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Grippe-Impfung: Ja oder Nein?

In Deutschland verabreichen Ärzte zwei verschiedene Grippe-Impfstoffe. Beide bergen gewisse Risiken. Das sollten Patienten vor dem Gang zum Arzt wissen.

  Ein schmerzender Arm oder eine leichte Schwellung: Nach der Grippe-Impfung können unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten. Dabei handelt es sich um natürliche Reaktionen des Organismus auf den Impfstoff. 

Ein schmerzender Arm oder eine leichte Schwellung: Nach der Grippe-Impfung können unterschiedliche Nebenwirkungen auftreten. Dabei handelt es sich um natürliche Reaktionen des Organismus auf den Impfstoff. 

Grippe-Viren sind wie die Ebbe und Flut: Sie kommen zu einer bestimmten Zeit - und gehen wieder. Das tun sie mit einer derartigen Zuverlässigkeit, dass sich Ärzte und Medizinzentren jedes Jahr auf ihr Erscheinen im Herbst vorbereiten können. Bereits 21 Millionen Impfdosen hat das damit beauftragte Paul-Ehrlich-Institut für diese Saison zur Verfügung gestellt. Genug, um jeden vierten Bundesbürger gegen Grippe impfen zu lassen.

Seit der Influenzasaison 2012 und 2013 gibt es den Impfstoff  in zwei Varianten: Neu hinzugekommen ist der sogenannte Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird. Das Produkt mit dem Namen "Fluenz" enthält abgeschwächte Virus-Varianten und ist für Kinder im Alter von zwei bis einschließlich 17 Jahren zugelassen. Die zweite Impfstoff-Variante ist der sogenannte Totimpfstoff: Er enthält abgetötete Virus-Varianten, Ärzte verabreichen ihn via Spritze.

Diese Form der Verabreichung kann lokale Reaktionen auslösen: Die Einstichstelle schwillt mitunter leicht an und rötet sich. Einige Menschen berichten nach der Impfung auch über Schmerzen im Arm und ein allgemeines Krankheitsgefühl wie bei einer Erkältung. Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Frösteln können sich einstellen. Meist klingen diese Beschwerden jedoch nach ein bis zwei Tagen von selbst ab. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) ist der saisonale Impfstoff "in der Regel gut verträglich".

Ausgenommen hiervon sind Menschen, die allergisch auf Hühnereiweiß reagieren. Sie sollten sich nicht mit den üblichen Grippe-Impfstoffen immunisieren lassen. Da die Viren in Eiern kultiviert werden, können die fertigen Impfstoffe allergische Reaktionen auslösen. Für Betroffene gibt es in dieser Grippe-Saison einen hühnereiweißfreien Impfstoff, der in Zellkulturen hergestellt wird. Besondere Umsicht gilt auch für Menschen, die an einer akuten Infektion leiden oder Fieber über 38,5 Grad Celsius haben: Sie sollten die Impfung zu einem späteren Zeitpunkt nachholen.

Beide Impfstoffe besitzen vergleichbare Nebenwirkungen

Der Lebendimpfstoff, der als Nasenspray verabreicht wird, besitzt ähnliche Nebenwirkungen wie der Totimpfstoff. Nach der Impfung kann sich ein allgemeines Krankheitsgefühl einstellen, das vergleichbar mit einer Erkältung ist. Zusätzlich kann das Spray eine verstopfte Nase, Kopfschmerzen oder Appetitlosigkeit verursachen. Mindestens einer von zehn Geimpften entwickelt eine oder mehrere dieser Nebenwirkungen.

Da "Fluenz" abgeschwächte, aber lebende Viren enthält, eignet es sich nicht für immungeschwächte Menschen. Hier bestünde sonst die Möglichkeit einer Ansteckung. Auch für schwere Asthmatiker, Kinder unter 24 Monaten und solche, die eine Salicylat-Therapie erhalten, ist es nicht zugelassen. Teilweise fehlen für diese Patientengruppen klinische Daten oder es wurden schwerere Nebenwirkungen beobachtet.

Unabhängig vom Impfstoff gibt das RKI zu bedenken, dass die Grippe-Impfung nicht immer vor einer Ansteckung schützt: "Die Influenzaimpfung bietet keinen 100%igen Schutz, deshalb kann es auch bei Geimpften zu einer Erkrankung an Influenza kommen." Der Grund: Das Erbgut der Grippe-Viren verändert sich fortläufig. Mitunter variiert auch die Zusammensetzung der zirkulierenden Viren. Dann kann es vorkommen, dass die im Impfstoff enthaltenen Virusstämme nicht gut mit den tatsächlich auftretenden Viren übereinstimmen - was die Schutzwirkung der Impfung herabsetzt. In der Fachwelt gibt es für dieses Phänomen einen Namen: "mismatch", ein sogenanntes Ungleichgewicht.

Fakt ist, dass Geimpfte ihr Risiko, an einer Influenza zu erkranken, dennoch erheblich verringern können. Stimmen die zirkulierenden Viren mit den im Impfstoff enthaltenen Viren gut überein, wurde bei jungen Erwachsenen eine Schutzwirkung von bis zu 80 Prozent beobachtet. Grippe-Erkrankungen verlaufen bei Geimpften zudem meist milder, ohne schwere Komplikationen.

Auf die Schutzwirkung der Impfung sollte sich dennoch niemand ausschließlich verlassen. Das RKI rät zu weiteren Maßnahmen, um das persönliche Ansteckungsrisiko zu verringern. Dazu zählen die altbewährten Tipps: Abstand zu erkrankten Personen halten und regelmäßig gründlich die Hände waschen.

Ilona Kriesl
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