Das taugen rezeptfreie Erkältungsmittel

Ätherische Öle, Bäder oder Pflanzenextrakte: Wer erkältet ist, greift rasch zu solchen Präparaten. Doch helfen sie wirklich? Stiftung Warentest hat für stern.de die gängigsten Mittel bewertet.

Frei verkäufliche Medikamente gegen Erkältung, erkältung, grippaler Infekt, Husten, Schnupfen, Fieber, Heiserkeit

Kapuzinerkresse enthält Senföle, die keimtötend wirken sollen©

Wie sinnvoll sind Pflanzenkombinationen mit Pflanzenextrakten?

Angocin: Kapuzinerkresse und Meerrettich enthalten Senföle. Nach der Einnahme werden die Senföle über die Lunge wieder ausgeatmet und sollen dabei keimtötend wirken. Die therapeutische Wirksamkeit ist jedoch nicht ausreichend nachgewiesen, das Mittel bei Erkältungen deshalb "wenig geeignet".

Esberitox: Lebensbaum (Thuja occidentalis) enthält ätherisches Öl sowie Gerbstoffe und Harze, die schweiß- und wassertreibend wirken. Extrakte aus Sonnenhut (Echinacea) sollen das Abwehrsystem aktivieren. Wilder Indigo soll die Schleimhäute unempfindlicher gegenüber Krankheitserregern machen. Es liegen jedoch keine klinischen Studien vor, die die therapeutische Wirksamkeit der Einzelbestandteile sowie der Pflanzenkombination ausreichend nachweisen. Das Mittel gilt deshalb als "wenig geeignet".

Imupret: Die sieben verschiedenen in diesem Mittel enthaltenen Pflanzenextrakte sollen die Abwehrkraft steigern, Hustenreiz lindern und die Entzündungen im Rahmen der Erkältung dämpfen. Zumindest für die Extrakte aus Löwenzahn, Schafgarbe und Schachtelhalm liegen keine Hinweise vor, dass sie sich bei Erkältungen positiv auswirken können. Auch gelten Mittel mit mehr als drei Komponenten, als nicht sinnvoll zusammengesetzt. Aus diesen Gründen und weil keine klinischen Studien vorliegen, die die therapeutische Wirksamkeit ausreichend nachweisen, ist Imupret bei Erkältungen "wenig geeignet".

Risiken und Nebenwirkungen:

Angocin: Es können Verdauungsstörungen auftreten, insbesondere bei empfindlichem Magen oder Darm. In solchen Fällen sollte man die Dosis verringern oder das Mittel ganz absetzen.

Esberitox, Imupret: Allergische Reaktionen sind möglich. Bei Hautrötung und Juckreiz das Mittel absetzen. Sind die Hauterscheinungen einige Tage später nicht deutlich abgeklungen, ist ein Arztbesuch nötig. Einschränkungen:

Angocin: Für Kinder unter sechs Jahren liegen keine ausreichenden Erfahrungen vor, sie sollten das Mittel sicherheitshalber nicht erhalten.

Esberitox: Da unbekannt ist, ob und wie sich die Einnahme auf das sich entwickelnde Immunsystem von Kindern auswirkt, sollten Kinder unter vier Jahren das Mittel nicht bekommen.

Handelsname und DarreichungsformZusammensetzungPackungs- ­größeBewertung
ANGOCIN Anti-Infekt N, FilmtablettenKapuzinerkressen-
kraut 200 mg + Meerrettichwurzel 80 mg
50 StückWenig geeignet bei Atemwegs-
erkrankungen und grippalen Infekten, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist.
Esberitox, Tabletten3,2 mg Auszug aus Lebensbaum­spitzen und -blättern + Purpursonnenhut-
wurzel + Sonnenhut­wurzel + Wilder Indigo (Verhältnis 1:1,85:1,85:4,92)
60 StückWenig geeignet zur unterstützenden Behandlung von Atemwegs-
infekten, weil die therapeutische Wirksamkeit der Einzelwirkstoffe und der Kombination nicht ausreichend nachgewiesen ist.
Imupret DrageesEibischwurzel 8 mg + Eichenrinde 4 mg + Kamillenblüten 6 mg + Löwenzahnkraut 4 mg + Schachtelhalmkraut 10 mg + Schafgarbenkraut 4 mg + Walnussblätter 12 mg50 StückWenig geeignet bei häufig wiederkehrenden Atemwegs-
erkrankungen, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Nicht sinnvolle Kombination aus mehr als drei pflanzlichen Inhaltsstoffen.
Imupret Tropfen29 g Auszug aus Eibischwurzel 0,4 g + Eichenrinde 0,2 g + Kamillenblüten 0,3 g + Löwenzahnkraut 0,4 g + Schachtelhalmkraut 0,5 g + Schafgarbenkraut 0,4 g + Walnussblätter 0,4 g pro 100 g, enthält 19% Alkohol50 mlWenig geeignet bei häufig wiederkehrenden Atemwegs-
erkrankungen, weil die therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen ist. Nicht sinnvolle Kombination aus mehr als drei pflanzlichen Inhaltsstoffen.

In Zusammenarbeit mit www.test.de/medikamente

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