksten betroffen

In den reichen Ländern West- und Zentraleuropas sowie den USA leben insgesamt 2,4 Millionen HIV-Infizierte, etwa 290.000 steckten sich 2006 neu an. In Deutschland stagniert die Zahl neuer Infektionen im ersten Halbjahr 2006 mit 1197 Fällen auf hohem Niveau, berichtete das Robert-Koch-Institut Anfang November. In den beiden vorangegangenen Halbjahren waren es 1254 und 1232 Fälle. Damit liege die Zahl der Neudiagnosen des Aidserregers HIV weiterhin um etwa 50 Prozent höher als in den Jahren 1999 bis 2001, dem bisherigen Tiefpunkt. Laut RKI stellen homosexuelle Männer mit 62 Prozent der Neudiagnosen erneut die größte Gruppe.

Das Humane Immunschwächevirus (HIV) zerstört den Immunschutz des Menschen, die dann meist an Folgeinfektionen wie Tuberkulose sterben. Medikamente zögern den Ausbruch von Aids über viele Jahre hinaus, treiben den Erreger aber nicht wieder aus dem Körper.

DPA
 
 
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