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Ist der Dreifach-Impfstoff sicher?

Die Viren-Zeit ist da - und noch bleibt für gefährdete Gruppen Zeit, sich gegen Grippe impfen zu lassen. Allerdings streiten sich Experten um den Impfstoff: Das derzeit verabreichte Dreifach-Vakzin schütze nicht so zuverlässig wie die Vierfach-Impfung.

  Zuverlässiger Schutz vor der Grippe? Einige Experten stellen die Wirkung des Dreifach-Impfstoffes infrage, andere halten an dem Vakzin fest.

Zuverlässiger Schutz vor der Grippe? Einige Experten stellen die Wirkung des Dreifach-Impfstoffes infrage, andere halten an dem Vakzin fest.

Wie jeden Herbst stehen Millionen Menschen vor der Frage: Gegen Grippe impfen lassen - oder nicht? Nach der Erkrankungswelle im vergangenen Winter hat das zuständige Paul-Ehrlich-Institut (PEI) bisher 21 Millionen Impfdosen für diese Saison freigeben lassen. Ob der Impfstoff aber immer wirkt, diese Frage treibt Experten schon seit einigen Wochen um. Nein, sagen die einen. Alles kein Problem, sagen die anderen.

Entbrannt ist die Debatte um den sogenannten Dreifach-Impfstoff: Er enthält Antigene dreier Virus-Varianten, die weltweit zirkulieren - davon zwei vom Typ A sowie eine vom Typ B. Manchen Medizinern ist das zu wenig: Sie raten zum in Deutschland deutlich weniger gängigen Vierfach-Impfstoff, der zusätzlich die Antigene eines weiteren B-Typen enthält. Wohl auch wegen der vermehrten Aufmerksamkeit durch Medienberichte sind die Vierfach-Vakzine laut PEI in dieser Saison jedoch nicht mehr verfügbar. Bestände gebe es womöglich noch im Großhandel.

Eine Nachproduktion des Impfstoffes ist nicht vorgesehen

Sind die Krankenkassen schuld, wie von Kritikern behauptet? Der Vierfach-Impfstoff ist tatsächlich deutlich teurer als der in großen Mengen von den Kassen georderte Dreifach-Stoff: Dieser kostet nach Angaben der Krankenkasse Barmer GEK "weniger als ein Drittel" des Vierfach-Präparats. Der Hersteller des ausverkauften Vierfach-Impfstoffs Glaxosmithkline sagte der "Neuen Osnabrücker Zeitung", eine kurzfristige Nachproduktion sei nicht möglich. Größere Kontingente seien wegen der Ausschreibungspraxis der gesetzlichen Kassen nicht eingeplant worden.

Die Empfehlung zur Zusammensetzung der Vakzine kommt jedes Jahr von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) - allerdings relativ zeitig vor Beginn der Saison. Dabei werden die Virus-Stämme berücksichtigt, die in der vergangenen Saison für den Großteil der Infektionen verantwortlich waren. Das birgt allerdings das Risiko, dass sich das Virus genetisch noch verändert. Schlimmstenfalls stimmt dann das im Impfstoff enthaltene Eiweiß nicht mehr mit dem Oberflächeneiweiß des aktuellen Erregers überein.

Befürchtungen seien "unbegründet"

Die "Befürchtungen einzelner Ärzte" seien dennoch unbegründet, erklärt die Barmer GEK. Der im Vierfach-Impfstoff enthaltene Virus-Typ komme nach derzeitigen Erkenntnissen "nur selten vor".

"Für den einzelnen ist die Entscheidung völlig irrelevant", sagt Caroline Isner, Medizinerin an der Klinik für Infektiologie und Pneumologie der Berliner Charité. Die WHO-Einschätzungen träfen meist zu, betont sie. Wenn es nicht so richtig passe, wie im vergangenen Jahr, sei das die Ausnahme. "Da muss man nicht gleich am Impfstoff zweifeln, auf keinen Fall", betont Isner. "Vielleicht hat man etwas mehr Glück mit dem Vierfach-Impfstoff, aber ganz ehrlich: ein Stamm. Da weiß keiner, ob das noch mehr Schutz bringt."

Wichtig sei es, überhaupt geimpft zu sein, betont Cornelius Remschmidt, Fachmann für Impfprävention am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin. Hochrechnungen zufolge gingen Menschen in Deutschland in der vergangenen Saison rund 6,2 Millionen mal wegen Grippe zum Arzt, wie das RKI kürzlich bilanzierte, 30.000 mussten ins Krankenhaus. Kliniken waren überlastet, in Unternehmen fielen die Angestellten reihenweise aus.

Wie viele Grippefälle es gab, ist schwer zu sagen: Ärzte lassen nur einen Bruchteil der Patienten labordiagnostisch untersuchen - rund 70.000 Fälle wurden auf diese Weise 2014 bestätigt. Die Zahl der Todesfälle schwankt von Jahr zu Jahr, die meisten der letzten zehn Jahre gab es in der Saison 2012/2013 mit 20.000.

Deutsche sind gegenüber der Grippe-Impfung zurückhaltend

Das ändert bislang nichts an der Zurückhaltung der Deutschen beim  Impfen: Die Über-60-Jährigen sind nach RKI-Angaben etwa zu 50 Prozent geimpft, bei den Jüngeren aus Risikogruppen ist es nur noch jeder Vierte. Misstrauen in die Impfung und die Ansicht, Grippe sei keine gefährliche Erkrankung, gelten laut einer RKI-Studie als häufigste Gründe. Dabei lässt sich ein schwerer Krankheitsverlauf durch den Piks oft vermeiden: "Impfen lassen sollten sich Menschen über 60, chronisch Kranke, Schwangere und medizinisches Personal", empfiehlt der RKI-Experte. "Bisher sind die Impfquoten absolut unzureichend."

Angesichts der Umstände in engen Massenunterkünften für Flüchtlinge drohe ein hohes Ausbruchsrisiko im Vergleich zur einheimischen Bevölkerung. Wer zu einer Risikogruppe zählt, lasse sich wegen Sprachbarrieren schwerer herausfinden. "Da kann es sinnvoll sein, die Impfung allen Asylsuchenden anzubieten", sagte Remschmidt. Die Gesundheitsämter müssten je nach Lage entscheiden. 

Optimal ist Experten zufolge die Impfung im Oktober und November, aber auch später kann man sie meist noch nachholen. Nach etwa 14 Tagen greift der Impfschutz. Bisher gibt es keinen Grund zur Beunruhigung: Es sind erst wenige Influenza-Fälle gemeldet.


von Gisela Gross, dpa

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